Taner Erdogan aus Leonberg mit seinem Sohn Foto: factum/Bach

Der Kung-Fu-Lehrer Taner Erdogan aus Leonberg hat eine Augenklappe für schielende Kinder entwickelt. Sein Sohn hatte das sonst übliche Pflaster nicht vertragen – so kam es zu dieser Erfindung.

Leonberg - Damit die Behandlung von Kindern mit Augenkrankheiten leichter wird, hat der Kung-Fu-Lehrer Taner Erdogan eine Augenklappe aus Stoff entwickelt. Für jedes verkaufte Produkt spendet er einen Euro an Kinderhilfswerke der Region

Fragt man den fünfjährigen Kaan heute, wo denn seine Augenklappe sei, fasst er sich überrascht an die Brille. „Er vergisst meistens, dass er sie trägt. Das war nicht immer so“, erzählt Taner Erdogan. Vor zwei Jahren merkten er und seine Frau, dass ihr Sohn immer leicht an ihnen vorbeischaut, wenn sie mit ihm sprechen. Der Augenarzt stellte dann Amblyopie, eine Form des Schielens, fest, die nur durch das Abkleben des gesunden Auges therapiert werden kann.

„Schielen kann nur im Kindesalter therapiert werden“, weiß der Kung-Fu-Lehrer aus Leonberg, „durch die Pflaster werden der Muskel und der Sehnerv des erkrankten Auges trainiert.“ Aber bei Kaan lösten sie einen schlimmen Ausschlag aus. Weil es ihn so gejuckt hatte, wollte er sie nicht mehr tragen. Damit die notwendige Therapie trotzdem fortgesetzt werden kann, griff Erdogan kurzerhand selbst zu Nadel und Faden. Aus zwei Stücken Stoff nähte er eine Augenklappe, die er über das Brillengestell seines Sohnes gezogen hat, und präsentierte seine Idee dem Augenarzt. „Der Arzt war begeistert und hat gesagt, dass die Klappe so effektiv wäre wie die herkömmlichen Pflaster.“

Eine Euro pro Verkauf wird gespendet

Nach knapp eineinhalb Jahren Therapie hat sich die Sehstärke von Kaan auf dem erkrankten Auge bereits um 80 Prozent verbessert, und auch das Schielen hat deutlich abgenommen. Der gute Erfolg bei seinem Sohn hat Taner Erdogan dazu bewogen, die Augenklappen auch anderen Betroffenen zur Verfügung zu stellen. Seit einigen Monaten betreibt er neben seinen acht Kung-Fu- Schulen deswegen nun auch noch die Kaan GmbH, mit der er die nach seinem Sohn benannten „Kaans-Patches“ vertreibt. Hergestellt werden die Augenklappen in Burladingen im Zollernalbkreis. Den Versand übernimmt Taner Erdogan von seinem Wohnzimmer in Leonberg aus. Rund 30 Bestellungen hat er momentan im Monat. „Bisher kennen vor allem Augenärzte in Bayern und Baden-Württemberg mein Produkt. Aber auch aus Hamburg und dem Ausland kommen bereits Bestellungen“, sagt er.

Für ihn war die Erfindung der Augenklappen keine Geschäftsidee, sondern sollte in erster Linie seinem kranken Sohn helfen. Aus diesem Grund hat er beschlossen, für jedes verkaufte Produkt einen Euro an Kinderhilfsprojekte in der Region zu spenden. „Ich möchte, dass die Augenklappen so vielen Kindern wie möglich helfen. Dazu gehören auch Kinder, die nicht an einer Augenkrankheit leiden“, sagt er.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: