Michael Groh von der Bahn (Zweiter von links) und Oberbürgermeister Frank Dehmer (Dritter von links) zerschneiden am Montag mit weiteren Projektbeteiligten das Band. Foto: Markus Sontheimer

Ein Zusammenschluss für Barrierefreiheit hat in Geislingen vor Jahren den Einbau von Aufzügen im Bahnhof der Stadt angestoßen. Die wurden Anfang der Woche eingeweiht. Doch die Initiatoren waren nicht eingeladen.

Geislingen - Schon seit ein paar Wochen gelangen Fahrgäste am Geislinger Bahnhof erstmals mit Aufzügen über die Gleise. Doch erst am Montagnachmittag wurden die Fahrstühle und die modernisierte Unterführung mit rund  15 geladenen Gästen offiziell eröffnet. Für Geislingerinnen und Geislinger hat damit ein langes Warten ein Ende. Auch Bürger, die sich ehrenamtlich für die Ausstattung des Bahnhofs mit Aufzügen engagiert hatten, haben ein Ziel erreicht. 

Michael Groh, der Leiter des Regionalbereichs Südwest bei der Bahn-Tochter Station&Service, und Oberbürgermeister Frank Dehmer durchschnitten zur Eröffnung der Aufzüge symbolisch ein rotes Band. Mit dabei waren die Verantwortlichen der nun fertigen Baustelle. Groh dankte in einer kurzen Ansprache den Bauarbeitern. „Die 5,7 Millionen Euro sind gut investiertes Geld“, sagte der Bahn-Vertreter.  Bahn und Bund hätten 5,4 Millionen Euro der Kosten übernommen, die Stadt Geislingen 300 000 Euro. Nach dem Spatenstich im Februar 2020 habe sich der Bau  ungefähr ein halbes Jahr verzögert, da die Bauar­beiter auf zwei Felsformationen stießen. Dabei sei es darum gegangen, das Fundament zu sichern. Wie Projektleiter Manfred Zdzuj erklärte, wurden die Treppenstufen am Eingang zwei Meter in Richtung Bahnhofstraße versetzt, einige Mauern und die Dächer mussten neu gebaut werden. Ebenso wurden zum Beispiel die Wasserleitungen an den Dächern erneuert.

„Der Bahnhof ist noch nicht barrierefrei“, sagte Groh. Dazu müssten die Bahnsteige auf 76 Zentimeter erhöht werden. Die Bahn wünsche sich, Reisenden einen Einstieg ohne Schwellen zu ermöglichen. Allerdings gab er zu bedenken: „Es ist schwierig, eine gemeinsame Finanzierung zu finden.“ Wenn klar sei, woher das Geld komme, dauere es noch vier bis fünf Jahre, bis das Projekt tatsächlich umgesetzt werde. Laut Groh hat Berthold Frieß, der Ministerialdirektor im Stuttgarter Verkehrsministerium, Bahn und Stadt im Herbst zu einem gemeinsamen Treffen eingeladen, um die Finanzierung und Realisierung des Vorhabens zu besprechen. „Ich hoffe, dass wir dort zu einer Lösung kommen“, sagte Dehmer. Er hob hervor, dass die neuen Aufzüge in Geislingen nicht nur für  Menschen im Rollstuhl, sondern auch für Fahrgäste mit Kinderwagen oder Fahrrad eine Erleichterung seien.

Das Bündnis barrierefreier Bahnhof Geislingen war bei der Einweihung unterdessen nicht vertreten. Die Gruppe, die zum Beispiel aus dem Stadtbehindertenring Steigle besteht, sammelte im Jahr 2014 rund 4000 Unterschriften für den Aufzug und überzeugte nach eigener Aussage die Geislinger Entscheidungsträger davon, das nötige Geld zu investieren. Gisela Kohle, Vorsitzende von Steigle, ist enttäuscht darüber, dass niemand vom Bündnis eingeladen wurde. „Das Übergehen der Bahn sehe ich als Missachtung des bürgerschaftlichen Engagements“, sagt Kohle. Groh verwies auf Nachfrage darauf, dass es sich bei der Eröffnung der Aufzüge um eine Info-Veranstaltung gehandelt habe und dass der barrierefreie Bahnhof noch nicht erreicht sei. „Wir werden sie auf jeden Fall zum Spatenstich einladen“, sagte er. Dehmer verwies darauf, dass nicht vergessen werde dürfe, dass man sich noch immer in einer Pandemie befinde und man die Personenanzahl beschränken müsse. „Wir haben uns sogar überlegt, ob wir überhaupt etwas machen“, sagte der Rathauschef.

Fast 20 Jahre von der Idee bis zur Umsetzung

2004
Der Stadtbehindertenring Steigle gründet sich. Eine Zielsetzung ist es, den Bau eines Aufzugs am Bahnhof zu verwirklichen.

Mai 2014
Laut Steigle überzeugte der Verein zusammen mit dem Bündnis „barrierefreier Bahnhof“ die Fraktionen des Gemeinderats vor der Kommunalwahl davon, dass sie die Forderung in ihre Wahlprogramme aufnehmen.

Oktober 2014
Verhandlungen zwischen Geislingen, Bahn und Land beginnen. Am Ende steht das Ergebnis: Die Stadt muss sich mit maximal 300 000 Euro (statt vorher 720 000 Euro) am Aufzugsbau beteiligen.

März 2016
Der Geislinger Gemeinderat stimmt einer Beteiligung der Stadtverwaltung beim Bau der  Aufzüge zu.

Februar 2020
Spatenstich zum Umbau des Geislinger Bahnhofs und Bau eines Aufzugs.

August 2021
Offizielle Eröffnung der Aufzüge am Geislinger Bahnhof.