Schauspielerin Anna Schudt, unten rechts im neuen Film „Die Ältern“, darüber mit Gaby Köster für den Film „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“. Foto: Jeanne Degra, Georg Fischer (dpa), Caroline Seidel (dpa)

„Tatort“-Schauspielerin Anna Schudt, bald in Fellbach mit „Love Letters“ zu erleben, spricht über eigene Liebesbriefe, ihre Rolle als Gaby Köster und den neuen Kinofilm „Die Ältern“.

Bundesweit reisende Theatergänger kennen sie von der Schaubühne in Berlin oder aus dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Weitaus größere Bekanntheit erlangte Anna Schudt durch ihre TV-Auftritte – etwa durch ihre 22 Einsätze in elf Jahren als Hauptkommissarin Martina Böhnisch im „Tatort Dortmund“ an der Seite von Jörg Hartmann. Weithin Aufsehen erregte sie auch 2017 in ihrer Darstellung der von einem Schlaganfall gezeichneten Komikerin Gaby Köster im RTL-Fernsehfilm „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“. Kurz vor ihrer gemeinsamen Lesung aus dem Buch „Love Letters“, in der sie erneut gemeinsam mit ihrem Kollegen Jörg Hartmann zu erleben ist, spricht die 51-Jährige über ihre eigenen Liebesbriefe, ihre Dialektfähigkeiten, den Abend in Fellbach und über ihren brandaktuellen Film „Die Ältern“.

 

Frau Schudt, widmen wir uns Liebesbriefen – die Frage liegt auf der Hand angesichts des Programms „Love Letters“, mit dem Sie in Fellbach zu Gast sind: Wann haben Sie zuletzt einen Liebesbrief erhalten? Oder selbst geschrieben?

Ich schreibe gern und viele Liebesbriefe. Lange und auch kurze. Vor allem an Weihnachten und zu Geburtstagen.

Heutzutage erfolgt ein derartiger Gefühls- und Gedankenaustausch wohl nur noch per WhatsApp oder anderen sozialen Medien – mir kommt das im Vergleich zu früheren Zeiten schon ein bisschen wie eine Wisch-und-Weg-Attitüde vor, oder? Derartige Erinnerungen bewahrt man doch nicht jahrzehntelang im Handy auf.

Der Unterschied zum Brief ist natürlich, dass es kurz mal zwischendurch gemacht werden kann. Ein Brief braucht Zeit, Muße, Gedanken. Es ist schön, einen Brief in der Hand zu halten, finde ich. Nichtsdestotrotz sind WhatsApp und Co. eine schöne Möglichkeit, in Kontakt zu sein. Auch für den kurzen Austausch von Liebenswürdigkeiten. Ich mag beides gern.

„Love Letters“ ist der Titel der Liebesgeschichte, die Sie mit Jörg Hartmann in Fellbach lesen. Andy und Melissa finden sich anziehend, aber: „Sie konnten zusammen nicht kommen“, wie es schon in der Königskinder-Ballade heißt. Eine traurig-tragische Geschichte oder trotzdem eine sinnvolle Beziehung, die einen erfüllen kann?

Diese Briefe beginnen in der Grundschule und sind damit Dokumente eines Lebens. Natürlich lieben sie sich, aber ihre Leben driften auseinander und wieder zusammen. Sie haben sehr unterschiedliche Vorzeichen, und es wäre keine Option, eine Partnerschaft im herkömmlichen Sinne zu führen, trotzdem sind sie sich über alle Maßen wichtig. Und sie bleiben verbunden bis zum Schluss. Das ist das Tragische wie auch das Wunderschöne an dieser Geschichte.

Worauf darf sich das Fellbacher Publikum an diesem Liebeslektüreabend einstellen?

Wir lesen diese Briefe in den beiden Charakteren, was den Abend zu einem Theaterabend macht. Zwar sitzen wir nur da, und es sieht aus wie eine Lesung, aber vor uns allen rollt sich die ganze Lebensgeschichte der beiden aus, wir besteigen zusammen diesen Teppich und laufen ihn von Anfang bis Ende mit den Zuschauern ab. Das wird ein sehr schöner Abend für uns alle.

Als gebürtige Konstanzerin dürfte Ihnen der Bodensee-Dialekt geläufig sein; in Mundartrollen habe ich Sie bisher aber nicht entdeckt – oder haben Sie die schwäbische oder alemannische Lautmalerei doch schon mal ausprobiert? Ihren Mann Moritz Führmann durfte man ja vor gut einem halben Jahr als Gefängniswärter Bubeck in „Stammheim“ erleben – mit glaubwürdigem schwäbischem Einschlag.

Mit Mundart habe ich tatsächlich auch schon gespielt, bei Maren Kroymann zum Beispiel. Und natürlich als Gaby Köster in „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“. Wobei ich das Kölsche sehr fleißig gelernt habe, das war richtig schwierig für mich, wie eine neue Sprache. Aber wenn man ihr und ihren Weggefährten glauben kann, hab ich es einigermaßen glaubhaft hinbekommen (lacht). Überhaupt war diese Rolle eine wundervolle Herausforderung. Ich mag es, neue Dinge zu lernen, ich halte das für einen sinnvollen Lebenszweck.

Szene aus dem Film „Die Ältern“, der gerade in den deutschen Kinos anläuft, mit Anna Schudt und Sebastian Bezzel (Mitte) als ihrem Ehemann. Foto: Constantin Film

„Die Ältern“ ist der Titel Ihres jüngsten Filmprojekts. Worum geht es da?

Tatsächlich ist vor wenigen Tagen der Kinofilm „Die Ältern“ von Sönke Wortmann im Kino angelaufen, ein Film für die ganze Familie, sehr unterhaltsam und lebensnah.

Aktuell sind Sie auch wieder, zumindest im Fernsehen, als Geburtshelferin unterwegs?

Stimmt, die neue Staffel „Push“ ist gerade abgedreht, das ist mein absolutes Herzensprojekt: Ich spiele eine Hebamme, die erste Staffel kann man in der ZDF-Mediathek anschauen, und ich möchte sie hier sehr empfehlen. Im März beginnen die Dreharbeiten für ein neues Projekt, ein Theaterstück steht auch noch auf der To-do-Liste dieses Jahr. Also: Ich schaue mit sehr viel Freude nach vorne – und freue mich jetzt als Nächstes auf unsere Lesung in Fellbach.

Schauspielende Frühstarterin

Bodensee-Kind
Am 23. März 1974 in Konstanz geboren und dort aufgewachsen, verlässt Anna Schudt bereits mit 17 Jahren das Gymnasium, wird direkt an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule aufgenommen und mit 19 fest an den Münchner Kammerspielen engagiert. Für ihre Rolle als Gaby Köster wurde sie 2018 in New York mit dem Emmy Award ausgezeichnet. Ganz aktuell ist „Die Ältern“ angelaufen, in dem Anna Schudt die Ehefrau des von einer Schreibkrise erfassten Schriftstellers (verkörpert von Sebastian Bezzel) darstellt.

Lesung
Zusammen mit Jörg Hartmann präsentiert Schudt am Samstag, 21. Februar, um 18 Uhr in der Schwabenlandhalle auf Einladung der Kulturgemeinschaft Fellbach den Briefroman „Love Letters“ von Albert Ramdsdell Gurney. Hartmann begeisterte bereits im vergangenen Jahr bei der umjubelten Lesung aus seinem Roman „Der Lärm des Lebens“ die Zuhörerinnen und Zuhörer in Fellbach. Karten für „Love Letters“ zu 22 Euro gibt’s beim i-Punkt im Rathaus Fellbach, Telefon 0711 / 58 00 58.