Boris Palmer war zu Gast in der Sendung „Hart aber fair“ (Archivbild). Foto: dpa

Dem vielversprechenden Talk zum Thema Populismus mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer fehlte es an Würze. Grund war womöglich auch das Fernbleiben des angekündigten Kevin Kühnert.

Berlin - Gleich zwei Politiker, die gerade in aller Munde sind, hätten am Montagabend in der Talkshow „Hart aber fair“ zu Gast sein sollen. Boris Palmer, weil der grüne Tübinger OB regelmäßig gegen die Parteilinie bürstet und sich mit kritischen Aussagen zum Thema Migrationspolitik im Gespräch hält. Und schließlich Kevin Kühnert – der Juso-Vorsitzende hatte in einem „Zeit“-Interview gesagt, dass er sich die Kollektivierung von Wohneigentum oder Autobauern wie BMW vorstellen könne. Der kam aber nicht.

Eine Begründung blieb Moderator Frank Plasberg bis zum Ende der Sendung schuldig. Kühnerts Ankündigung auf der „Hart aber fair“-Facebook-Seite wurde kurz nach Beginn des Talks kommentarlos gelöscht, nachdem sich Nutzer über sein Fehlen in der Runde gewundert hatten. Zehn Minuten vor Schluss klärte Plasberg schließlich auf, das Kühnert wegen Grippe kurzfristig abgesagt habe.

Boris Palmer kommt zu spät

Außerdem unter den Diskutierenden: Der AfD-Politiker Guido Reil, der österreichische Politikwissenschaftler Peter Filzmaier, der „Bild“-Journalist Ralf Schuler und Isabel Schayani, Moderatorin beim „Weltspiegel“. Und schließlich auch Boris Palmer, der zunächst auf sich warten ließ.

Nachdem Filzmaier Aristoteles bemüht hatte, um das Thema des Abends, Populismus, theoretisch zu erklären, begrüßte Plasberg den verspäteten Boris Palmer, der gerade am Flughafen Berlin-Tegel gelandet war. Ein Einspieler, in dem der AfD-Europakandidat Guido Reil zum Thema Zeitumstellung gegen den europäischen Parlamentarismus wetterte, rückte Aristoteles’ Thesen schnell in den Hintergrund. Palmer widersprach dem vehement und bekannte sich uneingeschränkt zum Parlamentarismus, verbot sich aber gleichzeitig, selbst als Populist bezeichnet zu werden. Derweil begründete Reil, warum er ins EU-Parlament gehöre, so: „Jemand wie ich wird da unglaublich wertvoll sein.“

Journalisten nehmen die Rolle des fehlenden Kühnert ein

„Schlechter Stil“, beschrieb der Journalist Ralf Schuler den Begriff Populismus etwas später. Gepasst hätte die Bezeichnung womöglich auch auf Reils vorangegangenes Eigenlob. Insofern nahmen die Medienschaffenden etwas die Rolle des fehlenden Kevin Kühnert ein, was ihnen zwar nicht so schlecht gelang, allerdings ein wenig von der gebotenen journalistischen Distanz wegführte.

Insofern lag es an ihnen, ein Wahlplakat der AfD, das einen Sklavenmarkt mit arabisch anmutenden Menschen und einer nackten, hellhäutigen Frau zeigte und mit dem Satz „Damit aus Europa kein ,Eurabien’ wird“ überschrieben war, zu kritisieren. Die Debatte, bei der sich unterm Strich ein Grüner und ein AfDler dem Rest gegenüberstanden, blieb zahnlos.

Wenn Kevin Kühnert wieder gesund wird, dann könnte er bereits am Freitag in Stuttgart zu sehen sein. Er ist einer Einladung der Stuttgarter Jusos in den Club White Noise an der Eberhardstraße gefolgt, wo sich jeder von 15.45 Uhr an selbst ein Bild von dem Politiker machen kann.

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