Aykut Tataroglu mit seinem Baby: der „Stage III“. Foto: factum/Granville

Aykut Tataroglu hat eine Motorradwerkstatt in Bietigheim-Bissingen. Der mehrfach preisgekrönte Bikebauer hat es nun in die Kultsendung „American Chopper“ geschafft.

Bietigheim-Bissingen - Dieser Aykut ist ein guter Bikebauer. Einige seiner Bikes und die Metallarbeiten daran sind einfach phänomenal.“ Diese Worte stammen von Paul Teutul Senior, in Amerika Kultfigur und Host der Sendung „American Chopper“, in der besonders edle Motorräder optisch aufgemotzt werden. Der Adressat dieses Kompliments ist Aykut Tataroglu aus Bietigheim-Bissingen. Er ist mehrfach prämierter Bike-Bauer und wurde nun mit einem Auftritt in der Sendung von Vater und Sohn Teutul geadelt.

„Der alte Teutul lässt schon mal Dampf ab, wenns sein muss. Aber er ist ein herzensguter Mensch. Wer die Sendung nicht kennt: Die Streits zwischen Teutul Senior und Junior sind legendär. Eine Szene, in der die beiden sich anschreien und der Sohn anschließend mit einem Stuhl um sich wirft, hat es im Internet zur Berühmtheit gebracht.

Tataroglu ist seit 24 Jahren selbstständiger Bike-Bauer, seit anderthalb Jahren hat er eine Werkstatt in Bietigheim-Bissingen. Spezialisiert hat er sich auf Harley-Davidsons. Mit 27 Jahren baute er sich seine erste Harley selbst zusammen – für eine von der Stange fehlte noch das Geld. Die Reifen dazu stammten von Autos – „Motorrad-Reifen waren mir nicht bereit genug“, sagt er. Die Fertigkeiten dafür hat er schon als Kind gelernt: sein Vater hatte eine Autowerkstatt. „Schon als Kind hatte ich ölverschmierte Hände“, sagt der 56-Jährige.

Er hat ein Patent auf Räder mit Titanspeichen

Diese Do-it-yourself-Mentalität hat der gelernte Maschinenschlosser sich bis heute bewahrt. So fertigt er beispielsweise eigene Räder mit 20 dicken Titanspeichen – eine Eigenkreation, auf die Tataroglu ein Patent angemeldet hat. „Ich träume in Metall“, sagt der Bikebauer von sich. Vorab-Zeichnungen braucht er nicht. „Ich kriege das hin, meine Gedanken eins zu eins Metall umzusetzen.“ Und dabei klotzt er statt zu kleckern: Auf seiner Homepage finden sich Fotos von besonders langen Bikes mit extra dicken Reifen. „Ich mag das Abnormale, Standard macht jeder“, sagt er.

Seine neueste Kreation ist die „Stage III“, eine Harley im Drag-Style, also einem besonders langen Radstand. Zu den Zahlen: 1850 Kubikmeter Hubraum, 200 PS mit Kompressor und knapp 5000 Arbeitsstunden stecken darin. Den Wert des Bikes will Tataroglu gar nicht erst beziffern. „Das ist quasi ein Kunstwerk“. Bei den Europameisterschaften im „Customizen“, so heißt das individuelle Gestalten der Motorräder unter den Bikern, hätte er damit fast Gold geholt. Bei der Abstimmung hatte er schon die Mehrheit der Stimmen hinter sich, doch dann sprang das Motorrad nicht an.

Vor ein paar Jahren wollte er das Customizen sein lassen

Dafür hat er genug andere Preise gewonnen. In seinem Büro im Keller seiner Werkstatt stehen sie alle in einem Regal. 19 erste Plätze auf vier verschiedenen Kontinenten hat er mit seinen Bikes gewonnen. Sein neuester Preis ist von Harley Davidson selbst: zur 115-Jahr-Feier in Prag luden sie Tataroglu ein. Er kam mit seiner „Stage III“ und räumte den Bestpreis ab.

Vor ein paar Jahren hat Tataroglu mit dem Gedanken gespielt, das Customizen sein zu lassen. Zu sehr beschäftigt ihn ein neues Projekt immer. „Und wenn ich damit nicht weiterkomme, brüte ich solange darüber, bis es passt.“ Doch schnell musste er feststellen, dass er vom Bike-Basteln nicht lassen kann: „Es hat mir gefehlt und in den Fingern gejuckt“, sagt er. Also kam er nach Bietigheim und eröffnete eine neue Werkstatt auf dem Bigpark-Gelände. Unter dem Namen „A.T. American Cycles“ repariert, wartet und individualisiert er nun Harleys. Bis er mal wieder in den urlaub fährt. Dann aber mit einer normalen Harley – ist gemütlicher, sagt er.

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