Rudolf Brenkel Foto: Horst Rudel

Alte Männer pflegen alte Bäume – so lässt sich das Geschehen auf den Obstwiesen im Land zugespitzt beschreiben. Mit seinen Streuobstpflegetagen will der baden-württembergische Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft (LOGL) gegensteuern.

Altbach - Rund neun Millionen Obstbäume wachsen in Baden-Württemberg. Mit einer Ausdehnung von 115 000 Hektar bilden die Obstwiesen im Land die größten zusammenhängenden Streuobstbestände in Europa. Die Bäume tragen rund 3000 verschiedene Obstsorten. Sie prägen, vor allem zur Obstblüte im Frühjahr, nicht nur das Landschaftsbild, sondern bieten zu allen Jahreszeiten mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten den notwendigen Schutz- und Lebensraum. Dabei hängt ihr Überleben selbst am seidenen Faden. „Fehlende Wirtschaftlichkeit und die mangelnde Fachkenntnis vieler Baumbesitzer über die richtige Pflege zehren an der Substanz“, sagt Rolf Heinzelmann, der Geschäftsführer des Landesverbands für Obstbau, Garten und Landschaft (LOGL) in Baden-Württemberg.

Seinen Worten zufolge kann der ökologisch wertvolle Lebensraum nur erhalten werden, wenn die Obstbäume von Zeit zu Zeit gepflegt werden. Mit den seit elf Jahren ausgerufenen Streuobstpflegetagen versucht der Verband, der im Land mehr als 100 000 Mitglieder zählt, dieses Bewusstsein zu schärfen. Das Bemühen um die Weitergabe des fachlichen Wissens steht auch bei der diesjährigen Auftaktveranstaltung am Samstag, 24. Februar, von 11 Uhr an auf dem Gelände des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Altbach im Mittelpunkt.

Die fachliche Beratung steht im Mittelpunkt

„Uns geht es nicht um die touristische Vermarktung der Obstwiesen, wie es sich etwa das Streuobstparadies auf die Fahnen geschrieben hat. Wir suchen den fachlichen Zugang“, sagt Heinzelmann. Mit den Pflegetagen sollen deshalb gezielt die Obst- und Gartenbauvereine angesprochen werden. Sie melden dem Landesverband die Zahl der Streuobstbäume, die während des Projektzeitraums vom 1. bis zum 31. März geschnitten worden sind. In den vergangenen Jahren waren es laut Heinzelmann jeweils rund 9000 Bäume, die so auf ehrenamtlicher Basis gepflegt wurden.

Dass die Stücklesbesitzer, die sich dieser Aufgabe stellen, in der Regel mit ihren Bäumen alt geworden sind, sieht man beim Landesverband gelassen. „Es bedarf einer gewissen Lebenserfahrung, um den richtigen Blick auf die Dinge zu bekommen. Das ist auch eine Frage der Reife, der Einstellung und nicht zuletzt der Sesshaftigkeit“, sagt Heinzelmann. Niemand lasse sich auf die zeitaufwändige Pflege einer Obstwiese ein, wenn ihn in jungen Jahren der Beruf oder die Bedürfnisse der Familie jederzeit woanders hin verschlagen könne.

OGV Altbach pflanzt alte Obstsorten auf Projektwiese

Beim OGV Altbach dagegen wird der nachhaltige Ansatz gepflegt. Dessen Vorsitzender, Rudolf Brenkel, wird anlässlich der Auftaktveranstaltung das Obstwiesenprojekt vorstellen, das der Verein gemeinsam mit der Gemeinde Altbach angestoßen hat. Als Ausgleichsmaßnahme für ein neues Baugebiet pflanzt der Verein auf einer Fläche von rund 1,2 Hektar dabei gezielt alte Obstsorten an. Benjaminler, Brennkirsche, Speierling, der Bittenfelder Sämling oder die Kirchensaller Mostbirne finden dort einen neuen Lebensraum.

Am Samstag bekommt die Altbacher Obstbaumparade Zuwachs. Der Vereinsvorsitzende, Rudolf Brenkel, wird, unterstützt von Jens Häußler, dem Obst- und Gartenbauberater des Landratsamts Esslingen, auf dem OGV-Gelände ein Knausbirne pflanzen. Der robuste Baum, dessen herbsüßen, zuckerreichen Früchte sich besonders gut als Birnenschnitze machen, ist vom Landesverband zur Streuobstsorte des Jahres 2018 gekürt worden.

Auftakt in Altbach

Die 11. landesweiten Streuobstpflegetage werden am Samstag, 24. Februar, um 11 Uhr in Altbach eröffnet. Gastgeber sind neben dem Landesverband der Kreisverband Esslingen und der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Altbach. Auf den Altbacher Obstwiesen beim Aussiedlerhof Seifried, Waldwiesen 1, wird die Streuobstsorte des Jahres 2018, die Knausbirne, und das Sortenprojekt des OGV Altbach vorgestellt. Der Baumpflanzung schließt sich eine Schnittdemonstration verschiedenen Obstbäumen an.

Die Knausbirne, Streuobstsorte des Jahres 2018, ist besonders für Birnenschnitze geeignet, fand aber früher wohl auch Verwendung zur Obstweinbereitung, wie die Namen Frühe Weinbirne vermuten lässt. Als solche ist sie in der Schweiz bereits seit 300 Jahren bekannt. Der anspruchslose Baum zeichnet sich durch einen starken, aufrechten Wuchs, eichenähnliche Stämme und hochgebaute Kronen aus.

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