Der Saxofonist Martin Posegga sorgte mit einer Improvisation für bläserischen Klangzauber. Foto: Rainer Kellmayer

Das Podium-Festvial hätte im April ungewöhnliche Konzerte und viel Musik bieten sollen. Doch Corona machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Nun soll die zwölfte Auflage des Musikgenusses im Oktober über die Bühne gehen.

Esslingen - Eigentlich hätte die zwölfte Auflage des Podium-Festivals im April mit einem breit gefächerten Programm an ungewöhnlichen Konzertorten in Esslingen stattfinden sollen. Dann kam Corona und machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung – alles wurde auf Eis gelegt. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Das Festival wird in veränderter Form im Oktober nachgeholt. Und schon jetzt wurde das Publikum eingestimmt: Am Wochenende gab es im Park neben der Villa Merkel drei Konzerte mit ganz unterschiedlicher Musik. „Wir freuen uns ungemein, wieder Musik für die Öffentlichkeit machen zu können“, sagte der der Festival-Chef Steven Walter.

 

Freiheit beginnt mit Mozart

Zusammen mit seiner Mannschaft hatte er alles bestens organisiert: Die jeweils einstündigen Programme überzeugten in Qualität und Vielfalt, der Konzertort waren corona-konform vorbereitet, und einige rund ums Podium platzierte Lautsprechern sollten dem Publikum ein Klangerlebnis wie im Konzertsaal bescheren. Dies gelang zwar nur bedingt, da elektronisch verstärkte Töne naturgemäß niemals die Feinheit und Intimität unplugged gespielter Musik erreichen können. Doch das trübte die Freude bei dem mit „Freiheit“ überschriebenen Eröffnungskonzert, das mit Wolfgang Amadeus Mozarts Flötenquartett D-Dur anfing, nicht.

Frisch ging die Flötistin Helen Montag, zusammen mit Johanna Ruppert (Violine), Ruth Kemna (Viola) und Stefan Hadjiev (Violoncello), ans Werk, ließ in den Ecksätzen virtuoses Laufwerk perlen und sorgte für leichten Hörgenuss. Delikate Licht- und Schattenspiele prägten das h-Moll-Adagio: Über kecken Streicher-Pizzicati strahlten herrliche Flötenkantilenen – wunderschön phrasiert und dynamisch bis in die Feinheiten hinein ausgeleuchtet. Zum temperamentvollen Höhepunkt wurde das finale Rondo mit seiner vorwärtsdrängenden Begleitung, neckischen Dialogen der Instrumente und einer Schlussstretta, in der sich die blendende Virtuosität vollends Bahn brach.

Unausgewogene Balance

Bei den zwischen die Sätze des Mozart-Opus’ eingeschobenen Intermezzi litt „Terra Aria“ von Giovanni Sollima etwas unter der unausgewogenen Balance der eingespielten Minimal-Music-Sequenzen und den von Stefan Hadijew darüber gelegten ruhigen Live-Kantilenen des Cellos. Besser kam eine Improvisation des Saxofonisten Martin Posegga zur Geltung. Aus fast unhörbarem Pianissimo heraus entwickelten sich zarte, in der Färbung ständig changierende Klangflächen. Mit Veränderungen des Tonansatzes und unter Einsatz von Multiphonics schuf der Solist bezaubernde statische Klänge – mal meditativ ruhend, dann wieder in mannigfachen Klangfarben aufblühend.

Herzog Blaubarts Einsamkeit

Eine instrumentale Bearbeitung von Béla Bartóks einziger Oper „Herzog Blaubarts Burg“ beendete das Programm des Eröffnungskonzertes. Ian Anderson überträgt in seinem Arrangement die Rollen des dämonischen Blaubarts und seiner neuen Frau Judith auf Kontrabass (Kristina Edin) und Violine (Johanna Ruppert). Über dem zumeist atonalen und mit improvisatorischen Momenten angereicherten Klangteppich des begleitenden Instrumentalensembles führten die Protagonisten instrumentale Zwiegespräche, die jedoch die innere Einsamkeit des Liebespaares nur annähernd zur Wirkung bringen konnten. Die musikalischen Fäden hielt Miguel Perez Inesta in der Hand. Mit sparsamer, jedoch präziser Gestik hielt er die Instrumentalisten auf idealer Spur, sorgte für steten Fluss der Musik und dynamische Konturen: eine überzeugende Gesamtleistung, die von den Zuhörern mit begeistertem Applaus gewürdigt wurde.