In der Oberliga sind die Stuttgarter Kickers und der SGV Freiberg Rivalen, nun hoffen beide Vereine auf eine Aufstiegschance. Foto: Baumann

Ein Saisonabbruch im Amateurfußball wird immer wahrscheinlicher. Dennoch könnte es aus der Oberliga Aufsteiger geben – worauf der SGV Freiberg und die Stuttgarter Kickers hoffen.

Stuttgart - Mit Lockerungen hat im Amateur- und Breitensport ohnehin keiner gerechnet. Nach den Beschlüssen von Bund und Ländern stehen die Zeichen sogar wieder auf Verschärfung. „Wir wissen nun, dass bis zum 18. April kein reguläres Mannschaftstraining möglich ist“, sagt Frank Thumm, der Hauptgeschäftsführer des Württembergischen Fußballverbandes (WFV). Die Folge: Es ist schlicht und ergreifend unrealistisch, dass der Spielbetrieb in dieser Saison noch fortgesetzt wird. Als spätestmöglichen Termin für den Re-Start hatte der Verband den 9. Mai festgelegt. Da eine mindestens dreiwöchige Vorbereitung als angemessen gilt, müsste am 19. April das Teamtraining starten. „Das ist äußerst unwahrscheinlich“, sagt Thumm. Vor Ostern werde aber kein formaler Abbruch der Saison bekannt gegeben, zumal am 9. April eine WFV-Beiratssitzung anberaumt ist.

 

Schon vor Wochen hatte der Verband beschlossen, dass von der Verbandsliga abwärts mindestens 50 Prozent der Spiel absolviert sein müssen, damit eine Wertung erfolgt. Dies ist in keiner Spielklasse der Fall, weshalb eine Annullierung der Saison die Folge sein wird. Ein Sonderfall stellen die Oberligen dar. Hier haben die jeweiligen Träger der Spielklasse die Möglichkeit, auch nach weniger absolvierten Spielen den Tabellenersten als Direktaufsteiger und den Zweiten für die Relegationsspiele zur Regionalliga zu melden. In dieser Liga wird aktuell gespielt, 28 von 42 Spieltagen sind absolviert, am Ende sind sechs Absteiger vorgesehen. Das schafft Raum für Aufsteiger. Und die Vertreter der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar werden ihre beiden Topteams in den Gruppen Süd (Wormatia Worms) und Nord (Eintracht Trier) melden.

Zwei Verbände unter Zugzwang

Damit bringen sie die Entscheidungsträger in Hessen (dort führt die SG Barockstadt Fulda vor Hessen Dreieich die Tabelle an) und Baden-Württemberg unter Zugzwang. Denn es ist kaum vorstellbar, dass sie dem Beispiel nicht folgen, auch wenn Thumm auf die schwierige Gemengelage hinweist: „Natürlich stellt sich die Frage, ob nach 13 Spieltagen ein aussagekräftiges Tabellenbild vorhanden ist, das es rechtfertigt, nach der Quotientenregel zu werten.“ Die abstiegsgefährdeten Regionalligisten hoffen auf weniger Absteiger in ihrer Spielklasse, für den Fall, dass es keine Aufsteiger aus der fünften Liga gibt. Auch das ließe die Spielordnung zu. „Für jede Sicht gibt es Argumente“, sagt Thumm, der am Freitag mit den baden-württembergischen Oberligisten konferieren wird.

Spielordnung sieht Aufstiegsspiele vor

Bei Spitzenreiter SGV Freiberg und den zweitplatzierten Stuttgarter Kickers ist die Hoffnung groß, trotz Abbruchs den Sprung nach oben zu schaffen. Der SGV direkt, die Blauen über die Relegation. „Die Spielordnung sieht Aufstiegsspiele in die Regionalliga für Mitte/Ende Juni vor. Wenn die Teams gemeldet werden, hoffen wir, dass wir eine sportliche Lösung hinbekommen“, sagt Sascha Dörther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest. Das gilt auch für den WFV-Pokal. In dem sind auch die Kickers vertreten, und sie hoffen, mit zwei Siegen sich für den DFB-Pokal zu qualifizieren. „Wir sind optimistisch, dass wir den Pokalwettbewerb hinbekommen. Wir haben bis 30. Juni Zeit“, sagt Thumm. Die Auslosung fürs Halbfinale ist noch vor Ostern vorgesehen.

Info: Regelung im Jugendfußball

Für das Kinder- und Jugendtraining sind weiterhin die durch die Land- beziehungsweise Stadtkreise rechtsverbindlich festgestellten stabilen Inzidenzwerte maßgeblich. „Die unter 15-Jährigen können in 20er-Gruppen weiterhin trainieren, solange nicht bei einer Inzidenz über 100 die „Notbremse“ im jeweiligen Land- bzw. Stadtkreis greift“, sagt Frank Thumm, WFV-Hauptgeschäftsführer.