Da ist das Ding: VfB-Spielführer Christian Gentner reckt die Schale für Platz eins in Liga zwei nach oben. Foto: dpa

4:1 gegen die Würzburger Kickers: Der VfB ist zurück in der Fußball-Bundesliga – und versetzt seine Fans in einen emotionalen Ausnahmezustand.

Stuttgart - Als der Abpfiff ertönt war, gab es kein Halten mehr. Die Stimmung in der Mercedes-Benz-Arena war schon ausgelassen und überschäumend gewesen, das 4:1 gegen die Würzburger Kickers hatte letzte Zweifel am Erreichen des großen Ziels ausgeräumt. Dann war klar: Nach einem Jahr in der zweiten Liga kickt der VfB Stuttgart ab August 2017 wieder in der Bundesliga. Also ließen nicht nur die Spieler und Verantwortlichen der Weiß-Roten ihrer Freude freien Lauf. Die Fans strömten auf den Rasen, der Minuten später einem weiß-roten Meer glich. Jubelschreie, Umarmungen, Freudentänze, Spieler, die auf Händen getragen wurden – alles inklusive. „Ich habe Gänsehaut“, rief Stürmer Simon Terodde. Und die Hits der Saison wollten nicht mehr verklingen.

„Oh, wie ist das schön“, sangen die Fans. Auch: „Nie mehr zweite Liga.“ Oder den Gassenhauer dieser Spielzeit: „Wenn du mich fragst, wer Meister wird . . .“

Um 17.39 Uhr bekommt Christian Gentner die Schale

Die VfB-Profis lagen sich in den Armen, Trainer Hannes Wolf („Es fühlt sich sehr, sehr gut an“) herzte alle Beteiligten, Sportvorstand Jan Schindelmeiser grinste glückselig – und bei den Fans im Stadion und den 40 000 beim Public Viewing auf dem Wasen kannte der Jubel sowieso keine Grenzen mehr. Ganz Stuttgart, so schien es, hatte sich zum Tollhaus verwandelt. Erst recht, als Kapitän Christian Gentner um 17.39 Uhr die Meisterschale nach oben reckte.

Auf dem Cannstatter Wasen hat Hannes Wolf zu den Fans gesprochen:

„Es ist unglaublich“, jubelte Abwehrspieler Timo Baumgartl, „wir haben so eine Macht hinter uns und es einfach verdient. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, das gibt es nur hier.“ Denn der emotionale Ausnahmezustand war schon lange vor dem Anpfiff des Saisonfinales verhängt worden.

Trotz der Niederlage in Hannover (0:1) hatte der VfB vor dem Saisonfinale eine glänzende Ausgangsposition gehabt – sogar eine Niederlage hätte zum Aufstieg reichen können. Aber wer will schon eine Party mit einer Niederlage im Gepäck feiern? Das Team des VfB Stuttgart jedenfalls nicht. Nur: So einfach, wie die Aufgabe gegen den Tabellenvorletzten aus Würzburg schien, so stotternd war der Start der Weiß-Roten.

Und so haben die VfB-Fans auf den Sieg reagiert:

Ginczek bereitet drei Tore vor

Wolf hatte seine beiden Topstürmer Simon Terodde und Daniel Ginczek gemeinsam aufs Feld geschickt, diese Umstellung brachte die Statik im Team zunächst ein wenig durcheinander. Die erste große Chance jedenfalls hatten die Würzburger, die einen Sieg gebraucht hätten, um noch in der Liga zu bleiben. Doch VfB-Keeper Mitch Langerak reagierte zweimal herausragend. Danach plätscherte die Partie so dahin – bis Matthias Zimmermann für die erste große Explosion der Gefühle sorgte.

Terodde und Ginczek waren auf dem Weg zum Würzburger Tor. Das Abspiel war schlampig, aber Ginczek behielt die Nerven, passte zurück – und Zimmermann legte alle Kraft in seinen Rechtsschuss. Die Kugel schlug links oben im Tor ein, das Stadion tobte, die Spielkontrolle ging auf den VfB über, und die Aufstiegsparty hatte nach der Pause ihre nächsten Höhepunkte.

Präsident Dietrich: „Zwei Tage feiern, dann weiter arbeiten“

Terodde traf nach Zuspiel von Ginczek in der 59. Minute zum 2:0, letzte Zweifel waren dahin und kamen auch nicht wieder, als den Kickers der Anschlusstreffer gelang (78.). Denn nur zwei Minuten später bereitete Ginczek zum dritten Mal vor – und Terodde machte mit seinem 25. Saisontreffer (zum zweiten Mal in Folge) alles klar. Mit dem 4:1 (89.) belohnte sich Ginczek selbst. Der Rest war Party, Hannes Wolf wurde während der Pressekonferenz von seinen Schützlingen nass gemacht, die Mannschaft hüpfte, tanzte und setzte die ausgelassene Feier am Abend auf dem Wasen und bei einem gemeinsamen Essen fort. „Das war eine sensationelle Saison“, jubelte Torschützenkönig Terodde.

Am 14. Mai 2016 ist der VfB zum zweiten Mal aus der Bundesliga abgestiegen. Nach einer Saison, die beileibe nicht ohne Turbulenzen ausgekommen war – ein führungsloser Start, drei Trainer, die Diskussion um die Präsidentenwahl und die geplante Ausgliederung –, steht nun wie vor 40 Jahren der 21. Mai für den Wiederaufstieg. „Der Verein ist wieder da, wo er hingehört“, sagte Clubchef Wolfgang Dietrich und ergänzte: „Jetzt wird zwei Tage gefeiert, danach weitergearbeitet.“ Das VfB-Motto für die Zeit ab dem 18. August, gab dann Trainer Hannes Wolf aus: „Wir kommen, um zu bleiben.“

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