In der jüngsten Sitzung des Schönaicher Gemeinderates tauchten zahlreiche verärgerte Eltern auf. Die Mehrheit der Ratsmitglieder teilte ihren Ärger nicht.
Der Sitzungssaal in Schönaich platzte am vergangenen Dienstag fast aus allen Nähten. Die Stimmung: angespannt und aufgebracht. Der Ton: harsch und vorwurfsvoll. Der Grund dafür war die neue Kindergartenbedarfsanalyse, in der festgestellt wurde, dass die Geburtenzahlen sinken, sodass es in Schönaich mehr Kindergartenplätze als Kinder gibt.
Auf dieser Grundlage schlug die Verwaltung vor, keine neuen Kinder in den Kindergarten Realschule aufzunehmen und die übriggebliebenen Kinder dann in die neue Kita im Finkenweg umzuziehen. In der Einrichtung und auch in der Elternschaft kam jedoch im Vorlauf zur Sitzung eine regelrechte Welle der Empörung auf. Warum? Das erschloss sich weder der Verwaltung noch der Mehrzahl der Gemeinderäte.
Zahlreiche Eltern kommen in die Gemeinderatssitzung
Vor allem der Gemeinderat Roger Giangrande (CDU/FWV) führte in der Sitzung die Anliegen der Eltern aus, die sich am vorigen Wochenende in einer Unterschriftenaktion und zahlreichen E-Mails an die Verwaltung entladen hatten. Zu spät seien die Pläne der Verwaltung an Eltern und Personal kommuniziert worden, erklärte der Gemeinderat und: Die Verwaltung sei unsensibel mit dem Thema umgegangen.
Bürgermeisterin Anna Walther nutzte die Anwesenheit vieler Eltern, um die Pläne der Verwaltung zu erläutern. Denn in den Protestschreiben aus der Elternschaft sei von einer Schließung der Einrichtung die Rede gewesen – eine Falschinformation, erklärt Anna Walther in der Sitzung. „Der Kindergarten in der Realschule war schon immer eine Interimslösung“, erklärt die Bürgermeisterin. 2019 zogen in dem Schulgebäude 50 Drei- bis Sechsjährige ein. Mit der neuen Prognose, die das Büro Biregio aufgestellt hat, würde es in Schönaich im nächsten Jahr 62 freie Plätze geben, im darauffolgenden Jahr noch mehr. Um auf diesen Trend zu reagieren, schlägt die Gemeinde nun vor, ab nächstem Jahr keine neuen Kinder mehr in die Gruppe aufzunehmen. Diejenigen, die noch in diesem Jahr die Eingewöhnung vor sich haben, sind davon ausgenommen. Im nächsten Schritt soll dann geprüft werden, ob die restlichen Kinder in einem freien Raum im Finkenweg unterkommen können. Diesem Vorschlag hat der Gemeinderat am Ende mehrheitlich zugestimmt – lediglich Roger Giangrande und die beiden AfD-Räte stimmten dagegen.
Verwaltung sucht Gespräche mit Eltern und Personal
„Wir können uns mehrere nicht ausgelastete Kindergärten einfach nicht leisten“, sagte die Bürgermeisterin auf Nachfrage im Hinblick auf die angespannte Haushaltslage. Es handle sich lediglich um sechs Kinder, die für das nächste Jahr eine Zusage für den Kindergarten bekommen hätten, für die eine andere Lösung gesucht werden müsse. Zwei davon seien Fälle von Geschwisterkindern, erklärte Anna Walther. Im schlimmsten Fall müssten also zwei Familien zwei unterschiedliche Einrichtungen anfahren. Doch auch hier sei die Verwaltung um eine gute Lösung bemüht. In der Sitzung erfolgte die Zusage, mit den Eltern und dem Personal ins Gespräch zu gehen. „Das ist für uns selbstverständlich“, sagte Anna Walther. Auch das Personal solle gehalten werden, um in kommenden Jahren keine Engpässe zu schaffen.
Während die restliche CDU/FWV-Fraktion keinen Kommentar abgab, drückte Sören Wagner (CDU/FWV) seine Konsternierung über das Klima der Empörung in der Gemeinderatssitzung aus. „Ich verstehe diese emotional-impulsiv geführte Diskussion nicht“, sagte er. Alle Kinder würden ihren Wunschplatz bekommen, darüber hinaus bekomme der Realschul-Kindergarten die Chance, in einen nagelneuen Kindergarten zu ziehen: „Ich kann daran nichts Negatives finden.“