Die Gewerkschaft Verdi hat am Donnerstag die Mitarbeiter der Sicherheitsdienstleister an drei Flughäfen zum Streik aufgerufen. Foto: SDMG

Wenn es nach der Gewerkschaft Verdi geht, ist der Flugbetrieb in Stuttgart an diesem Donnerstag stark eingeschränkt. Sie hat zum Warnstreik aufgerufen. Die Flughafengesellschaft hat ein paar Tipps für Reisende.

Stuttgart - Am Mittwoch hat Schneematsch auf der Startbahn den Flugbetrieb in Stuttgart durcheinandergebracht – und am Donnerstag werden Reisende am Flughafen wohl erneut unangenehme Erfahrungen machen. Die Gewerkschaft Verdi hat das Personal an den Sicherheitskontrollen für diesen Donnerstag nun auch in Stuttgart zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Die Adressaten arbeiten bei privaten Dienstleistern, die im Auftrag der Bundespolizei tätig sind.

Die Flughafengesellschaft reagierte am Mittwoch und appellierte an die Reisenden, an diesem Donnerstag besonders zeitig zum Flughafen zu kommen und „möglichst wenig Handgepäck“ zu den Kontrollstellen mitzubringen. Vor allem sollen sich Passagiere auch rechtzeitig bei der jeweiligen Fluggesellschaft erkundigen, ob der geplante Flug stattfindet. Auf der Website des Flughafens werden die Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen in allen Terminals angezeigt. Die Passagierkontrolle im Terminal 1 ist derzeit wegen Umbaus geschlossen, Fluggäste können die Kontrollstellen in Terminal 2, 3 und 4 nützen.

Bis zu 25.000 Passagiere betroffen

Die Flughafengesellschaft erwartet erhebliche Auswirkungen des Streikaufrufs. Rund 25 000 an- oder abreisende Passagiere könnten betroffen sein. Am Mittwochnachmittag strichen die Airlines dann viele der ursprünglich geplanten 270 Flugbewegungen: 68 Starts und 59 Landungen.

Wie gravierend es wirklich wird, werde man vielleicht erst am Donnerstagmorgen erkennen, wenn man wisse, wie viele Mitarbeiter zur Schicht an den Sicherheitsschleusen kämen, sagte Flughafensprecherin Beate Schleicher am Mittwochmittag. Die Flottenmanager der Airlines würden dann möglicherweise weitere Ad-hoc-Entscheidungen treffen, ob und wie sie die Flugzeugumläufe verändern – und wie lang sie Maschinen und Crews warten lassen wollen, falls ihre Passagiere allzu schleppend durch die Sicherheitskontrollen kommen sollten. Piloten, Kabinenpersonal sowie Mitarbeiter an den Flugsteigen könnten selbst aber auch Probleme bekommen: Auch sie müssen Kontrollstellen passieren.

Gewerkschaft will Stundenlohn von 20 Euro durchsetzen

Die Airlines reagierten auch. Eurowings prognostizierte längere Wartezeiten an den Kontrollstellen und Beeinträchtigungen des Flugverkehrs. Daher erarbeite man einen Maßnahmenplan, um die Folgen „so gering wie möglich zu halten“. Informationen zu Umbuchungsmöglichkeiten und Anpassungen des Flugplans werde man auf der Internetseite und über die sozialen Medien verbreiten.

Die Gewerkschaft Verdi sagte starke Einschränkungen im Flugverkehr durch die Warnstreiks voraus, die außer in Stuttgart auch an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn stattfinden sollen. Zuvor hatten Mitarbeiter bei den Sicherheitskontrollen zu Wochenbeginn schon an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld die Arbeit ruhen lassen.

Dass es nun an drei anderen Flughäfen mit den Streiks weitergeht, liegt daran, dass der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) für den Geschmack von Verdi zu wenig Bewegung zeigte. Bei den bisher ergebnislosen Tarifverhandlungen zwischen dem BDLS und Verdi geht es um bundesweit 23 000 Beschäftigte der Flugsicherheit. Die Gewerkschaft will einen Stundenlohn von bundesweit 20 Euro bei der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle durchsetzen.

Gewerkschaft Verdi rechnet mit großer Wirkung

Für die Stuttgarter Flughafengesellschaft ist der Streikaufruf ein unwillkommener Paukenschlag am Anfang des neuen Jahres, obwohl die Flughafenbetreiberin selbst keine Sicherheitskontrolleure beschäftigt. Der Paukenschlag erklang kurz vor dem Neujahrsempfang des Flughafens am Mittwochabend, wozu mehrere Hundert Gäste ins Terminal 1 kamen.

Eigentlich war man ganz auf das Feiern von Erfolgszahlen eingestellt: 2018 habe man zum vierten Mal in Folge die jeweilige Passagierzahl des Vorjahres übertroffen, hatten sich Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung, und seine Kollegin Arina Freitag für ihre Ansprache im Beisein des Aufsichtsratsvorsitzenden und Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne) notiert. Wie es aussieht, kam man 2018 auf die Rekordzahl von 11 797 224 Fluggästen, was ein Plus von 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Die Zahl der Starts und Landungen stieg um 10,4 Prozent auf 111 139. Im Jahr 2019 glaubt man, die Marke von zwölf Millionen Passagieren überschreiten zu können. Sehr stark hängt das von der Weltpolitik und den Wetterkapriolen ab, ein wenig aber auch von Streiks. Wie viele das werden, weiß noch niemand. Sicher ist nur: Der erste Warnstreiktag kommt diesmal früh im Jahr.

Für manche Betroffene immerhin gibt es Trost: Der Verkehrsminister Hermann sagte beim Neujahrsempfang, man werde am Donnerstag großzügig Ausnahmegenehmigungen für erst spätabends oder nachts erwartete Flüge gewähren – „damit hier keiner übernachten muss“.

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