Bei der Gartenschau-Eröffnung hat das Schwäbisch Gmünder Einhorn viel Applaus bekommen, im Internet gab es anschließend viel Kritik. Foto:  

Im Internet entlädt sich Kritik am Auftritt einer Stadträtin bei der großen Eröffnung der Remstal-Gartenschau. Vertreter der Stadt können die Kritik am freizügigen Einhorn-Kostüm nicht nachvollziehen.

Schorndorf/Schwäbisch Gmünd - Lautstarker Applaus auf dem Schorndorfer Marktplatz, Schmähungen im Internet: was Cynthia Schneider am Wochenende erlebt hat, kann man ein wahres Wechselbad der Gefühle nennen. Am Freitag ist die 37-Jährige, die für „Die Linke“ im Schwäbisch Gmünder Gemeinderat sitzt, in Schorndorf als Einhorn bei der großen Eröffnung der Remstal-Gartenschau zu sehen gewesen. Ihr Kostüm war Farbe auf ihrer Haut. Diese spärlich kaschierte Nacktheit schlägt Wellen in den sozialen Medien: Unpassend für die Veranstaltung, eine Zumutung für die Zuschauer und für die Kinder, die sich als Bienen verkleidet auf der Bühne tummelten. „Ich finde den Shitstorm traurig“, sagt dazu Cynthia Schneider selbst.

Schwäbisch Gmünd wollte sein Wappentier lebendig machen

Wie war es überhaupt zu ihrem Auftritt gekommen? Geplant war, dass jeder der 16 Ober- und Bürgermeister bei der interkommunalen Eröffnung eine zur Gemeinde passende Begleitung mit auf die Bühne bringt – etwa ein Maskottchen oder ein anderes Wahrzeichen. „Wir wollten gerne das Fabelwesen lebendig machen, das wir im Wappen haben“, erläutert Cynthia Schneider, die als Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall arbeitet. Der Schwäbisch Gmünder Pressesprecher habe sie gefragt, ob sie in die Rolle eines Einhorns schlüpfen würde: „Nicht, weil sie Stadträtin ist, sondern weil wir wussten, dass sie schon öfter bei Body-Painting-Aktionen mitgemacht und einen Zugang zu dem Thema hat“, berichtet Markus Herrmann.

Umgesetzt wurde die Idee von dem Mögglinger Künstler Udo Schurr, der unter anderem zweifacher Body-Painting-Weltmeister ist und ein Könner seines Fachs. Entsprechend aufwendig waren die Vorbereitungen: Monate vor dem Auftritt wurden Maße für die Schnauze genommen, das Anmalen von Cynthia Schneider dauerte ganze vier Stunden.

Die intimen Stellen waren abgedeckt

Und auch wenn es anders ausgesehen haben mag: „Alles war so abgeklebt, als hätte ich einen Bikini an“, berichtet Cynthia Schneider, die sich sehr wohl gefühlt habe in ihrer Haut: „Welche Frau möchte nicht mal gerne ein Einhorn sein? Ich mag den Glitzer, das Bunte“, sagt sie. Nur ihre Füße hätten ziemlich leiden müssen: „Ich hatte Schuhe an, die wie Hufe geformt waren und konnte nur auf den Ballen laufen“, sagt sie und lacht wieder ein wenig.

Am Abend selbst habe sie einen tollen Zuspruch von allen Seiten bekommen – besonders von den Kindern, die mit ihr auf der Bühne waren. „Die haben gefragt, ob sie mich mal anfassen dürfen und ob ich ihnen Wünsche erfüllen könne, weil ich doch ein Einhorn bin.“ Auch Eltern und Erzieher einiger Kindergartenkinder berichten davon, dass die Nacktheit des Einhorns kein Thema gewesen sei. „Ihr war bewusst, dass sie nur angemalt war, aber sie fand das Einhorn einfach schön“, berichtet eine Mutter von der Reaktion ihrer sechsjährigen Tochter.

Body-Painting als Kunstform

„Mich wundert es, dass nackte Haut gleich mit Sex gleichgesetzt wird. Für uns ist das eine Kunstform, die einem gefallen kann oder eben auch nicht“, sagt der Schwäbisch Gmünder Pressesprecher Markus Herrmann zu den Diskussionen in den sozialen Medien. Es sei nie Zielrichtung der Aktion gewesen, einen Tabubruch zu begehen. „Wir wollten, dass die Menschen die Faszination Einhorn erleben können. Das ist ein Wesen, das unser Inneres anspricht.“

Eine andere Ebene der Kritik ist die politische. „Einige werfen mir jetzt vor, ich hätte Wahlkampf gemacht oder gar Geld für meinen Auftritt bekommen. Das ist beides nicht wahr“, sagt Cynthia Schneider, die bei den Kommunalwahlen in Schwäbisch Gmünd wieder kandidiert.

Ein Ziel ist erreicht: mediale Aufmerksamkeit für die Remstal-Gartenschau

Warum gerade eine engagierte Kommunalpolitikerin einen solchen Auftritt hinlegt, das fragt sich hingegen Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD): „Ich hätte mir ein bisschen mehr Zurückhaltung gewünscht.“ Zumal eigentlich das Gartenschau-Maskottchen Remsi und der Ministerpräsident an dem Eröffnungsabend im Mittelpunkt hätten stehen sollen. „Alle Bürgermeister haben sich zurückgenommen. Aber Richard Arnold ist eben Richard Arnold. Er ist extrovertiert und sucht den großen Auftritt“, sagt Klopfer, betont aber, dass er seinem Gmünder Kollegen die Aktion nicht nachhaltig krumm nehme. „Eines ist klar: Er hat eine maximale mediale Aufmerksamkeit für die Gartenschau erreicht“, sagt deren Geschäftsführer Thorsten Englert.

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