Der Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim und seine Frau Michaele Schick-Pelgrim (Mitte) beim Kuchen- und Brunnenfest – das Foto stammt aus dem Mai 2015 Foto: Ufuk Arslan

Der Haller OB Hermann-Josef Pelgrim ist Aufsichtsratschef einer städtischen Firma, die ein Haus an Pelgrims Frau verkauft hat. War er wirklich nicht an dem Geschäft beteiligt, fragen sich viele Bürger.

Schwäbisch Hall - Die Bekanntmachung aus dem Handelsregister in der Samstag-Ausgabe des „Haller Tagblatts“ umfasst gerade mal 48 Zeilen: Eine Tochtergesellschaft der städtischen Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft (GWG) – die GWG Schwäbisch Hall Verwaltungsgesellschaft – werde umbenannt, die bisherigen Geschäftsführer seien abbestellt. Der neue Name MSP Verwaltungsgesellschaft setzt sich aus den Initialen der Ehefrau des Oberbürgermeisters der Stadt Schwäbisch Hall zusammen: Michaele Schick-Pelgrim. Sie ist die neue Geschäftsführerin, die neue Geschäftsanschrift der Firma ist die Adresse ihres Privathauses.

Hinter dieser Mitteilung steckt ein Vorgang, der jetzt öffentlich wurde und über den in der Stadt am Kocher heiß diskutiert wird: Der Verkauf des von der städtischen Tochter GWG errichteten Altenpflegeheims Sonnengarten an die Noch-Ehefrau des ersten Bürgers der Stadt, Hermann-Josef Pelgrim. Dieser ist auch der Aufsichtsratsvorsitzende der GWG. Das Paar lebt zurzeit in Trennung.

Baukosten betrugen fünf Millionen

„Ein ganz normales Verfahren“, sagt der GWG-Geschäftsführer Wolf Gieseke. Die Verwaltungsgesellschaft sei nur zu dem Zweck gegründet worden, das Pflegeheim zu errichten, zu verwalten und die spätere Privatisierung zu erleichtern. Das Altenpflegeheim Sonnengarten mit 56 Pflegeplätzen ist im Oktober 2012 eröffnet worden und wird von der Altenhilfe des Evangelischen Diakoniewerks, kurz Diak, betrieben. Die Baukosten betrugen samt Grundstück rund fünf Millionen Euro. Die neue Besitzerin habe mit dem höchsten unter acht Geboten den Zuschlag erhalten.

„Ein ganz normales Verfahren“, sagt auch der Oberbürgermeister. Im Frühjahr hätten der Gemeinderat und der Aufsichtsrat jeweils in nichtöffentlichen Sitzungen dem Antrag der GWG-Geschäftsführung zugestimmt, das Objekt zum Verkauf anzubieten. Dass die Frau des Oberbürgermeisters unter den Interessenten war, hätten sie nicht gewusst, versichert ein Stadtrat. Offiziell möchte er zwar nichts sagen, aber das sei eine ungute Sache. Andere blockieren die Nachfrage mit dem Verweis auf die Nichtöffentlichkeit gleich ab. Und Michaele Schick-Pelgrim teilt auf Nachfrage mit: „Das ist meine Privatangelegenheit.“

Rechtlich ist wohl alles korrekt

Er verstehe die ganze Aufregung nicht, gibt sich Pelgrim überrascht, der seit fast 20 Jahren als Oberbürgermeister die Stadt regiert. Die Verhandlungen und Gespräche seien ausschließlich über den GWG-Geschäftsführer gelaufen. Rechtlich sei alles korrekt, sagt auch Norbert Brugger vom Baden-Württembergischen Städtetag. Dem Regierungspräsidium in Stuttgart wurde das Geschäft zur Überprüfung vorgelegt, und es hat ihn genehmigt. Diese Prüfung des Haller Gemeinderatsbeschlusses zum Verkauf ist laut der Gemeindeordnung vorgeschrieben.

Nebenbei schafft das Regierungspräsidium in seiner Stellungnahme auch Klarheit über den Kaufpreis: Fünf Millionen Euro hat Michaele Schick-Pelgrim, die ehrenamtlich in der Hospizbewegung aktiv ist, für das Pflegeheim bezahlt.

Wert des Altenheims: gut fünf Millionen

Auf eine ähnliche Summe kommt auch ein mit dem Bau von Altenheimen erfahrener Investor, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er schätzt die Miete für das Objekt auf 30 000 bis 32 000 Euro monatlich. Beim Verkauf von Immobilien dieser Art werde der Jahresertragswert mit der Ziffer 14 multipliziert: Das ergibt 5,04 bis 5,38 Millionen Euro.

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