Nicht nur bei Facebook will der Vorstand des SKV genauer hinsehen. Er will den Vereinsmitgliedern deutlich machen, dass er keine Anfeindungen toleriert Foto: dpa

Der Leiter der Handballabteilung äußert sich rassistisch über Dunkelhäutige im französischen WM-Team. Der SKV Oberstenfeld nimmt deutlich Stellung – und zeigt die rote Karte.

Oberstenfeld - Eine Entschuldigung und eine Geldspende sollen es wieder gutmachen: In einem privaten Post im sozialen Netzwerk Facebook am Abend des Halbfinalspiels Frankreich gegen Belgien in der Fußball-WM hat der Leiter der Abteilung Handball im SKV Oberstenfeld, Rainer Kochlik, rassistische Äußerungen veröffentlicht. „Jetzt geht’s los, Frankreich wird jetzt mit ihren schwarzen Perlen aus der Kolonialzeit kontern. Das Schöne ist, das müssen wir uns die nächsten Jahre nicht mehr antun. Obwohl, die Flüchtlingswelle wird wohl die eine oder andere Gazelle ins Land spülen“, hatte Kochlik online getippt. „Seit 1998 bei der Heim-WM nicht mehr in Erscheinung getreten, und jetzt wie der Phoenix aus der Asche. Traurig diese Kolonialisierung, aber im eigenen Land gehen die Leute auf die Straße. Herzlichen Glückwunsch Herr Macron.“Inzwischen ist dieser Post gelöscht, nachdem die Vereinsführung prompt reagiert hatte. Der SKV-Vorstand, Vereins- Verantwortliche sowie die Mitglieder der dazugehörigen Abteilungen distanzierten sich in einer schriftlichen Stellungnahme von den Äußerungen, die Kochlik per Facebook verbreitet hatte.

Eine Geldspende als Entschuldigung

In der Stellungnahme des Vereins heißt es, Rainer Kochlik habe eingeräumt, die Äußerungen „unter dem Einfluss verschiedener Faktoren und Emotionen“ gepostet zu haben. Diese seien aber nicht seiner Gesinnung gegenüber anderen Kulturen, Minderheiten und Religionen entsprechend. Ferner wolle Kochlik zum Ausdruck bringen, so Bast, dass dies ein grober Fehltritt gewesen sei und sich dies zukünftig nicht wiederholen werde.

Kochlik sei seit mehreren Jahren ehrenamtlicher Abteilungsleiter Handball beim SKV Oberstenfeld und sehe ein, einen groben Fehler begangen zu haben, erklärt Bast. Kochlik wisse, dass er dem SKV geschadet habe und eine einfache Entschuldigung nicht ausreiche. Er habe sich daher auf eigene Initiative hin entschlossen, an eine öffentliche Einrichtung, die Minderheiten unterstützt, einen gewissen Geldbetrag zu spenden. Joachim Bast: „Auch wenn er sich bewusst darüber ist, dass dies seine Entgleisung nicht unschädlich machen kann.“

„Der SKV Oberstenfeld und die Verantwortlichen distanzieren sich in jeglicher Form von Anfeindungen gegenüber Kulturen, Minderheiten und Religionen und werden dies auch zukünftig in keiner Weise tolerieren“, erklärt Bast.

Verein geht von einem Einzelfall aus

Sollte es solche Verfehlungen künftig geben, werde der Vorstand umgehend reagieren und unter Prüfung eines Ausschlussverfahrens dementsprechend mögliche Konsequenzen gegen die jeweilige Person einleiten“, kündigt der Vereinsvorsitzende an. Allerdings gehe man davon aus, dass der Vorfall im Verein ein Einzelfall bleibe.

Kochlik selbst hält sich in seiner Erklärung kürzer. Er wolle sich in aller Form bei allen entschuldigen, die er durch seine Entgleisung diffamiert oder verletzt haben sollte. Der Vorsitzende und er hätten den Vorfall ausführlich besprochen und erörtert. Gemeinsam sei man zu der Ansicht gekommen, dass es sich um einen groben Verstoß gegen die Vorgaben und Prinzipien des Vereins handele und sich das nicht wiederholen dürfe. Die gemachten Äußerungen entsprächen nicht seiner Gesinnung gegenüber anderen Kulturen, Minderheiten und Religionen, betont auch Kochlik. „Ich bin mir bewusst, einen groben Fehler begangen zu haben.“

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