Überprüfung: Meist bleibt der Feuerwehr nur der Blick durch die Wärmebildkamera. Foto: KS-Images.de/Andreas Rometsch

Im Mai war die Ditzinger Feuerwehr noch neunmal ausgerückt: Dann herrschte plötzlich Flaute am Lkw-Thermoscanner an der Autobahn. Warum, weiß keiner so genau.

Es war eine Zeit der ungewohnten Ruhe. Fast einen Monat blieb der Thermoscanner auf dem Autobahnparkplatz Engelberg stumm. Kein Gefahrgut-Lastwagen mit heißen – zu heißen? – Teilen sorgte für einen Alarm und somit dafür, dass die Freiwillige Feuerwehr Ditzingen ausrücken musste. Und vermutlich fehlte es den Rettern auch nicht wirklich, gefühlt jeden zweiten Tag dorthin hetzen zu müssen, weil die Anlage ausgelöst hat. Denn am Ende mussten die freiwilligen Helferinnen und Helfer nur äußerst selten wirklich aktiv werden.

 

Die Ruhe währte bis zu diesem Mittwoch. Wegen einer Überhitzung an der Vorderachse eines Gefahrgutlastzuges wurde die Ditzinger Feuerwehr am Morgen um 8.44 Uhr zum Thermoscanner gerufen. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte zeigten Wärmebildkamera und der sogenannte „Fernthermometer“ übereinstimmend Temperaturen bis zu 600 Grad Celsius an. „Zur Abkühlung kam ein Hochdrucklüfter zum EInsatz“, berichtet der Abteilungskommandant Andreas Häcker. Nach etwa 15 Minuten habe die Temperatur schließlich „seitengleich bei unauffälligen 140 Grad“ gelegen.

Am Scanner wurden keine Änderungen vorgenommen

Ein in der Tat berechtigter Einsatz also nach exakt vier Wochen Pause. Wie aber kommt es zu diesen Schwankungen in Sachen Häufigkeit der Alarme? Auf Anfrage teilt die Autobahn GmbH Niederlassung Südwest mit, knapp und bestimmt: „Es wurden seither keine Änderungen am Thermoscan vorgenommen.“ Sprich: Es wurden seit dem 28. Mai, dem Tag des bislang letzten Einsatzes, keine Grenzwerte geändert oder in irgendeiner anderen Weise nachjustiert. Warum die Anzahl der Alarmierungen gerade jetzt sichtbar abgeebbt ist, scheint niemand wirklich zu wissen.

Auch nicht der Ditzinger Abteilungskommandant Andreas Häcker, der die aktuelle Situation selbstredend begrüßt. Der Feuerwehrmann traute jedoch bereits zu Wochenbeginn dem Frieden nicht wirklich: „Im August und im November des vergangenen Jahre gab es auch so einen Zeitraum, in dem lange nichts war.“ Davor und danach seien die Alarme jedoch geballt gewesen – wie zuletzt in diesem Mai, als die Ditzinger Helfer insgesamt neunmal hatten ausrücken müssen. Einmal davon, am 20. Mai, mussten sie in der Tat eingreifen, als sich bei einem Gefahrgut-Laster vor lauter Hitze bereits Teile an den Radmuttern verformt hatten.

Stopp! Auch mitten in der nacht müssen Gefahrgut-Lkw am Thermoscanner halten. Foto: KS-Images.de / Andreas Rometsch

Die Autobahn GmbH Niederlassung Südwest, die den Thermoscanner wie auch den Autobahnabschnitt und den Engelbergtunnel betreibt, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Anlage nicht störanfällig sei, sondern sehr zuverlässig arbeite. Ferner sorge sie nicht für Sperrungen des Engelbergtunnels, die seit Jahren regelmäßig für Staus und Pendler-Unmut sorgen – und die häufig in der Tat auf Fehlalarme der Tunnel-Brandmeldeanlage zurückzuführen sind.

Die Scan-Anlage indes steht auf dem Parkplatz Engelberg an der A 81 in Fahrtrichtung Karlsruhe/Singen – wenn sie auslöst, werden die Lastwagen direkt dort angehalten. Der Tunnel bleibt unbeeinträchtigt.

Die Gefahrguttransporte – also Laster, die zum Beispiel leicht brennbare Flüssigkeiten, entzündliche Gase, bestimmte Batterien oder auch radioaktives Material geladen haben – werden vor dem Tunnel mit reduzierter Geschwindigkeit auf den Parkplatz geleitet. Dort sind Spezialkameras installiert, die Wärme erkennen und die Fahrzeuge auf Überhitzungen scannen. Stellt das System eine ungewöhnliche Hitzeentwicklung fest, wird der Lkw vor der Einfahrt in den Tunnel per Lichtzeichen gestoppt. Es geht ein Alarm an Feuerwehr und Polizei, die den Laster überprüfen.

150 Gefahrgut-Lkw passieren den Scanner in 24 Stunden

Innerhalb von 24 Stunden passieren laut Angaben der Autobahn GmbH durchschnittlich 150 Gefahrguttransporter die Thermoscan-Anlage. Allerdings nehmen es manche Lastwagenfahrer mit den Anweisungen nicht so genau – und fahren trotz Rotlicht einfach weiter in den Tunnel.