Links werden Vapes verkauft, rechts gibt es im alten Stadtbad Mittagessen für die Schüler von fünf umliegenden Schulen und einen Jugendtreff. Foto: Simon Granville

Kurze Wege zur Sucht? Bei den Ludwigsburger Innenstadtschulen hat ein Laden geöffnet, in dem die gesundheitsschädlichen Verdampfer am Automaten erhältlich sind. Die Stadt ist machtlos.

Sie sind knallbunt, und es gibt sie in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen: von Wassermelone über Pfirsich bis Cola oder Erdbeereis. Manche enthalten Nikotin, andere nicht. Sogenannte Vapes, bei denen Dampf statt Rauch inhaliert wird, werden bei Jugendlichen und sogar schon bei Kindern immer beliebter. Und sie können Studien zufolge dazu führen, dass Jugendliche zum Rauchen von Tabakzigaretten animiert werden. Man sollte meinen, dass das ein Grund ist, den Verkauf von Vapes in der unmittelbaren Nachbarschaft von Schulen zu verbieten.

 

Doch ein generelles Verkaufsverbot solcher Produkte in der Nähe von Schulen bestehe nicht, sagt Cornelia Knapp, die Suchtbeauftragte des Landkreises Ludwigsburg. Und so konnte in der Alleenstraße in Ludwigsburg, gegenüber dem Friedrich-Schiller-Gymnasium und in fußläufiger Entfernung zu vier weiteren Schulen, einer Schulmensa und einem Jugendtreff, ein Kiosk mit mehreren Automaten öffnen, an denen man außer – teilweise alkoholischen – Drinks und Snacks auch Vapes kaufen kann.

„Da haben wir leider keine Einflussmöglichkeiten; ich wünschte, es wäre anders“, bedauert der Ludwigsburger Citymanager Markus Fischer. Er kann lediglich ausschließen, die Ladenbetreiber als Mitglied des Innenstadtvereins aufzunehmen. Doch: „Solche ‚Konzepte’ melden sich bei uns nicht.“

 

Heinz Mayer, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung sagt, auch die Ludwigsburger Stadtverwaltung schaue besorgt auf die Entwicklung solcher Automatenkioske. „Natürlich ist es mehr als unglücklich, dass so ein Laden direkt gegenüber der Schule eröffnet, rein rechtlich werden die Automaten aber legal betrieben.“ Denn durch die Jugendschutzvorkehrungen an den Automaten – ein Kauf ist nur mit Altersnachweis per Personalausweis möglich – werde dafür Sorge getragen, dass Schülerinnen und Schüler unter 18 Jahren keinen Zugang zu den alkoholischen Produkten und Vapes erhalten.

Weitergabe an Minderjährige

Doch klar ist auch: Obwohl man am Schulcampus Vapes und Alkohol erst kaufen kann, wenn man per Personalausweis am Dokumentenleser des Automaten seine Volljährigkeit nachgewiesen hat, kann niemand kontrollieren, ob ein bereits volljähriger Schüler Vapes erwirbt und an minderjährige Freunde und Klassenkameraden weitergibt.

Wirken harmlos, sind aber gefährlich: Einweg- E-Zigaretten und Vapes. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Dennoch resümiert Mayer: „Der Automatenkiosk muss letztendlich ähnlich betrachtet werden wie ein normaler Kiosk oder ein Zigarettenautomat.“ Und er ergänzt: „Nach dem Willen des Gesetzgebers dürfen solche Kioske auch weiter Werbung für ihre Produkte in den Schaufenstern machen.“ Genau das ist in Ludwigsburg der Fall.

Besserer Jugendschutz bleibt Wunsch

Gleichzeitig würden von der Stadt Ludwigsburg alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft, betont Mayer. „Der Kommunale Ordnungsdienst überprüft die Automaten und Automatenkioske auf die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes. Im Gaststättengesetz gibt es auch ein Verbot, harten Alkohol aus Automaten zu verkaufen.“ Dieses Verbot werde konsequent umgesetzt.

Ein ähnliches Verbot für Vapes wäre aus Sicht Mayers wünschenswert. Doch Illusionen gibt er sich nicht hin: „Im Hinblick auf die existierenden Zigarettenautomaten wird dies wahrscheinlich ein Wunschgedanke bleiben.“ Hier sei deshalb der Gesetzgeber gefragt.

Weit über hundert giftige Substanzen

Ein gesundheitliches Risiko besteht laut der Suchtbeauftragten Knapp übrigens nicht nur bei Vapes, die Nikotin enthalten, auch wenn dieses „schnell abhängig macht und insbesondere im Jugendalter die Entwicklung des Gehirns gefährden kann“. Man könne vielmehr auch gesundheitliche Risiken durch andere Inhaltsstoffe und Aerosole nicht ausschließen. Langzeitstudien fehlen noch, doch wurden in einer Studie aus dem Jahr 2024 weit über hundert giftige Substanzen nachgewiesen.

Das Fazit von Cornelia Knapp: „Wichtig bleibt, den gesetzlichen Jugendschutz konsequent umzusetzen, Jugendliche über Risiken aufzuklären und das Umfeld von Schule, Eltern und Handel für einen verantwortungsvollen Umgang zu sensibilisieren.“

Der Einstieg in die Sucht

Alarmierende Zunahme
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt der Konsum von E-Zigaretten – die manchmal auch als Vapes bezeichnet werden – bei Kindern und Jugendlichen in alarmierendem Maß zu. Das Marketing richtet sich gezielt an junge Menschen, vor allem an Jugendliche. Auch Influencer animieren auf Social Media zum Konsum von Vapes und sprechen sogar gezielt Kinder an.

Boomendes Geschäft
2023 lag der Umsatz in Deutschland bei 800 Millionen Euro. Innerhalb von zehn Jahren ist er um das Achtfache gestiegen. Bei einer aktuellen Umfrage der Statista Consumer Insights unter mehr als 4000 Befragten aus verschiedenen Generationen gab mehr als ein Viertel der Befragten aus den Geburtsjahrgängen 1995 bis 2012 an, E-Zigaretten zu nutzen – bei den Babyboomern sind es nur etwa neun Prozent. Doch habe sich im Vergleich zu den Vorjahren der Anteil der Vaper in allen Generationen vergrößert, heißt es bei Statista weiter: „Laut Umfragedaten nutzt etwa jeder Fünfte über 18 Jahren zumindest gelegentlich E-Zigaretten oder Vapes.“