Als Gast ist sie gekommen, eine Freundin ist sie geworden: Hilde Braun (rechts) mit Anneliese Grözinger, der Seniorchefin des Strudelhofs Foto: Ines Rudel

Serie – Der Stauferkreis bietet unterschiedliche Schlafgelegenheiten und Unterkünfte – auch außergewöhnliche. So sind „Ferien auf dem Bauernhof“ auf dem Ottenbacher Strudelhof schon seit bald 50 Jahren angesagt.

Ottenbach - Fuchs und Has’ sagen sich hier Gutnacht – und viele Gäste auch. Der Strudelhof schmiegt sich im sogenannten Tal der Liebe beschaulich an einen steilen Hang, ein paar Kühe muhen, und die Ziegen, die sich unterhalb des Gehöfts auf einer Weide tummeln, kriegen ihre Mäuler nicht voll genug, so saftig ist das Gras. Obwohl der Strudelhof nur einen Steinwurf von Ottenbach entfernt liegt, scheint es, als sei der Alltag fern – ein idealer Ort für Ferien auf dem Bauernhof. Seit fast 50 Jahren schon.

„Wir waren mit die Ersten, die Urlaub auf dem Bauernhof im Kreis Göppingen angeboten haben“, erzählt Gottlob Grözinger, der Seniorchef des Familienunternehmens, in das mittlerweile auch die Enkeltochter Lena Schneidmüller eingebunden ist. Sie wohnt wie auch ihre Großeltern mit ihrer Familie auf dem Hof. Unterstützung bekommen sie von Ursula Schabel, der Mutter von Lena Schneidmüller. Sie ist zusammen mit ihren sechs Schwestern auf dem Strudelhof inmitten der Gästekinder groß geworden. Langweilig wurde es da nie. Jetzt hilft sie ihrer Tochter, die mittlerweile sechs Ferienwohnungen zu managen. Sie selbst wohnt fünf Kilometer entfernt auf dem Oberen Stollenhof.

„Landluft“ gibt es mehr als reichlich

Wer zu diesem ländlichen Idyll gelangen möchte, bezahlt dies auf dem letzten Kilometer mit einer holprigen Fahrt auf einer Straße, die den Namen nicht verdient. Doch viele kommen hier ohnehin nicht lang, und wer diese Strecke auf sich nimmt, der hat es gewöhnlich nicht eilig, so wie Hilde Braun. Die Stuttgarterin lässt alles hinter sich, wenn sie – wie so oft – auf den Strudelhof kommt. Sie erinnert sich noch gut, als sie mit ihrer Familie zum ersten Mal auf dem Gehöft eintraf. „Als mein Mann die Autotür öffnete, sagte er: ,Hier stinkt’s aber‘“, erzählt sie lachend. Doch Anneliese Grözinger sei so nett und freundlich auf sie zugekommen, dass er sich nie mehr beschwert habe, wenn die Luft einmal wieder besonders ländlich roch. Das ist 46 Jahre her, und aus den Gästen sind längst Freunde geworden. Auch die zwei Töchter der Brauns und die Enkelkinder verbringen regelmäßig mit ihren Familien erholsame Tage auf dem Gehöft. „Und zwar freiwillig“, wie Hilde Braun betont. Für die Kinder sei der Aufenthalt auf dem Bauernhof immer ein Erlebnis gewesen. „Sie haben sogar Hühner gerupft, da habe ich selbst gestaunt“, erzählt sie.

Die Idee, mit Feriengästen die Kasse aufzubessern, war dem Umstand geschuldet, dass der kleine Hof die Familie in den sechziger Jahren nicht mehr ernähren konnte. Durch die Lage am Steilhang rentierte es sich nicht, in die Schweine- oder Geflügelmast einzusteigen, weil man das Futter für die Tiere nicht hätte selbst anbauen können. „Wir hätten das teuer einkaufen müssen“, erzählt Gottlob Grözinger. Was also tun? Die Familie beschloss, das ehemalige Bauernhaus abzureißen und auf der frei werdenden Fläche einen Neubau mit zunächst drei Ferienwohnungen im ersten Stock zu errichten.

Für Kinder ist die Schweinedusche die Attraktion

Selbst in die Ferien zu fahren wäre den Grözingers in diesen Zeiten nie in den Sinn gekommen. „Wegen dem Vieh mussten wir da sein und für die Gäste auch“, sagt Gottlob Grözinger schmunzelnd. Ohnehin sei es durch die vielen Gäste zu Hause immer spannend genug gewesen. „Viele Gäste kommen immer wieder“, erzählt Anneliese Grözinger, die mit ihren 80 Jahren noch immer die Seele des Strudelhofs ist. Das liegt nicht zuletzt an ihren Kochkünsten. Die schwäbischen Spezialitäten, die sie zaubert, sind legendär. Betrieb herrscht auf dem Strudelhof sommers wie winters. Es kommt fast nie vor, dass keine Gäste da sind. „Wir sind selten ganz allein“, sagt Anneliese Grözinger.

Bereits jetzt sind schon alle Wochenenden im nächsten Jahr ausgebucht. Ihre Tochter Ursula Schabel hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass Ferien auf dem Bauernhof wieder zeitgemäß sind. Familien würden es genießen, die Kinder in der freien Natur spielen zu lassen. Die gibt es auf dem Strudelhof zuhauf und einen großen Sandkasten noch dazu. Als Attraktion gilt die Schweinedusche im Stall nebenan. „Die Kinder lieben es, die Schweine zu duschen“, sagt Anneliese Grözinger.

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