Um diese Träubchen werden muntere Tänzchen veranstaltet. Foto: dpa

Tänzerinnen! Herbei, wir wissen nichts. Warum gehört es eigentlich zur abendländischen Kultur, dass junge Mädchen knapp bekleidet Konsumprodukte anpreisen? Zum Beispiel den Trollinger, ein ungekrönter Schlabberwasser-König.

Trollingertänzchen - Man muss es muss ja nicht gleich alles so negativ wie Franz Werfel sehen. „Wir sind wie Trinker, gelassen über unsern Mord gebeugt/In schattiger Ausflucht wanken wir dämmernd“ dichtete er im „Trinklied“, um zwischendurch die zerstreuende Wechselwirkung von Wein und Weib zu beschreiben mit den Worten: „Tänzerinnen, herbei! Wir wissen nichts!“

Was wir hingegen sehr wohl wissen, ist, dass die Siegerinnen des diesjährigen Trollinger Dance Contests (also: der Tanzwettbewerb einer dünnlichen württembergischen Rebsorte) keinesfalls aus dem Nichts kommen, sondern aus Münchingen. Die B.B. S. Jazz Showdancers haben sich mit ihrem Tanzclip die 3000 Euro Preisgeld gesichert, die die Initiative „Trollinger 2.0“ ausgelobt hatte. Nun muss und sollte man sich nicht über die tänzerischen Qualitäten der Truppe mokieren. Vielmehr ist die Frage zulässig: warum nur gehört es zur abendländischen Kultur, dass hübsche bsche, junge, knapp bekleidete Damen dazu dienen, Konsumprodukte wie Autos, Mobiltelefone oder Trollinger augenwirksam anzupreisen? Sind wir Männer alle wie Trinker, gelassen über unsern Mord gebeugt?

„Wir sitzen im Beysäähn“

Noch viel drängender ist die Frage, wer den für alle Teilnehmer offenbar obligaten Titelsong ausgewählt hat. Allein der Titel „Trollinger on the Rockz“ ist geeignet, selbst bei Trollingerhassern solidarisches Sodbrennen zu verursachen. Die ohnehin schon dünnlichen Textzeilen werden von der Sängerin – eine Musicaldarstellerin aus dem Ländle – derart exaltiert gedehnt (Beispiel: „Wir sitzen im Beysäähn und trinken ne Schoorlää“), dass die Tanzdarbietungen unweigerlich komisch konnotiert wirken.

Halten wir es halt doch mit Werfel. „Nur trinken, trinken lass du uns!“

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