Die Theatergruppe Die Unschuldsengel bringt ein hintergründiges Stück in die Brenzkirche in Weil der Stadt. Hat denn wirklich jeder eine zweite Chance verdient?
Dumm gelaufen würde der Schwabe sagen in diesem Theaterstück: Unerwartet ist Vincent (dargestellt von Monika Ehrler), ein Lügner und notorischer Betrüger, im Himmel gelandet. „Ich war ein schlechter Mensch“, sagt er, „ich bin jetzt voller Reue.“ Aber so ganz nimmt der Zuschauer ihm das nicht ab. Und schon gar nicht der Engel Chrysologius (Edeltraud Pleithner). Das Stück „Das Schicksal nimmt seinen Lauf“, das die Theatergruppe Die Unschuldsengel am Freitag und Samstag, 12. und 13. Dezember, in der Brenzkirche in Weil der Stadt aufführt, wartet mit so mancher Überraschung auf.
„Ich bin ein gütiger Gott. Du bekommst dein Leben zurück“
Dass Vincent im Himmel gelandet ist, um auf der Erde nicht weiter Schaden anzurichten, dafür hat der Engel Chrysologius gesorgt. Er ließ dafür einen Wind aufgekommen, der einen Dachziegel löste. Dieser ist Vincent auf den Kopf gefallen und hat ihn tödlich getroffen. Im Gegensatz zu Chrysologius hat Gott, der als Stimme von Rüdiger Wagner eingespielt wird, ein Einsehen mit dem Sünder. „Ich bin ein gütiger Gott. Du bekommst dein Leben zurück“, sagt er.
Da sagt der Engel zu Gott: „Blablabla“
Da kann Chrysologius mit Engelszungen reden und auch wütend werden – Gott überzeugt er nicht, dass Vincent keine zweite Chance verdient habe. Denn er meint, dass jeder in seinem Inneren ein guten Kern habe, was der Engel mit „Blablabla“ kommentiert. Für Chrysologius kommt es aber noch schlimmer. Er bekommt von Gott eine „reizvolle Aufgabe“: Er soll sich mit Vincent auf die Erde begeben und ihn dort auf den rechten Weg bringen.
Die Geschichte, dessen Drehbuch Edeltraud Pleithner verfasst hat, führt die Zuschauerinnen und Zuschauer auf eine spannende Reise mit allerlei Verwicklungen und in die Abgründe des menschlichen Daseins. So erfährt das Publikum beispielsweise von den drei Freundinnen Ulla (Dorothea Schippert), Tilda (Carola Eisenhardt) und Inge (Martina Thumm), dass Sybille (Senta Hamlescher) die Bank um Geld erleichtert hat.
Und Ulla bekennt bei einer Kaffeerunde, das sie Sybille beim Untertauchen geholfen hat. Sybille scheint wiederum ein Verhältnis mit Vincent gehabt zu haben. Hat das geklaute Geld mit ihm zu tun?
Schließlich finden sich alle auf der Insel Tütatum ein, wo Ulla ein Haus geerbt hat. Die drei Freundinnen kommen im Haus namens „Der blaue Regenschirm“ unter. Beim Stichwort „blauer Regenschirm“ kommt die Drehbuchschreiberin Edeltraud Pleithner auf den Ursprung des Stücks zu sprechen. „Ich hatte zu Hause einen blauen Regenschirm. Ich erinnerte mich an ein Kind mit blauem Regenschirm und blauem Kostüm. Da habe ich einfach einmal angefangen, ins Blaue zu schreiben.“
Eine der Mitwirkenden kommt aus der Ukraine
Senta Hamlescher, die auch für die Regie zuständig ist, sagt: „Wir haben am Text gefeilt, sodass es jetzt für alle passt. Das war ein Prozess.“ Auch weil die Ukrainerin Inna Kerusova als neue Schauspielerin zu ihnen gestoßen sei, hätten sie die Geschichte entsprechend angepasst. Kerusova schlüpft jetzt in die Rolle von Clara. Der Sinn der Geschichte sei, dass man Böses tun müsse, um das Böse auszuschalten, erklärt Pleithner. Auch der Engel müsse, um das Böse zu beseitigen, Böses tun, und wird von Gott bestraft.
Der Eintritt zum Theater in der Kirche ist an beiden Abenden ist kostenfrei
In dem Stück spielt auch die Technik eine große Rolle. Nachdem Edeltraud Pleithner mit ihrem Mann dabei so einige Probleme beheben musste, hat Wolfgang Pleithner die Technik übernommen. „Jetzt läuft es wie am Schnürchen“, freut sich seine Frau.
Die Vorstellungen am Freitag und Samstag in der Brenzkirche, Paul-Reusch-Straße 1, beginnen jeweils um 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei.