Beim Sportverein befindet sich die Fußball-Abteilung im Wiederaufbau, schon im Herbst soll ein Team in der Kreisliga B starten. Das neue Trainerteam hat sich ganz bewusst für den Club entschieden, weil es solche Herausforderungen liebt.
Ein alter Kalenderspruch lautet: Egal, wie oft du hinfällst – was zählt, ist, wie oft du wieder aufstehst. Der SV Perouse ist gefallen, mehr als nur einmal. Nach Jahren in der Bezirksliga musste sich der Verein zweimal vom Spielbetrieb zurückziehen, was zu Zwangsabstiegen in die Kreisliga B führte. Der gesamte Club stand sogar kurz vor dem endgültigen Aus.
„Wenn ich mich nicht hätte aufstellen lassen, wäre der Verein wohl mittelfristig aufgelöst worden“, sagt Hardy Essig, der seit Februar dem SV vorsteht. Durch seine Wahl zum Vorsitzenden weht ein frischer Wind durchs Aischbachstadion. Seit 2023 ging es turbulent zu im Verein, finanzielle Probleme und interne Querelen begleiteten den sportlichen Niedergang, der Club lag knapp 60 Jahre nach der Gründung am Boden.
Hinfallen, aber wieder aufstehen. Hardy Essig will dem SV Perouse wieder auf die Beine helfen. Für ihn ist der Sportverein eine Herzensangelegenheit. Seit über 30 Jahren lebt Essig im Ort, war selbst Trainer der Fußballer; Schwiegersohn und Enkel sind ebenfalls fußballerisch aktiv. Der Verein sei für ihn ein Stück Familie, erzählt Essig. Für den Neustart gab es in der Vorstandsebene ein Stühlerücken. Die meisten Positionen im Gremium sind neu besetzt, auch für zuvor vakante Posten hat Essig Kandidaten gefunden. Stolz erklärt er: „Alle gewählten Funktionäre wurden einstimmig gewählt.“
Trainer-Duo bringt Spieler mit
Nun ist Hardy Essig zuversichtlich, dass der Neubeginn gelingen wird. Gerade auch im Fußball, wo es auch auf der Trainerbank neues Personal gibt. Vom SV Magstadt kommen Pasqualino Paratore und Giuseppe Martines nach Ende dieser Saison. Hardy Essig entschied sich für das italienische Duo, „weil es menschlich sehr gut gepasst hat. Die zwei wollen etwas bewegen“. Der Vorstandsvorsitzende ist überzeugt von den neuen Coaches, die durch ihre Netzwerke zudem neue Spieler mitbringen, was für den Neuaufbau einer Mannschaft unerlässlich ist.
Zum ersten Sichtungstraining am vergangenen Sonntag sind knapp 15 Spieler erschienen. „Wir freuen uns, mit euch etwas aufzubauen“, sagt Paratore zum Start auf dem Sportplatz zu den Kickern. Mit dem Neuaufbau einer Mannschaft haben Paratore und Martines Erfahrung. Begonnen haben die Trainer bei Fortuna Böblingen, wo sie ein Team vollständig neu gründeten. Das gelang ihnen danach auch in Magstadt, wo sie seit sechs Jahren im Amt sind. Jetzt wollen sie es beim gestrauchelten SV Perouse schaffen. „Uns sind solche Aufgaben bekannt“, meint Paratore. „Wir haben solche Projekte gesucht. Wir kennen das, wir können das und es gefällt uns“, ergänzt Martines.
Mittelfristig in die Kreisliga A
Nachdem sie ihr Projekt in Magstadt als beendet ansehen, brennen sie auf die neue Aufgabe im Aischbachtal. Trotz der jüngsten Turbulenzen sind sie überzeugt, dass der Aufbau zu schaffen ist. Martines sagt: „Wir setzen auf das Vertrauen in Perouse und hoffen, dass der Verein Leute holt, die die Mannschaft unterstützen.“ Diese könnten sich auf „emotionale Trainer“ freuen, wie die Italiener lachend mitteilen. Mit Hardy Essig wollen sie die Abteilung wieder aufbauen. „Unser Ziel ist es, in der Liga anzukommen und zu sehen, wo wir stehen“, erläutert Hardy Essig, „dann wollen wir in den nächsten Jahren die Mannschaft wieder formieren, mittelfristig vorne mitspielen und irgendwann in die Kreisliga A aufsteigen.“
Deshalb will der einst kriselnde Verein vermehrt auf die Jugend setzen. „Wir integrieren ehemalige A-Jugendliche. Das Ziel ist, dass am Sonntag auch Perouser Jungs auf dem Platz stehen“, betont der Vorsitzende. Jungs wie Nico Becht. Der ehemalige Jugendspieler ist stolz, den Neuanfang mitzugestalten, betont seine Identifikation mit dem Projekt und lobt die Bemühungen Essigs, der viel Wert auf die Einbindung von Spielern aus Perouse legt.
Im Ort sieht man die Entwicklungen rund ums Sportheim positiv. Essig erzählt von der Freude der Anwohner über das Weiterbestehen des Vereins, er berichtet, wie Abteilungen anderer Clubs mit ihm in Kontakt getreten seien, um zum SV Perouse zu wechseln. Für den Wiederaufbau der Jugendfußball-Abteilung soll eine Kooperation mit der SKV Rutesheim entstehen, eine weitere Zusammenarbeit gibt es mit dem CfR Pforzheim. Der Oberligist trainiert künftig regelmäßig in Perouse, auch Testspiele sind im Aischbachstadion geplant, von denen der SVP finanziell profitieren soll. Im Waldenserort herrscht Aufbruchsstimmung – der SV Perouse ist wieder aufgestanden.