Beim DFB-Pokalspiel des VfB Stuttgart bei Hansa Rostock waren schon wieder Fans auf den Tribünen des Ostseestadions – das soll nun wieder zur Normalität werden. Foto: Baumann/Cathrin Müller

Der Sport bewegt sich langsam zurück zur Normalität. In den vier großen Mannschafts-Sportarten dürfen wieder Fans zu den Liga-Spielen auf die Tribünen – die Funktionäre sind erleichtert. Es gibt aber auch Kritik.

Stuttgart - Die Chefs der Staatskanzleien der Bundesländer haben sich am Dienstag auf eine bundeseinheitliche Regelung zur Fan-Rückkehr in den Profi-Sportarten Fußball Basketball, Handball und Eishockey geeinigt - mit einer Stadionauslastung von zunächst maximal 20 Prozent. Sämtliche Spitzenfunktionäre in diesen Sportarten begrüßen diese Entscheidung und hoffen insgeheim, dass dies erst der erste Schritt in Richtung Normalität im Sport gewesen ist. Eine Übersicht.

FUSSBALL

Fritz Keller (Präsident des Deutschen Fußball-Bundes): „Dass Zuschauer wieder in die Stadien können, ist eine großartige Entscheidung. Ich bin so glücklich und dankbar. Das spiegelt die Arbeit der letzten Wochen wider, die wir reingesteckt haben. Dass sich alle Bundesländer geeinigt haben, ist ein gutes Zeichen. Mit 20 Prozent kann man es mal angehen, um Erkenntnisse zu gewinnen. Jetzt ist die Zeit, um mit Corona zu leben.“

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): „Die Fußball-Bundesligisten, aber auch die Klubs und Vereine anderer Sportarten, können am heutigen Tage sehr froh sein, und dieses Gefühl haben wir beim BVB auf jeden Fall. Ich möchte mich bei allen aus der Politik bedanken, die in den vergangenen Wochen an der heutigen Entscheidung mitgewirkt haben. Gleichzeitig fühle ich eine große Verpflichtung, dass wir als Klubs gemeinsam mit den beteiligten Fans mit dieser Probezeit in den kommenden Wochen äußerst verantwortungsvoll umgehen.“

Alexander Wehrle (Geschäftsführer 1. FC Köln): „Wir freuen uns, dass wir am Samstag gegen Hoffenheim 9200 Fans im Rhein-Energie-Stadion haben. Das ist ein sehr positives Signal. Wir wünschen uns, dass in den nächsten Wochen und Monaten noch mehr möglich ist - wir sind aber gut beraten, jetzt erst mal kleine Schritte zu machen und die pandemische Entwicklung weiter zu beobachten.“

BASKETBALL

Stefan Holz (Geschäftsführer Basketball-Bundesliga): „Ich begrüße das. Eine bundeseinheitliche Lösung ist eine wichtige Botschaft und ein Vertrauensvorschuss. Das ist ein erster positiver Schritt zur Rückkehr der Fans. Ich freue mich, dass diese Entscheidung so rasch gefallen ist und nicht wie zunächst angekündigt erst Ende Oktober. Das war unser Wunsch.“

HANDBALL

Frank Bohmann (HBL-Geschäftsführer): „Für uns ist es ein großer Schritt nach vorne. Zwar hätten wir uns etwas mehr als die 20 Prozent gewünscht, aber wir wollen da nicht kleinkrämerisch sein. In Gesprächen ist uns klar geworden, dass einige Personen, wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, bereits jetzt über ihren Schatten gesprungen sind. Wir hoffen nun darauf, dass wir die Auslastung ab Ende Oktober noch weiter steigern können. 20 Prozent reichen für uns auf Dauer nicht aus, um profitabel zu wirtschaften.“

Jennifer Kettemann (Geschäftsführerin Rhein-Neckar Löwen aus Mannheim): „Diese Entscheidung ist auf keinen Fall ein Freifahrtschein für die Vereine, gibt uns aber Rückenwind und Motivation für den nun startenden Spielbetrieb und ist ein großer Schritt zurück zum gewohnten Liga-Alltag. Ganz abgesehen von der großen wirtschaftlichen Bedeutung, die eine Rückkehr von Zuschauern für uns Clubs hat.“

EISHOCKEY

Gernot Tripcke (Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga): „Wir müssen diese Entscheidung der Politik erstmal sacken lassen und abwarten, wie die praktische Handhabung erfolgt. Die 20 Prozentgrenze ist als Empfehlung formuliert und die Abstandsregelungen verweisen auf das jeweilige Landesrecht. Die Konsequenzen für die neue Saison werden wir am kommenden Montag gemeinsam mit den Clubs besprechen. Nach den Gesprächen der letzten Woche hatten wir uns deutlich mehr Unterstützung in diesem für uns wirtschaftlich so existenziellen Bereich erhofft.“

POLITIK

Winfried Kretschmann (Ministerpräsident Baden-Württemberg): „Ich begrüße es sehr, dass wir uns jetzt auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen mit klaren und transparenten Regeln verständigt haben. Dafür habe ich mich stark gemacht.“

Armin Laschet (NRW-Ministerpräsident): „Sportveranstaltungen leben von der Unterstützung der Fans, von der Atmosphäre mit Publikum - das gilt sowohl für Bundesligaspiele als auch für den Amateur- und Breitensport. Mit sicheren Infektionsschutzkonzepten und Grenzen bei der Kapazität können die Vereine ihre Sportstätten jetzt endlich wieder mit Leben füllen. Dabei gilt: Hygienekonzepte, Schutzmaßnahmen und ein umsichtiges Vorgehen haben Priorität.“

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