Miriam Schmidgall am Steuerrad der „Roald Amundsen“. Foto: privat/oh

In schwierigen Situationen nicht aufzugeben, sondern dranzubleiben: Das ist absolut wichtig im Leben. Miriam Schmidgall hat es auf hoher See gelernt und trainiert.

Die Reise mit der „Roald Amundsen“, einem Schulschiff der Organisation Ocean College, waren wahrscheinlich die sechs intensivsten Monate in Miriam Schmidgalls bisherigem Leben: eine neue und herausfordernde Situation nach der anderen, oft mehrmals am Tag. Keine Möglichkeit, sich zu entziehen, kein Internet, kein Kontakt nach Hause, stattdessen pausenlos mit den anderen auf dem Schiff zusammen.

 

Und zu alledem dann auch noch harte Arbeit und wenig Freizeit. Das alles habe man „so richtig intensiv gefühlt“, sagt Miriam: „Man ist richtig traurig, richtig fröhlich – weil man richtig im Moment ist“. Auf dem Schulschiff waren rund 30 Schülerinnen und Schülern, einige Lehrer, die Crew und Miriam und zwei weitere „Watch Leader“, also junge Erwachsene, die Bezugspersonen und so etwas wie die Teamleiter für die Jugendlichen waren.

Kaum losgefahren, geriet das Schiff direkt in einen Sturm. „Das war schon echt hart“, erinnert sich die 19-Jährige: „Wir waren alle seekrank.“ Einen ähnlichen Tiefpunkt erlebte sie nach der Hälfte der Reise noch einmal: Es war kalt und regnerisch, Heizung und Warmwasser fielen aus und angesichts des Seegangs wurden wieder nahezu alle seekrank.

Enge Freundschaften im Ocean College

Gerade in schwierigen Situationen hätten die positiven Kleinigkeiten Halt gegeben, sagt die Plochingerin. „Dann habe ich eine Stunde später Delfine gesehen oder einen richtig schönen Sonnenaufgang“ – das sei ein absolutes Glücksgefühl gewesen. Was sie ebenfalls bei der Stange hielt: Die gute Gemeinschaft unter den Jungen an Bord. Man habe immer jemand zum Reden gefunden, sagt die 19-Jährige, die von den Schülerinnen und Schülern wie eine große Schwester wahrgenommen wurde. Wirklich enge Freundschaften seien gewachsen.

Und natürlich gab’s auch die andere Seite, die Highlights, wie den Besuch auf den karibischen San-Blas-Inseln mit ihren Bilderbuch-Stränden, glasklarem Wasser und einer Nacht in der Hängematte. „Das war wirklich ein Traum“, sagt Miriam, „genau so, wie man es sich vorstellt“.

Der Eindruck täuscht: Die Reise mit Ocean College war kein Urlaub. Foto: privat

Plochingerin verzichtet aufs Internet und Social Media

Das Wichtigste, was sie von ihrem Abenteuer mitnimmt, ist: „Ich habe gelernt, durchzuhalten und Sachen durchzuziehen.“ Das galt im Großen, für die ganze Reise, und im Kleinen, beispielsweise beim Küchendienst in der Kombüse, der auf einem schwankenden Schiff ziemlich anstrengend sei: „Du musst die ganze Zeit Töpfe festhalten.“ Ein Urlaub war diese Reise jedenfalls nicht, schon allein aufgrund der täglichen Wachdienste, die die Watch Leader zu absolvieren hatten.

Gar kein Problem hatte die 19-Jährige mit dem Verzicht aufs Internet und Social Media. „Ich fand’s richtig angenehm“, sagt Miriam, „ich habe gemerkt, dass ich das alles gar nicht so doll brauche.“ Sie will auch in Zukunft bewusster und sparsamer mit diesen Medien umgehen – nach der Ankunft zu Hause sei sie erst mal 150 Personen „entfolgt“. Bewusster erlebt sie jetzt auch den Komfort zu Hause, die warme Dusche, ein weiches Bett.

Im echten Leben in Plochingen ist Miriam wieder ganz angekommen, inmitten ihrer Familie und der Freunde, die bei einer Überraschungsparty vorbeikamen. Jetzt müssen sich die Eindrücke und Bilder der Reise setzen. „Es waren krasse Erfahrungen und ich bin richtig dankbar dafür“, sagt Miriam. Ob sie das Ganze noch einmal machen würde? Die Antwort ist ja und nein: „Ich würd’s wieder ein erstes Mal machen, aber ich würd’s sicher kein zweites Mal machen.“