Brötchen, Weckle & Schrippen Foto: dpa

Dienstags geht es an dieser Stelle bekanntlich ums Essen – diesmal um Schrippen und Spatzen.

Stuttgart - Dienstags geht es an dieser Stelle bekanntlich ums Essen – diesmal um Schrippen und Spatzen.

Von Rolf Schippert aus Oberschlechtbach stammt der Hinweis, „dass zwischen einer Schrippe und einem Weckle Welten liegen“ – vorausgesetzt es handelt sich um ein inzwischen hierzulande selten gewordenes „Wasserweckle“. Dass Schrippen Backwaren von minderer Qualität sind, fand Schippert schon bei seinen Berlin-Besuchen in den fünfziger Jahren bestätigt. Die länglichen Schrippen („zusammengeschlagener Teig, der net gscheit ganga war“) wurden in Gaststätten zur Suppe gereicht. Echte Wasserweckle, „mit Wasserteig gemacht und nicht so bröselig wie 08/15-Wecken“, sind für Rolf ­Schippert hingegen eine Köstlichkeit. Überhaupt gutes Brot, das man daran erkennen kann, dass es auch nach zwei Wochen noch genießbar ist und „dass beim Schneiden ’s Messer quietscht“.

Karl Feucht aus Böblingen schreibt unter der Überschrift: „Was mer doch für guate Sache ka aus unsre Weckle mache“: „Beim Umzug der Familie unserer Tochter von Schönaich nach Stahnsdorf bei Potsdam halfen wir natürlich mit. Dabei galt es auch, die Haushaltsvorräte zu ergänzen. In dem dortigen, uns noch fremden Supermarkt konnte ich jedoch das auf dem Einkaufszettel aufgeschriebene Weckmehl nicht finden. Deshalb fragte ich die Kassiererin nach Weckmehl. Prompt erhielt ich – fast wie zu DDR-Zeiten – die Antwort: ,Ham wer nich!‘ Kurz darauf fand meine Frau das Gewünschte mit dem Aufdruck ,Semmelbrösel‘. Beim Bezahlen erklärten wir der Dame an der Kasse, dass wir im Schwäbischen zu Semmelbröseln auch Weckmehl sagen. Worauf diese verständnisvoll erwiderte: ,Ja, hätten Sie’s doch gleich gesagt.‘ Ob Herr Thierse ebenso viel Toleranz aufgebracht hätte? Vielleicht möchte er gar Semmelbrösel als Schrippenbrösel deklarieren?

Bei der Rückkehr von diesem Einkauf ins neue Heim erfuhren wir, dass unser damals sechsjähriger Enkel auf der Straße Bekanntschaft mit Nachbarskindern geschlossen hatte. Dabei wurde er von einem der Buben gefragt: ‚Woher kommt ihr denn?‘ Als er antwortete, dass er mit seinen Eltern von Schönaich zugezogen sei, erwiderte ein Dritter: ,Das hab’ ich gleich gehört, dass das kein Deutscher ist.‘ Nun, nach acht Jahren in den neuen Ländern, schwätzen unsere Enkel kein Schwäbisch mehr. Aber schwäbische Laugenbrezeln und Weckle essen sie halt doch lieber als bleich gebackene Schrippen.“

Im Beitrag von Gabriele Müller geht es um Spätzle und Spatzen. Sie ist in den fünfziger Jahren von Ost- nach Westdeutschland übergesiedelt und hatte folgendes Erlebnis: „Als Kind nahm ich an einem Gauturnfest in Gärtringen teil. Von einer Gastfamilie wurden wir zum Mittagessen eingeladen. Die Hausfrau erschien und sagte: ,Heute gibt’s Spatza!‘ Mir wurde heiß und kalt, denn Vögel wollte ich partout nicht essen. Mit leerem Magen verließ ich das Haus klammheimlich durch die Hintertür. Später wurde ich über diese ,Vögel‘ aufgeklärt.“ Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Harald Neef aus Stuttgart: „Hoscht Durscht? No schlupf en a Wurscht. Hosch Honger? No schlupfsch en an Gugommer.“