Auf gut Schwäbisch Was bedeutet "aizaisla"?

Von Roland Groner 

Was bedeutet aizaisla? Foto: StN
Was bedeutet "aizaisla"? Foto: StN

Nach einem besonders interessanten Begriff fragt Leserin Ruth Horak: "aizaisla".

Nach einem besonders interessanten Begriff fragt Leserin Ruth Horak. Sie hätte gerne eine Erklärung zu "aizaisla", wobei ihr die Bedeutung des Wortes bekannt ist: "sich bei jemandem einschmeicheln oder sich von jemandem gewinnen lassen". Bei der Suche nach der Herkunft dieses schwäbischen Begriffs lassen wir zunächst die Vorsilbe weg und erforschen nur das Grundwort zãêslå.

Es ist kaum zu glauben, aber die Zeise oder, wie man heute sagt, der Zeisig ist das Stammwort für das Verb "zeiseln". Im Mittelhochdeutschen "zise" gesprochen, ist es laut dem Grimm'schen Wörterbuch die älteste deutsche Namensform, die aus Tschechien entlehnt und wahrscheinlich durch böhmische Vogelhändler seit Anfang des 13. Jahrhunderts verbreitet wurde.

Unter zeislå - ein schwäbisches Wort, wie ausdrücklich im Wörterbuch vermerkt ist - versteht man "locken, herbei-, herein-, anlocken", wie es ursprünglich praktiziert wurde, nämlich "einen Zeisig in das Bauer locken".

Auch der schwäbische Schriftsteller Berthold Auerbach (1812-1882) gebrauchte dieses Wort, als er schrieb: "die drei stattlichen Töchter (. . .) hatten es verstanden, mit lockenden Blicken und Grüszen den Vikar ins Haus zu zeiseln".

Neben zeislå gibt es noch andere schwäbische Sprechformen, dabei ist, wie es im "Schwäbischen Wörterbuch" heißt, zãêslå die verbreitetste Form. Sie dürfte vom Mittelhochdeutschen "zinzeln" (schmeicheln) beeinflusst sein und hat deshalb die im Altschwäbischen übliche Umlautung der Lautfolge "-in-" zum nasalen Doppellaut ãê. Diese Umlautung gibt es heutzutage noch im Gebiet der Südwestalb, wo trinken drãêgå, Winkel Wãêgl und Winter Wãêdr heißen. Von "zinzeln" ist das Verb "zeimslen" abgeleitet, das die schwäbischen Formen zõêmslå, zêãmslå und zêmsålå liefert.

Jemanden mit List oder schmeichelnd zu sich heranlocken wird häårzêmsålå genannt. Ein Meister dieses "Gewerbes" ist die Romanfigur Josef Schwejk in seinem Nebenberuf als Hundefänger. Und wenn in früheren Jahren ein Mädchen einen Burschen mit List an sich locken wollte, dann konnte sie von dessen Mutter hören: "Dau bisch å Lombåmensch, suscht dädåsch mãên Buå net so ãêzãêslå."

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