In früheren Zeiten wurde der Hausflur „Öhrn“ genannt, wie im Grimm’schen Wörterbuch zu lesen ist. Foto: StN

„Meine Eltern nannten den Raum hinter der Wohnungstür, von dem es in die einzelnen Zimmer ging, ,Ehrn‘. Dieses Wort wurde aber von anderen nicht verwendet. Später kam ich darauf, dass ,Ehrn‘ im Fränkischen die Bedeutung ,Flur‘ hat.“

Stuttgart - „Meine Eltern nannten den Raum hinter der Wohnungstür, von dem es in die einzelnen Zimmer ging, ,Ehrn‘. Dieses Wort wurde aber von anderen nicht verwendet. Später kam ich darauf, dass ,Ehrn‘ im Fränkischen die Bedeutung ,Flur‘ hat. Mich interessiert sehr die zeitliche und geografische Verwendung dieses Wortes.“ Dies schreibt Günther Sandner aus Stuttgart.

Schauen wir zuerst in Fischers Schwäbischem Wörterbuch nach, ob hier das Wort „Ern“ überhaupt aufgenommen ist. Man findet es mit den Bezeichnungen „Ern, Ernd, Erm“ und der Beschreibung „Hausflur, und zwar im ländlichen Haus die untere, hinter der Haustür, in der städtischen Mietswohnung auch die in oberen Stockwerken“. Synonyme zu Ern sind der (Haus-)Gang, der Flur, die Laube, die Tenne. Einschub: „Flur“ ist auch der Name für die Felder und Wiesen sowie die Gemarkung, „Laube“ steht auch für Vorplatz am Haus, Balkon am oberen Stock, Dachboden, Gartenhaus, „Tenne“ nennt man außerdem den Boden in der Scheune.

In früheren Zeiten wurde der Hausflur „Öhrn“ genannt, wie im Grimm’schen Wörterbuch zu lesen ist. Dieser Bezeichnung ist unser Leser im Hölderlin-Haus in Nürtingen begegnet. Auch im Tübinger Rathaus befindet sich ein Öhrn. Der Name „Öhrn“ stammt vermutlich von dem Wort „ähre (m.)“. Es bedeutet „freier, ebener Platz, innerer Hofraum, Tenne“. Dieses „ähre“ könnte wiederum eine Beziehung zum alten Wort „ero = Erde“ haben, wie im Grimm’schen Wörterbuch angedeutet wird.

Werner und Liselotte Helber aus ­Oberstenfeld berichten: „Zu Hause musste man früher Holz beigen (aufsetzen, stapeln). Wenn man etwas Unlauteres getan oder keine Arbeit hatte, so wurde als Strafarbeit die Beige einfach umgeworfen, und man musste von vorn beginnen.“ Aus diesen Erinnerungen ergibt sich ihre Frage: „Woher stammt das Wort beiga?“

Der Ausdruck „beigen“ ist nur in den süddeutschen Sprachgebieten vertreten. Es geht auf „pigan“ (ahd.) und „bigen“ (mhd.) zurück. Festzuhalten ist jedoch, dass die Herkunft von „beigen“ ziemlich im Dunkeln liegt. Etwa im 15. Jh. wurde innerhalb eines Lautwandelprozesses das „i“ zu „ei“. Dies ist ein Merkmal dafür, dass „beigen“ nichts mit „beugen“ zu tun hat. Å Beig bzw. å Beigåde ist die Masse aufeinander geschichteter Gegenstände, also von Holz (Holzbeig, Scheidrbeig), aber auch von Büchern, Wäsche, Kleidern und anderen Materialien, die aufgestapelt werden. Eine bekannte Redensart ist „Diå send zemmåbeigt wiå d’Häreng“. Und wenn jemand viel an Essen und Trinken zu sich nehmen kann, ohne betrunken zu werden, dann sagt man dazu „Däår kã-s beigå!“.

In Wangen im Allgäu, so schreiben unsere Fragesteller, steht ein Figurenbrunnen mit der Überschrift: „Wenn dia aufeinander beigsch, isch dr Oberste genau so verdruggt wie der Underste.“ Der schwäbische Spruch des Tages lautet: „Langsam do, kommt au hoim – aber a Stond später.“ Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, ­Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de

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