Sonnenuntergang über Bamberg. Foto: dpa

Lange waren die Klöster für die Ausbildung katholischer Priester verantwortlich.

Bis zum 19. Jahrhundert waren die Klöster für die Aus- und Weiterbildung der katholischen Priester verantwortlich. Weil im Zuge der Säkularisation 1803 die Klosterstaaten aufgelöst und deren Vermögen eingezogen wurde, war das nicht länger möglich. Ihre Bibliotheken wurden größtenteils in die Landes- und Universitätsbibliotheken eingegliedert, die Ausbildung der Theologen zunächst an die Friedrichs-Universität Ellwangen und 1817 an die Universität Tübingen und an das Priesterseminar in Rottenburg verlegt.

Die Vorstellungen des damaligen Konstanzer Generalvikars Heinrich Ignaz von Wessenberg, dass die Pfarrer mit ihren Predigten das Volk bilden sollten, stießen auch beim Katholischen Rat in Stuttgart auf offene Ohren. So wurde 1810 in Württemberg vorgeschrieben, dass in jedem Landkapitel (das entspricht den Dekanaten) eine Lesegesellschaft und eine wissenschaftliche Bibliothek eingerichtet werden sollten. Dort sollten die Geistlichen für die Auseinandersetzungen mit den Strömungen ihrer Zeit fit gemacht werden. Um Bücher und Zeitschriften anzuschaffen, musste jeder Pfarrer einen Beitrag für die Landkapitelsbibliothek bezahlen. Die neue Literatur sollte dann von einem Geistlichen zum nächsten weitergereicht und von jedem Pfarrer in seinem Katalog eingetragen werden. Dass sie die Bücher auch gelesen hatten, mussten die Geistlichen durch Referate nachweisen. Die besten Arbeiten wurden dann in einer eigenen Zeitschrift veröffentlicht.

In den nächsten Wochen feiert die Diözese nun das 200-Jahr-Jubiläum ihres Bibliothekswesens. Am 8. September sprechen Bischof Gebhard Fürst und Bundesbildungsministerin Annette Schavan im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart, vom 9. September bis zum 3. Oktober ist dort die Ausstellung "Bildung schafft Bibliothek - Bibliothek schafft Bildung - 200 Jahre wissenschaftliche Bibliotheken in der Diözese Rottenburg-Stuttgart" zu sehen.

 

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