Ein bisschen tapsig ist das schon Foto: StN

Christa Dietz aus Ötisheim interessiert sich für einen Ausdruck, den ihr Opa gebrauchte: „Isch des en Bròchquatt!“ Sie meint, dass diese Aussage für einen plumpen, ungelenken, tapsigen Menschen galt.

Stuttgart - Christa Dietz aus Ötisheim interessiert sich für einen Ausdruck, den ihr Opa gebrauchte: „Isch des en Bròchquatt!“ Sie meint, dass diese Aussage für einen plumpen, ungelenken, tapsigen Menschen galt. Auch Wolfgang Dittebrandt aus Bondorf führt einen „Bròchquaddle“ an, einen Menschen, der komisch, tappig daherkommt, und fragt, was das Wort „Bròch“ bedeutet.

Die Erforschung dieses Wortes führt uns in das landwirtschaftliche Leben früherer Jahrhunderte. Damals wurde die Feldbestellung nach der sogenannten Dreifelderwirtschaft ausgerichtet. Die Anbaufläche wurde in drei Bereiche eingeteilt, wovon ein Teil ein Jahr lang nicht bewirtschaftet wurde, also brach liegen blieb. Der natürliche Aufwuchs wurde als Weide benutzt. Im zweiten Bereich wurde nach dem herbstlichen Pflügen Wintergetreide gesät, im dritten im Frühjahr Sommergetreide. Die Fruchtfolge wurde von Jahr zu Jahr auf den Feldern gewechselt, so dass immer ein anderes Flurstück brachlag. Dieses Feld nannte man „Brache“, auf Schwäbisch „Bròch“.

Den oben erwähnten „Quattle“ nennt man einen dicken Menschen mit watschelndem Gang. Wenn man ihn auch „Bròchquattle“ heißt, so dürfte das eine übertragene Bezeichnung sein, denn eine Brachquatt, schwäbisch gesprochen „Bròchquatt(le)“, ist ein Engerling, also die Made bzw. die Larve des Maikäfers. Allerdings kann es sich auch um die Larve des Gerippten Brachkäfers, der im Volksmund „Junikäfer“ heißt, handeln. Den Monat Juni nannte man früher „Brachet / Brachmond“, weil hier die Bearbeitung der Brache begann.

Seit einigen Jahren bewirtschaftet Leser Jochen Huber in Aspach-Allmersberg am Weinberg einen Gemüsegarten. Dort sind ihm beim Unkrautjäten öfters außerirdisch aussehende Viecher begegnet, die von erfahrenen Einheimischen als „Wärrå“ bezeichnet werden. Mit diesem Begriff kann er nichts anfangen, weshalb er „fachmännische“ Hilfe benötigt.

Was unser Leser beobachtet, sind sogenannte Maulwurfsgrillen, in Oberdeutschland „Wärrå“ genannt. Dieser Name geht auf das indogermanische „suer“ (= surren) zurück. Im 12. Jh. wurde die Maulwurfsgrille in der Frankfurter hs (= Hausschrift ?) mit „suirro“ erwähnt, wie bei Grimm zu lesen ist. Die Ursache für diese Namensform liegt darin, dass die Werren vor allem in der Paarungszeit mit ihren Oberflügeln langanhaltende surrende Geräusche erzeugen. „Maulwurfsgrille“ heißt sie, weil sie einerseits die Körperform von großen Grillen hat, andererseits wie Maulwürfe Gänge im Erdreich gräbt, wozu ihre Vorderbeine zu kräftigen Grabschaufeln umfunktioniert sind – früher nach Grimm auch „Feldgrille mit Maulwurfsfüßen“ und „geflügelter Maulwurf“ genannt.

Anmerkung: Der Name „Werre“ steht im oberdeutschen Gebiet und insbesondere in Oberschwaben, im Ulmer Gebiet sowie im Brenz-Iller-Lech-Raum auch für „Gerstenkorn“, womit man „ein kleines Eitergeschwür am Auge“ bezeichnet. Da dieses Gerstenkorn gegenüber dem Engerling sehr klein ist, wird es oft mit der Verkleinerungsform „Werlein“ benannt. Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Hans-Joachim Wayss aus Unterensingen: „Bevor sich früher ein Erwachsener auf eine endlose Debatte mit Kindern einließ, kam folgende Ansage: ,Zerf ed rom om Kaisers Bart. Des isch und bleibt so!‘“ Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, ­Stich­wort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de