Von Stumpf abgeleitet ist der seit dem 14. Jh. bezeugte Ausdruck „Stümper“, der ursprünglich „schwächlicher, armseliger Mensch, der bemitleidet oder verachtet wird“, bedeutete. Foto: StN

Leserin Ulrike Walter sucht die Herkunft des Wortes „gschdompet“, das für „untersetzt“ gebraucht wird.

Stuttgart - Leserin Ulrike Walter sucht die Herkunft des Wortes „gschdompet“, das für „untersetzt“ gebraucht wird. – Betrachten wir das Wort zunächst auf der grammatischen Schiene. „Gestumpet“ ist das Partizip Perfekt des Verbs „stumpen“, einer Nebenform von „stumpfen“. Diese Verben haben u. a. die Bedeutung „vollstopfen, pfropfen“. Das schwäbisch-alemannische „gestumpet“ heißt zum einen „abgehauen, gestutzt, kurz“ und auf Personen übertragen „klein, untersetzt“.

So viel zu unserem heutigen Kandidaten. Jedoch wäre es schade, nicht ausführlicher in die große Wortfamilie „stumpen/stumpfen“ hineinzuschauen, denn hier warten einige bemerkenswerte Anverwandte auf Beachtung. Greifen wir uns zunächst die Substantive „Stumpf/Stumpen“ heraus, deren Grundbedeutung „zurückgebliebener, unterer, aufrecht ragender Teil eines Ganzen“ ist – so die allgemeine Beschreibung im Deutschen Wörterbuch. Ein gewichtiger Anwendungsbereich ist der Baum mit Baumstumpf, aber auch Baumstamm im Gegensatz zu den Ästen und der Krone. Auch bei sonstigen Pflanzenresten im Sinne von „Stoppeln bei Gras und Getreide“ und daran anlehnend auch bei „Haarstoppeln“ wurde „Stumpf/Stumpen“ gebraucht. Die Redensart „mit Stumpf und Stiel“ (= völlig ausrotten) erinnert daran, ebenfalls „rumpf und stumpf“, schwäbisch „romp ond schdomp“ (= ganz und gar), und bei Fischer liest man „das Haar vom Stumpen abschneiden (= ganz kurz, gar nichts stehen lassen)“. „I muåß-mr ånn Schdombå ziå lãõ“ sagt jemand, dem ein unangenehmer Besuch beim Zahnarzt bevorsteht.

Auch als Raummaß und Mengenbezeichnung ist „Stumpf/Stumpen“ im Gebrauch, und zwar in der Bedeutung „unterer (restlicher) Teil“ und „dickes, untersetztes, stumpfförmiges Etwas“, wozu beispielsweise gehören: „ein kurzer, dicker, breiter Sack mit seinem Inhalt“ sowie „ein nicht bis oben hin gefüllter Sack“. Der Rest von Flüssigkeiten wie Wein, Bier gehört, meist in der Verkleinerungsform, in diese Kategorie: „Dêåm Lemble khaert-s Schdemble“ ist uns Schwaben bestens bekannt.

Von Stumpf abgeleitet ist der seit dem 14. Jh. bezeugte Ausdruck „Stümper“, der ursprünglich „schwächlicher, armseliger Mensch, der bemitleidet oder verachtet wird“, bedeutete. Im 17. Jh. entwickelten sich daraus der heutige Sinn „untüchtiger Mensch, der nichts von seinem Handwerk versteht“, sowie die Begriffe „stümperhaft“ und „stümpern“, das im Schwäbischen als „schtemplå/schtãêplå“ gebraucht wird.

Das seit dem 13. Jh. bezeugte Wort „Strumpf“ (mhd. strumpf) bedeutete ursprünglich und zum Teil bis ins 18. Jh. ebenfalls „(Baum-)Stumpf, Rumpf“. Als Bezeichnung für ein Bekleidungsstück kam „Strumpf“ erst im 16. Jh. zu Ehren. Damals hat man die als Ganzes gearbeitete Bekleidung der unteren Körperhälfte, „Hose“ genannt, geteilt und das obere Stück weiterhin als „Hose“, das untere als „Strumpf“ (= Reststück, Stumpf) benannt (nach Duden-Etymologie).

Und nicht zu vergessen sind die Zigarrenstumpen, eine schweizerische Erfindung, kurz „Schdombå“ genannt. Ältere Leser erinnern sich an die Fivaz-Stumpen der heute nicht mehr bestehenden Kenzinger Stumpenfabrik und an den Spruch „Fivaz-Schdombå raochåt Lombå“. Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Manfred Hofmann aus Sindelfingen: „Wenn vereinbart war, etwas zu tun, und es bei den dazu notwendigen Vorbereitungen nicht vorwärtsging, pflegte meine, eher unmusikalische Schwiegermutter aufmunternd zu sagen: ,Wenn gschtemmt isch, isch schnell viel geigt.‘“ Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, ­Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de