Skatkarten Foto: Fotolia

Leser Werner Fuchs aus Großbottwar schildert ein Erlebnis aus seiner Zeit bei der Marine im Krieg.

Stuttgart - Werner Fuchs aus Großbottwar schildert ein Erlebnis aus seiner Zeit bei der Marine: „Wie bedeutsam Schwäbisch sein kann, wurde mir als junger Mann während des Krieges bewusst, zumal ich unter Kameraden anderer Landsmannschaften weilte. Ich war Besatzungsmitglied auf einem Minensucher. Einmal lief unser Boot in den Hafen von Kopenhagen ein. Kaum hatten wir an der Pier festgemacht, als ein ,Lord‘ (Neckname für einen Matrosen) längsseits kam und den an der Gangway stehenden Wachposten anrief, ob sich ein Schwabe an Bord befinde. Das war der Fall. Neben mir als Seemann war noch ein ‚Heizer‘ aus Weil der Stadt auf dem Schiff. ,Mr brauchet oin zum Gaigle oder Benoggle‘, rief der ,Lord‘. So schnell ich konnte, meldete ich mich zum Landgang ab und spielte eine halbe Nacht lang Binokel mit drei weiteren aus dem Ländle stammenden Seeleuten. Bei der Marine waren ansonsten Skat und Doppelkopf die gängigen Kartenspiele.

Breites Schwäbisch nutzten wir auch als Geheimsprache. Auf einem Schwesterboot unserer Minensuchflottille stieg einmal ein Kornwestheimer als Signalgefreiter ein. Da ich der Zeichensprache des Flaggenwinkens mächtig war, verständigten wir uns auf See hin und wieder durch Flaggenwinken. Als der Kommandant das bemerkte, sagte er: ,Die Schwäble quatschen wieder miteinander.‘ Er konnte die Zeichensprache lesen. Da vereinbarten der Kornwestheimer und ich, uns nur noch in ,groddabroidam Schwäbisch‘ zu verständigen. Und so geschah es auch. Von da konnte keiner mehr enträtseln, was wir uns auf Schwäbisch zuwinkten.“

Albrecht Siedler gibt einen kurzen Dialog wieder: „Kürzlich trafen wir eine Bekannte. Meine Frau fragte sie: ,Hosch du a Gerstenkorn?‘ Sie antwortete: ,Noi, en Wegsoicher.‘“ Über diesen Ausdruck rätselt auch Klaus Nist: „Woher kommt dieser Begriff?“

Zum beliebten Thema Moscht fällt Wolfgang Müller aus Stuttgart dieser Spruch ein: „Als der Bauer den Apfelsaft aus der Mostpresse laufen sah, stellte er erfreut fest: ,Der schoomet wia Bocksoach, dees geit en guate Mooscht!‘“

Inge Mierke aus Neuhausen schildert gleich mehrere Begebenheiten: „Als wir mit der kleinen Schwester zum Dachfenster hinausschauten und sie anschließend gefragt wurde, ob sie auch das Ulmer Münster gesehen habe, antwortete sie: ,Ja ond seine boide Jonge au.‘ (Sie meinte damit die beiden kleinen Münstertürme.)

Unser Schulhof in Ulm grenzte an einen Parkplatz. Wir hatten Pause und beobachteten, wie sich vier Ordensschwestern in vollem Ornat (von uns auch ,Haubalärcha‘ genannt) in einen VW Käfer zwängten. Sie schlugen die Tür zu und dabei blieb ein Teil des Gewands der Beifahrerin außen hängen. Meine Mitschülerin wollte auf dieses Missgeschick möglichst höflich aufmerksam machen. Sie war evangelisch und wusste nicht, wie man eine katholische Nonne anspricht. So klopfte sie ans Autofenster und sagte: ,,Heilige Mutter, Sia henget Ihr Deng raus.‘

Mein Opa liebte gutes und reichliches Essen, was sich schon an der Tatsache ablesen ließ, dass der zweimalige Witwer mit drei Köchinnen verheiratet war. Beim Geschirr allerdings, da war er spartanisch. Als er sich wieder einmal von der Suppe über den Hautgang bis zum Nachtisch alles in den ersten Teller servieren ließ und ich ihn mit großen Augen ungläubig ansah, erklärte er mir: ,Woisch Kend, des kommt doch älles en oin Maga!‘“ Der Spruch des Tages kommt von Maria Laderer aus Beuren: „Wer älles verfrisst vor seinem End’, der macht des beschte Teschtament.“

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