Die „nuie Schlittschuah“ Foto: Pressefoto Baumann

Paula Schlimm aus Sindelfingen schickt uns ein 60 Jahre altes Gedicht von Lina Stöhr. Es passt zur Jahreszeit und trägt den Titel „a Heldatat“.

Stuttgart - Täglich sind wir aufs Neue erstaunt, wie viele „Auf gut Schwäbisch“-Leserinnen und -Leser mit dem Begriff Eilagreid, Eilagreit oder Eulengreuth persönliche Erinnerungen verbinden. Zu ihnen zählt auch Fritz Weishaar aus Backnang. Er schreibt: „Ich selbst habe in einem derartigen Landstrich etliche Jahre meiner Jugendzeit verbracht. Wo befindet sich eigentlich ein solches Eilagreit? Kurz und bündig: ,Glei hender pfui Teufel. Also dort, wo sich Fuchs ond Has gut Nacht saget. Warum nun Eila und Greit? Weil genau dort die Eulen unzählige Feldmäuse fingen, um diese zur Versorgung ihrer seinerzeit noch zahlreichen Nachkommenschaft durch das am Scheunentor befindliche runde Eulenloch zu bringen. Ebenso verhielt es sich mit den ,Totenvögele‘, den Käuzchen, nur dass deren Ziel nicht die Scheune war, sondern eine der hohlen Felben (Kopfweiden) am Bachufer. Der allabendlich vernehmbare, schneidende Ruf ,qui witt, qui witt‘ liegt mir noch heute in den Ohren. Abergläubische Menschen deuteten diesen Ruf als ,komm mit, komm mit‘. Der zweite Teil des Wortes Eilagreit bezieht sich höchstwahrscheinlich auf das ,Greuthen‘ oder Roden, also den Versuch, ein schlechtes Stück Land mittels ,Reithhaue‘ (bei mir noch vorhanden) urbar zu machen. Ach, wenn es dieses Eilagreit heute noch gäbe. Leider hat es die moderne Zeit mittels S-Bahn (S 3) längst gefressen.“

Den gestrigen Eilagreit-Beitrag von Gerhard Gall ergänzt Carmen Rothermel aus Nufrenga (Nufringen) um ihre Version: „En Wengerter hot an verwilderte Wengert in Obhut gnomme, weil’r dees nemme hot könne ertrage, wia arg der verkomme war. Mo er scho en Haufe dren­gschafft hot, kommt dr Pfarrer ane. Der bleibt schtande ond guckt. ,Dees isch ebbes räächts, was do met Ihrer und des Herrgotts Hilfe draus worre isch‘, sait’r. Drauf dr Wengerter: ,No hättet Sia dees Stückle sehe solle, mo’s oser Herrgott alloi omtriebe hot!‘“

Paula Schlimm aus Sindelfingen schickt uns ein 60 Jahre altes Gedicht von Lina Stöhr. Es passt zur Jahreszeit und trägt den Titel „a Heldatat“:

„D’Buba, die Frechdächs’,

dent ’s Eis scho probiera.

’s isch dünn – do muaß jo

a Oglück passiera!

Wahrhaftig – ’s ko jo net andersch sei –

en Kracher duat’s, ond der Karle

bricht ei.

Ach Gott, wie des Männdle

zwazlet ond schreit.

Und drussa, am Ufer,

do jammeret d’Leut.

Der Hannesle, guck, der woiß,

wie mer’s macht.

Rutsch nom uff’m Bauch,

wenn’s a bissle au kracht.

No packt er den Kerle

ond ziagt ond ziagt

ond hot en au richtig

uffs Trockene kriagt.

D’Leut schreiet ,Bravo, a Heldatat!

Dr ander isch sicher dei beschter

Kamerad?‘

,Des et grad‘, secht druf der kleine Ma,

,aber er hot meine nuie

Schlittschuah a!‘“ Der schwäbische Spruch des Tages kommt ebenfalls von Frau Schlimm: „Omkehrt ischt au g’fahra.“

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