Mit Holzscheiben lässt sich gut rugeln Foto: StN

„Wenn der Holzsäger gut drauf war, so sägte er uns von der Buchenwelle ein paar Scheiben ab, die wir Kinder als ‚Rugel‘ bekamen. Damit ‚rugelten‘ wir auf der Straße.“

Stuttgart - Erwin Gayer aus Nussdorf erinnert sich noch bestens an die fünfziger Jahre, als im Frühjahr der Brennholzsäger mit seiner selbstfahrenden Bandsäge vors Haus gefahren kam, um das dort aufgeschichtete Holz zu zersägen. „Wenn der Holzsäger gut drauf war, so sägte er uns von der Buchenwelle ein paar Scheiben ab, die wir Kinder als ‚Rugel‘ bekamen. Damit ‚rugelten‘ wir auf der Straße.“ Jetzt möchte Erwin Gayer erfahren, woher die Wörter „Rugel“ und „rugeln“ stammen.

Zunächst kann festgestellt werden, dass das Wort „rugeln“ auf oberdeutsche Dialekte beschränkt ist. Es ist eine umgelautete Form des Verbs „rügeln“ in der Bedeutung „in Bewegung setzen“ sowie „rütteln, schütteln“. Dieses geht auf das Adjektiv „rogel“ (= locker, lose) zurück, zu dem auch „rogeln“ (= wackeln) gehört. Diese Beschreibungen sind nicht unwesentlich, haben sie doch einiges mit dem Hintersinn, der in „rug(å)lå“ steckt, zu tun.

In Fischers Handwörterbuch wird „rugelen, rogelen“ mit „rollen“ beschrieben. Leider wird die Art des „Rollens“ nicht näher benannt. Das Besondere von „ruglå“ ist nämlich die unregelmäßige Bewegung, die sich bei unrunden Gegenständen zeigt, aber auch bei runden, welche auf einem holperigen Untergrund kullern. Wenn man beispielsweise ein Ei auf einer schiefen Ebene hinabrollen lässt, dann bemerkt man dessen wackeliges, asymmetrisches Verhalten, das man als „eiern“ bezeichnet.

Genauso ist es, wenn ein Ball, also ein runder Körper, auf einem unebenen Gelände, zum Beispiel Sportplatz, hin und her hoppelt und die Spieler irritiert. Unter „Rugl“, Plural „Ruglå“, versteht man ein walzenförmiges Stück, besonders von einem Baumstamm, also die zersägten, noch nicht gespaltenen Klötze. Und å Rugåle ist ein rollender Gegenstand zum Spielen, beispielsweise ein Klucker (Glaskügelchen), gesprochen „Gluggr“. Die Silben „rug-, rog-„ beinhalten nach Hermann Wax grundsätzlich eine (ruckartige) Bewegung, was auch in den Begriffen „Ruck, Rucker“ (= rasche, stoßweise Bewegung) zum Ausdruck kommt. Das Adjektiv „g(e)roglåt-voll“ bedeutet „übervoll“, was beispielsweise im Korb durch Rütteln (= hin- und herschütteln) entsteht.

Ein sinnverwandtes Wort zu „rugeln“ ist „hurgeln“. Es stammt vom Verb „hurlen“ in der Bedeutung „rollen, kollern“. Im Schwäbischen gibt es dafür die Formen „horglå, hurglå, kurglå“, worunter man „rollen, rollend (sich) wälzen“ versteht. Eine Hurgel ist nach Fischer etwas, was sich wälzen lässt, speziell eine kleine Kugel aus Stein oder Glas; eine abgesägte Holzscheibe, eine Walze von geringer Dicke, ein dünner Stamm; auch Bodenbohnen mit ganz runden essbaren Körnern werden „Hurglå“ genannt. Ein Hurgler ist ein tappiger, tölpischer Mensch, ein Schlamper, nach Hermann Wax ein unfähiger Mensch, dem nichts „rund“ läuft, da „hurgeln“ auch unausgewuchtetes, langsames Sich-wälzen bedeutet.

In diese Kategorie gehört auch das Verb „wargeln“, worunter man „herumwälzen, rollend bewegen“ versteht. Während „hurglå“ bei kleineren Objekten benutzt wird, so verwendet man „warg(å)lå“ bei größeren wie bei runden Baumstumpen, oder man gebraucht es, wenn Kinder einen Hang hinunterrollen. Ein zusammen­gewälzter Haufen Stroh oder Heu wird „Wargel“ genannt, und ein Wargelholz ist eine andere Bezeichnung für Wellholz. Der schwäbische Spruch des Tages kommt von einem Leser aus Schorndorf. Er schreibt: „Beim Schaffe im Gärtle oder Höfle freue ich mich über jede Ansprache von Vorbeigehenden. Damit jene nicht gleich weiterlaufen, versuche ich sie mit dem Satz ,zugucka dürfet Se, bloß net helfa!‘ zum Bleiben zu bewegen. Schließlich gilt im Schwäbischen: A Schwätzle ersetzt manches Tablettle.“

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