Manfred Weber will EU-Kommissionspräsident werden. Foto: dpa

Nur wenn Manfred Weber mit den ungarischen Rechtspopulisten bricht, kann er Kommissionspräsident werden, kommentiert der Brüssel-Korrespondent Markus Grabitz.

Brüssel - Es wird Zeit, dass die europäische Parteienfamilie der Christdemokraten (EVP) den Rechtspopulisten Viktor Orbanrausschmeißt. Daheim in Budapest trampelt er europäische Werte mit Füßen. Er hetzt gegen Juden und Zuwanderer, er behindert die Medien, er geht gegen die Wissenschaft vor. Er lässt es zu, dass EU-Fördermittel in den Taschen seines Schwiegersohns verschwinden. All das ist nicht neu – auch nicht, dass er die Milliardensummen aus Brüssel nimmt, um Autobahnen und Metros zu bauen, aber gleichzeitig die Stimmung gegen die EU schürt.

Je näher die Wahl rückt und damit der Tag, an dem die Christdemokraten im Europaparlament eine Mehrheit für ihren Spitzenkandidaten Manfred Weber (CSU) organisieren müssen, der Nachfolger von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker werden soll, desto deutlicher wird: Für Weber, der eigentlich beste Chancen hat, wird Orban zum Mühlstein. Weber wird darauf angewiesen sein, Sozialdemokraten und Teile von Grünen und Liberalen an Bord zu holen, um für sich eine Mehrheit zu mobilisieren. Grüne und Sozialdemokraten werden ihm die Unterstützung verweigern, wenn er nicht klar mit Orban bricht. So schwer es auch fällt: Die Stimmen der Orban-Leute muss Weber schnell abschreiben, ansonsten kann er sich den Topjob in Brüssel abschminken.

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