Auf den Spuren von „Du warst mal Weltmeisterin, nicht?“

Von Eva Wirth 

 Foto: Baumann
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Frau Greiner-Petter-Wer? Allein schon wegen ihres Namens haben viele Fans sie nicht vergessen.

Ruhpolding - Frau Greiner-Petter-Wer? Eine seltene Frage. Allein schon wegen ihres Namens haben viele Biathlon-Fans Simone Greiner-Petter-Memm nicht vergessen – die fünffache WM-Goldmedaillengewinnerin. Doch ausgerechnet Franziska Hildebrand konnte sich nicht erinnern. „Ich konnte nur Gesicht und Name auf einem Bild nicht ­zuordnen“, versucht sich die deutsche Biathletin bei der WM in Ruhpolding herauszu­reden.

Ein bisschen hat sie aber recht. Simone Greiner-Petter-Memm (44) hat sich verändert. Die langen blonden Haare sind einer frechen Kurzhaarfrisur gewichen. Ihre Augen blitzen jedoch noch genauso wie in den 90er Jahren, als sie ihre größten Erfolge sammelte. Neben den fünf WM-Goldmedaillen gewann Greiner-Petter-Memm bei Olympia 1994 in Lille­hammer die Silbermedaille.

Gerne erinnert sie sich allerdings nicht mehr daran zurück. Im Staffelrennen lag Deutschland aussichtsreich vorne, doch Greiner-Petter-Memm patzte im Schießen. Sie musste sowohl nach dem Stehend- als auch nach dem Liegendanschlag jeweils dreimal in die Strafrunde. „Das haftet mir heute noch an“, sagt Greiner-Petter-Memm. „Ich war keine gute Schützin. Ich hatte vor allem vor dem Stehendschießen viel Respekt.“ Wahrscheinlich, weil sie den Umgang mit der Waffe spät gelernt hat. Erst nach der Wende wechselte sie vom Langlauf zum Biathlon.

Dennoch blickt sie gerne auf ihre Karriere zurück, auch wenn ihr der Gewinn einer Einzelmedaille verwehrt geblieben ist. „Das wäre schon ein Traum gewesen, aber ich stand mir oft selbst im Weg.“ Zu lange habe sie sich mit Nebensächlichkeiten aufgehalten und über Fehler gegrübelt. Das würde sie heute anders machen – alles andere nicht.

Am vergangenen Wochenende war sie seit langer Zeit wieder einmal in Ruhpolding, wo sie zwei ihrer WM-Medaillen (Staffel und Mannschaft) gewonnen hat. „Es hat sich wahnsinnig viel verändert, aber ich habe alles gleich wieder gefunden.“ Das Rathaus, den Champions-Park, in dem sie 1996 noch gemeinsam mit den Fans getanzt und gefeiert hat, und die kleine Kapelle am Ortsrand. Dort ist die Mutter einer inzwischen erwachsenen Tochter immer hin gejoggt, wenn die Anspannung vor dem Wettkampf zu groß geworden ist. „Das hat mir geholfen, obwohl ich überhaupt nicht gläubig bin.“

Sie und ihr Mann waren nur während des ersten WM-Wochenendes in Ruhpolding. Als normale Fans. „Ich bin sogar mit dem Fan-Bus gefahren. Das war spannend“, sagt Greiner-Petter-Memm. Die Arbeit hat sie zurück in den Osten der Republik geführt. Greiner-Petter-Memm ist heute Grundschullehrerin. Sie unterrichtet Deutsch, Mathematik, Heimat- und Sachunterricht und als Nebenfach – wie könnte es anders sein – Sport. „Mir ist der Absprung nach meinem Karriereende 2000 gut gelungen“, sagt Greiner-Petter-Memm. Die Kinder in der Schule reden sie übrigens nur mit Frau Greiner an. Trotzdem wissen einige, wer da an der Tafel steht, und die fragen dann immer wieder „Du warst auch mal Weltmeisterin, nicht?“ oder „Frau Greiner, haben sie am Wochenende auch Biathlon geguckt?“. Mit ihrem Namen kann sie sich eben nicht verstecken, obwohl nur das Memm angeheiratet ist. „Wer Greiner-Petter heißt, fällt auf, denn er ist immer mit uns verwandt“, scherzt sie. Aber deshalb kommt es auch nur ganz selten vor, dass sich einer zu fragen traut: Greiner-Petter-Wer?

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