Kolumnist KNITZ über den Vorteil von Tarnkleidung, ein Leben hinter Glas und Geldsparen beim Klamottenkauf im KaDeWe.
Es ist ja nicht so, dass KNITZ sich mit dem Heiland auf eine Stufe stellen möchte. Gott bewahre! Aber die Idee, dass man sich vom jemandem kein Bildnis machen soll, hat was. KNITZ jedenfalls ist bisher gut damit gefahren, dass er bildlich nie in Erscheinung trat.
Gut, manchmal beneidet er schon seine Kolleginnen und Kollegen, wenn sie sich bei einem Kommentar etwa der werten Leserschaft im Bild zeigen dürfen. Schließlich steht man zu seiner Meinung. Wir sind ja keine Heckenschützen.
Der arme Molch taucht ab
Andererseits ist man als Gesichtsloser nicht der Gefahr ausgesetzt, morgens beim Bäcker im Halbschlaf darüber diskutieren zu müssen, was man in der Zeitung wieder für einen Käse verbreitet hat. „Käse“, könnte KNITZ höchstens darauf antworten, „gut, dass Sie mich daran erinnern. Noch zwei Laugenstangen mit Käse, bitte!“
Oft ist Tarnung die bessere Lösung. KNITZ ist das neulich beim Besuch des Aquariums am Berliner Zoo deutlich geworden. Was macht da der arme Molch, wenn er heute mal keinen Bock aufs Publikum hat? Er verzieht sich in den Schatten eines Steins und nimmt im Idealfall dessen Farbe an.
Anfangs war KNITZ richtiggehend scharf darauf, irgendwelche Muränen, Leguane, Frösche, Spinnen oder Schaben aufzuspüren. Bei jedem erfolgreichen Sichtkontakt ließ er einen Tarzan-Schrei los.
Gut, das Chamäleon war leicht zu finden. Es muss wohl eben erst die Stellung gewechselt haben, harmonierte farblich noch mit dem Fels im Hintergrund, fiel ergo in der Botanik sitzend deutlich ins Auge. Aber entdeckt ist entdeckt, also: Uaaaaaaaaah!
Besser in Berlin als auf Borneo
Doch mit jedem Glaskasten ließ die Motivation nach. Was soll’s, dachte KNITZ. Hauptsache, euch geht’s gut. Wassertemperatur und Luftfeuchtigkeit stimmen, der Speiseplan ist zu eurer Zufriedenheit. Unterm Strich seid ihr vermutlich froh, in Berlin unter einer Höhensonne zu hocken als auf Borneo mit Fressfeinden im Genick.
Aus ganz anderem Holz geschnitzt als der mit der Natur fühlende KNITZ ist da sein Fressesprecher Tom Hörner, ein Mann fürs Grobe, der es laut mag, auch optisch. Deshalb hat KNITZ hat sich nicht gewundert, als ihm sein nicht gerade Scheinwerferlicht-scheuer Öffentlichkeitsarbeiter, der zufällig auch gerade in der Hauptstadt weilte, aus dem KaDeWe ein Foto schickte.
Das Sakko sei ein Schnäppchen, schrieb der Fressesprecher. Es sei von 2000 auf 800 Euro herabgesetzt. Er überlege, mehrere zu kaufen. Bei Dreien spare er 3600 Euro. Vielleicht, überlegte KNITZ, wäre sein Mann besser im Bankengeschäft aufgehoben.
KNITZ ist anders gestrickt, auch in modischen Dingen. Vergangenen Sommer hat er sich ein T-Shirt mit Dschungel-Design gekauft. Hinge man das Hemd zum Trocknen in den Urwald, man fände es nie wieder.
Das Leben aus der Tierperspektive
Vielleicht sollte KNITZ es beim nächsten Besuch eines Terrariums tragen – und fragen, ob er nicht ein paar Stunden hinter Glas verbringen darf. Um mal das Leben aus der Tierperspektive zu betrachten.
Sollten Sie bei einem Zoobesuch durchs Aquariumhaus streifen, seien Sie vorsichtig. Könnte sein, KNITZ hat Sie im Blick. Er ist genau dort, wo Sie ihn nicht sehen.