Attila Hildmann soll laut der Satireseite „Der Postillon“ von Angela Merkel gekauft worden sein, um die Querdenker-Szene ins Lächerliche zu ziehen – viele Anhänger des Aktivisten glaubten die Geschichte. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Die Satireseite „Der Postillon“ lässt den Ex-Koch und Corona-Aktivsten Attila Hildmann zur Marionette von Kanzlerin Angela Merkel werden. Darauf fallen vor allem Hildmann-Fans rein – und starten einen Shitstorm gegen ihr Idol.

Stuttgart - Jüngst hat sich die Satireseite „Der Postillon“ den Aktivisten Attila Hildmann vorgenommen. Der frühere vegane Koch und nun Querdenker ist auf vielen Demos gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung anzutreffen und einer der schärfsten Merkel-Kritiker. Dabei hat er es so bunt getrieben mit antisemitischen und rechtsextremen Parolen, dass zwischenzeitlich wegen Volksverhetzung gegen ihn ermittelt wird. Seine Aussagen, die er vor allem in seinem Telegram-Kanal verbreitet, sind jedoch realistisch betrachtet nur eines: wirklichkeitsfern.

Diese Wirkung hat der Postillon für sich genutzt und einen Artikel verfasst, in dem behauptet wird, Hildmann sei von Angela Merkel dafür bezahlt worden, die Querdenker-Szene lächerlich zu machen. Auf dem Foto zum Artikel sind Hildmann und Merkel bei einem angeblichen gemeinsamen Spaziergang im Oktober 2019 zu sehen. Schon damals soll die Bundeskanzlerin von der Pandemie gewusst haben und den „seriösen Geschäftsmann Hildmann“ mit einem Bestechungsgeld in Höhe von 666.666 Euro gekauft haben.

Auch Xavier Naidoo glaubt die Satire-Geschichte

An den Reaktionen auf diesen Artikel ist wohl zu erkennen, dass Satire etwas ist, das nicht jeder versteht. Die Anhänger Hildmanns ließen nämlich gleich einen Shitstorm auf ihr Idol niederprasseln: Viele von ihnen waren in dem Glauben, das Geschriebene entspreche der Wahrheit. Wie der Postillon auf seinem Twitter-Account verlauten lässt, fiel offenbar auch der Sänger und zwischenzeitlich zum Verschwörungsmystiker mit Nähe zur Reichsbürgerideologie gewandelte Xavier Naidoo auf den Text herein:

Nach zahlreichen Nachrichten an Attila Hildmann erklärte dieser in seiner Telegram-Gruppe, der 80.000 Menschen folgen, erst einmal, was der Postillon eigentlich ist. Diese Erklärung kommentierte der Postillon auf Twitter in gewohnter Manier: „Hildmann lügt. Er muss natürlich behaupten, das an unserer Recherche nichts dran sei. Andernfalls dreht ihm Merkel den Geldhahn zu!!!“

Zumindest die Follower des Postillon verstehen, was Satire bedeutet und antworten mit Aussagen wie „Wieso behauptet der eigentlich, dass ihr Satire macht?“, und:„ Alleine, dass Leute das glauben, zeigt doch die Beschränktheit derselben“, oder auch: „Die Leute glauben wirklich: alles!“

Ein ganz normaler Tag in der Redaktion des Postillons

Einem Ex-Koch, der allenthalben Fakenews und Verschwörungen vermutet, wird selbst eine Verschwörung angedichtet, die dann von seinen Fans auch noch geglaubt wird: Was sagt der Verfasser beim Postillon zu dieser speziellen Pirouette in den von Fakenews verseuchten Sozialen Medien? Die Idee für einen Beitrag dieser Art lag nicht fern, sagt Stefan Sichermann, der Geschäftsführer und Chefredakteur der Seite: „Es bietet sich grundsätzlich an, Leute, die in allem eine Verschwörung sehen, anzudichten, Teil einer Verschwörung zu sein.“

Sind die Reaktionen anders ausgefallen als gewohnt? „Nicht wirklich“, sagt Sichermann. „Im Schnitt vielleicht etwas intensiver und es gab angenehmerweise Reaktionen von Hildmann und Naidoo“, sagt Sichermann. Diese Gelegenheit werde man nutzen und die Reaktionen der beiden in den Leserbriefen verarbeiten. Ansonsten sei es „der ganz normale Alltag beim Postillon“ gewesen: „Es kam alles, von Lob über besorgte Nachfragen bis hin zu wüsten Beschimpfungen durch Attila-Hildmann-Fans.“

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