Wie frei Journalisten arbeiten können, ist auch immer ein Anzeichen dafür, wie frei es in einer Gesellschaft zugeht, betont Berlin-Korrespondent Tobias Heimbach.
Sie werden geschlagen, beleidigt, bedroht – für etwas, was in einer demokratischen Gesellschaft selbstverständlich sein sollte: die freie Berichterstattung. Im vergangenen Jahr wurden Journalisten in 89 Fällen attackiert. Eine Verdopplung gegenüber 2023. Das geht aus einer Auswertung von „Reporter ohne Grenzen“ hervor. Die Organisation spricht zudem von einer hohen Dunkelziffer. Nicht jede Attacke wird auch gemeldet oder zur Anzeige gebracht.
Angriffe auf Journalisten: Wehret den Anfängen
Alles nicht so schlimm – besonders groß ist die Gesamtzahl der Angriffe schließlich nicht? Doch auch hier gilt: Wehret den Anfängen. Wie frei Journalisten arbeiten können, ist auch immer ein Anzeichen dafür, wie frei es in einer Gesellschaft zugeht. Denn es bleibt häufig nicht bei Attacken gegen Journalisten. Noch härter trifft es Menschen, die sich gesellschaftlich oder politisch engagieren. Viele von ihnen berichten seit Jahren davon, dass das politische Klima härter geworden ist. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen Kommunalpolitiker und selbst Bundestagsabgeordnete ihr Engagement aufgegeben haben.
Die aktuellen Daten zeigen, dass die Attacken gegen Journalisten vor allem im Umfeld von propalästinensischen Protesten, Demonstrationen von Verschwörungstheoretikern und Aufmärschen von Rechtsextremen verübt wurden. Das verwundert nicht. Sie alle haben ein anti-liberales Weltbild gemeinsam. Viele wollen nicht, dass man zu genau hinsieht, wer da was bei Aufmärschen tut. Es geht um Einschüchterung. Besonderer Respekt gebührt daher denjenigen, die genau dort berichten, wo ihnen Feindseligkeiten entgegenschlagen.
Die Pressefreiheit in Deutschland ist weiter in gutem Zustand, die Bundesrepublik ist eines der freiheitlichsten Länder der Welt. Doch man sollte sich ein feines Gespür dafür bewahren, wenn etwas in Rutschen gerät. Denn dann ist es oft schon zu spät.