Ein Mitarbeiter steht auf dem Gelände des Atomkraftwerks des Energiekonzerns EnBW vor dem Reaktorgebäude. Foto: dpa

Obrigheim macht es vor, die anderen folgen. Die einstigen Atommeiler im Land werden angerissen. Doch noch laufen zwei in Philippsburg und Neckarwestheim - und liefern fleißig Strom.

Obrigheim - Letzte Etappe für das einstige Atomkraftwerk Obrigheim: Wie der Energiekonzern EnBW mitteilte, hat Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) am Mittwoch die vierte und letzte Abbaugenehmigung überreicht. „Ein weiterer Meilenstein für den Ausstieg aus der Atomkraft in Baden-Württemberg ist erreicht“, meinte der Minister in einer Mitteilung. Auch an den anderen Kernkraftstandorten im Land zeige sich: Der Ausstieg komme „Schritt um Schritt“ voran.

In Obrigheim stand der älteste kommerziell betriebene Meiler in Deutschland. Er war 1969 in Betrieb gegangen und zu einem Symbol im erbitterten Streit um die Atomenergie geworden. Im Mai 2005 ging er vom Netz. Große Teile des früheren Kraftwerks zwischen Heidelberg und Heilbronn sind bereits abgebaut, darunter Generator, Turbinen, Rohrleitungen und der Reaktordruckbehälter. Nachdem alle Brennelemente nun in Neckarwestheim sind, wird das Gebäude abgerissen, in dem diese aufbewahrt wurden. Die letzte Abbaugenehmigung ist etwa für Lüftungssysteme, Lastenaufzüge und Teile einer großen Materialschleuse. Spätestens 2025 soll das ganze Kraftwerk Obrigheim der Vergangenheit angehören.

Zwei Kernkraftwerksblöcke noch in Betrieb

Abgebaut werden derzeit auch die beiden älteren Anlagen in Philippsburg bei Karlsruhe (KKP 1) und in Neckarwestheim bei Heilbronn (GKN I). Bis Anfang der 2030er Jahre, so schätzt Untersteller, könnten sie gänzlich demontiert sein.

In Betrieb sind noch die Kernkraftwerksblöcke Philippsburg 2 (Erlaubnis bis Ende 2019) und Neckarwestheim II (Ende 2022). Sie sollen bis spätestens Mitte der 2030er Jahre abgebaut werden. Die Öffentlichkeit soll möglichst noch in dem Jahr beteiligt werden. „Wir wollen die betroffenen Bürgerinnen und Bürger umfassend informieren und ihnen die Möglichkeit geben, sich in die Verfahren einzubringen“, betonte Untersteller.

Demontiert werden derzeit auch zwei stillgelegte kerntechnische Versuchs- und Prototypanlagen auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT/Campus Nord). So ist die ehemalige Wiederaufbereitungsanlage (WAK) nach Angaben des Ministeriums im fünften von sechs Abbauschritten, die bis Ende der 2020er Jahre umgesetzt sein sollen. Für den Abbau des Mehrzweckforschungsreaktors (MZFR) liegen die Genehmigungen vor, der Abriss des Reaktorgebäudes soll Ende 2019 beginnen. Alle ehemals nuklear genutzten Gebäude sollen bis zum Jahr 2021 beseitigt sein.

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