Im Atomkraftwerk in Fessenheim ist es im April 2014 zu einem Zwischenfall gekommen. Foto: dpa

Dauerbrenner Atomkraftwerk Fessenheim: Wann es vom Netz geht, ist unklar. Baden-Württembergs grüner Umweltminister Untersteller fordert mehr Offenheit von Frankreich.

Stuttgart - Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat von seiner französischen Kollegin Ségolène Royal einen klaren Zeitplan für die Abschaltung des Atomkraftwerks Fessenheim gefordert. Zugleich verlangte er in einem Brief an sie die vollständige Aufklärung eines Zwischenfalls vom April 2014. Bei dem bereits bekannten Vorfall war die Steuerung der Anlage beeinträchtigt. Wenn es aber neue Erkenntnisse geben sollte, wolle der Südwesten informiert werden, sagte Untersteller am Freitag in Stuttgart. „Klar ist, dass Fessenheim nicht dem Stand von Wissenschaft und Technik entspricht, es gibt nur unzureichenden Schutz gegen interne Überflutungen und es gibt zu wenig Redundanzen, also unabhängig arbeitende Notsysteme.“

Der französische Staatspräsident François Hollande habe die Abschaltung in seiner jetzigen Amtsperiode, also bis spätestens Frühjahr 2017 angekündigt, sagte Untersteller. Vergangenes Jahr sei das Jahr 2018 als Stilllegungsjahr ins Gespräch gekommen, und jetzt gehe es offensichtlich um 2020, sagte Untersteller. „Diese laufende Verschiebung ist irritierend, und sie ist ein Risiko. Ich erhoffe mir eine klare und dann auch verlässliche Aussage der französischen Umweltministerin.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ und der WDR hatten zuvor unter Berufung auf ein Dokument der französischen Atomaufsicht berichtet, ein Zwischenfall in dem AKW nahe der deutschen Grenze vom April 2014 sei gravierender gewesen als bislang bekannt. Ein Ausfall von Steuerstäben in einem Kernkraftwerk wie in Fessenheim ist in Westeuropa nach Expertenansicht bisher nicht vorgekommen. Das sagte Christian Küppers, Experte für Nukleartechnik und Anlagensicherheit beim Öko-Institut, in einem Interview mit dpa-Audio.

Der baden-württembergische Finanzminister Nils Schmid (SPD) sagte, die Abschaltung von Fessenheim sei längst überfällig. „Wir werden uns weiterhin beim französischen Nachbarn und über die Bundesregierung dafür einsetzen, dass dieser alte Meiler schnellstmöglich dauerhaft abgeschaltet wird.“ Aufgrund der Medienberichte telefonierte Schmid mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) forderte erneut das Aus des Reaktors und genauere Informationen zu dem Thema.

Der Nabu-Landesvorsitzenden Andre Baumann sagte, von Fessenheim gehe eine große Gefahr für das badisch-elsässische Grenzgebiet aus. „Nicht nur in Sachen Atomausstieg, sondern auch bei der Transparenz kann sich Frankreich ein Beispiel an der Nachbarregion nehmen: Über jedes meldepflichtiges Ereignis in den baden-württembergischen Atomkraftwerken wird die Presse und damit die Öffentlichkeit informiert.“

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