Die Zerstörung ist total: Hiroshima nach dem Atombombenabwurf Foto:  

Mit Grafik - Vor 70 Jahren wurden die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki Ziel der ersten in einem Krieg eingesetzten Atombomben. Nach amerikanischer Lesart waren sie nötig, um den Krieg gegen das japanische Kaiserreich zu beenden.

Washington - In Europa war der Zweite Weltkrieg schon lange zu Ende, im Fernen Osten dagegen ging das Blutvergießen noch monatelang weiter: Im Pazifikkrieg, der nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 einen ersten blutigen Höhepunkt erreichte, wurden von den Amerikanern am 6. August in Hiroshima und am 9. August 1945 in Nagasaki die ersten Atombomben gezündet.

Hiroshima

Dem nuklearen Inferno fielen Zehntausende Menschen zum Opfer – fast ausschließlich Zivilisten und von der japanischen Armee verschleppte Zwangsarbeiter. Bis Jahresende 1945 starben weitere 130 000 Menschen. Insgesamt liegt die Zahl der Opfer durch die Bombenabwürfe bei 460 000. Mit der Kapitulation Japans endete am 2. September 1945 der Zweite Weltkrieg auch in Asien.

Unter dem Decknamen „Manhattan Project“ hatten die USA in den 1940er Jahren mit der Entwicklung einer Atombombe begonnen – um Nazi-Deutschland zuvorzukommen und den Zweiten Weltkrieg so rasch wie möglich siegreich zu beenden. Wichtige Vorbereitungen waren bereits an der Columbia University im New Yorker Stadtteil Manhattan geleistet worden. Im November 1942 wurde das Zentrum der Forschungen nach Los Alamos im US-Staat New Mexico verlegt, wo Tausende Wissenschaftler und Techniker arbeiteten. Als „Vater der Bombe“ gilt J. Robert Oppenheimer, Forschungsdirektor von Los Alamos. Am 16. Juli 1945 detonierte die erste Testbombe in der Wüste.

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Japan lag bereits am Boden

Heute, 70 Jahre danach, glauben noch immer viele in den USA der offiziellen Lesart: Dass die Atombombenabwürfe eine Invasion Japans überflüssig gemacht habe – und dadurch Hunderttausenden amerikanischen Soldaten und Zehntausenden japanischen Zivilisten das Leben gerettet habe. Doch Tatsache ist, dass Japan bereits am Boden lag, als die Bomben fielen.

Für Historiker wie Tsuyoshi Hasegawa von der University of California ist es nicht Hiroshima gewesen, sondern vielmehr die Kriegserklärung der Sowjetunion an Japan am 8. August 1945, die Kaiser Hirohito kapitulieren ließ. Tatsächlich scheint die japanische Führung von den Zerstörungen in Hiroshima nicht sonderlich beeindruckt gewesen zu sein.

In Tokio war man an Angriffe gewöhnt: Schon in den Wochen vor Hiroshima hatte das US-Militär mehr als 60 Städte, darunter die Hauptstadt, mit den heftigen Bombardements überzogen. Nach Einschätzung des Historikers Samuel Walker entschieden die USA sich auch deshalb für den Abwurf, weil die den Sowjets ihre Stärke beweisen wollten. Hiroshima wurde angesichts der sowjetischen Kontrolle Osteuropas und des nahenden Kriegsendes eine wichtige Kampfansage an Moskau.

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Ein Zeuge berichtet vom Tag des Schreckens

Japan war jedenfalls klar, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Es galt nur noch, ihn zu den bestmöglichen Bedingungen zu beenden. „Für die japanische Regierung war das Beharren auf bedingungsloser Kapitulation das größte Problem, da der Erhalt der mit der japanischen Nation gleichgesetzten Monarchie dadurch in Frage gestellt war“, schreibt der Japan-Experte Florian Coulmas.

Und wie erinnern sich die Japaner heute an die apokalyptischen Tagen im August 1945? Der 88-jährige Shozo Muneto weiß noch genau, wie es im damals ergangen ist: „Ich blickte fassungslos auf schwarze Atomwolken.“ Durch die Trümmer irrten schwer verletzte Überlebende „wie Gespenster“ umher. Jetzt, 70 Jahre nach dem Atombombenabwurf, sitzt der alte Mann in einer kleinen christlichen Kirche seiner Heimatstadt Hiroshima und spricht mit leiser Stimme über den Wahnsinn des Kriegs. „Die Zimmer im Krankenhaus füllten sich in der Sommerhitze mit dem Gestank der Leichen, an denen Maden klebten.“ Nach dem Ende des Kriegs studierte Muneto Theologie, ging nach Amerika und wurde Pfarrer. Seither wird er nicht müde, den nachfolgenden Generationen über das Grauen von damals zu berichten, damit es nie wieder zum Krieg kommen möge.

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