Das iranische Regime zieht sich im Atom-Konflikt auf eine Position der Zweideutigkeit zurück. Das wird nicht reichen, meint Thomas Seibert.
Ein spannendes diplomatisches Pokerspiel zeichnet sich im Atom-Streit zwischen dem Iran und Europa ab. Teheran will verhindern, dass suspendierte UN-Sanktionen gegen die Islamische Republik im Oktober wieder in Kraft gesetzt werden. Verhandlungen sind wahrscheinlich, die Zeit drängt. Gespräche über Fragen wie die Urananreicherung wären schwierig genug, doch die Lage wird noch komplizierter, weil der Iran nicht weiß, was er eigentlich erreichen will: Die iranische Führung geht in die entscheidende Phase des Atom-Streits, ohne geklärt zu haben, ob sie auf die Atombombe verzichtet oder nicht.
Sanktionsabbau oder Abschreckung?
Offiziell sagt Teheran, das iranische Atomprogramm diene ausschließlich friedlichen Zielen, doch das wirkt unglaubwürdig. So stellt sich die Frage, warum der Iran internationale Inspekteure ausweist oder Uran auf ein Niveau anreichert, für das es nur militärische Zwecke gibt. Seit den israelisch-amerikanischen Angriffen vom Juni sagen einige Politiker in Teheran, nur die Atombombe könne ihr Land schützen.
Bisher hält sich der Iran alle Optionen offen. Er will seine Wirtschaft durch einen Atom-Deal mit Sanktionsabbau sanieren und gleichzeitig völlige Transparenz in seinem Atomprogramm vermeiden, um ein Mindestmaß an Abschreckung zu bewahren. In den kommenden Wochen wird sich das Regime von einem dieser Ziele verabschieden müssen.