Hat mit dem Boxen eine neue Leidenschaft gefunden: Helena Engels. Foto: privat

Obwohl sie erst seit 2024 im Ring steht, hat Helena Engels bei der deutschen Meisterschaft Gold geholt. Die Stuttgarter Athletin über ihren Weg zum Boxen und ihre nächsten Ziele.

Wie lange dauert es, sich in einem neuen Sport bis zur Deutschen Meisterin hochzuarbeiten? Im Fall von Helena Engels lautet die Antwort: nur gut ein Jahr. Erst im Herbst 2024 fand die 23-Jährige den Weg in den Boxsport. Kaum mehr als zwölf Monate später hat sich die Athletin des VfK Germania Stuttgart nun bei der Elite den nationalen Titel gesichert. In der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm der Frauen schaffte sie es beim Finalwettbewerb in Saarbrücken auf die oberste Stufe des Treppchens.

 

„Das ist auf jeden Fall mein größter Erfolg bislang“, sagt Engels. Wer ihr vor dem Herbst 2024 erzählt hätte, aus ihr werde einmal eine deutsche Boxmeisterin, den hätte sie vermutlich ausgelacht. Denn dass Engels im Ring landen würde, war lange Zeit überhaupt nicht absehbar.

Boxen wird für Helena Engels schnell zur Leidenschaft

Die gebürtige Kölnerin ist zwar schon seit ihrer frühen Jugend sportbegeistert. Doch in ihrer Heimatstadt machte Engels einst vor allem als Tennisspielerin auf sich aufmerksam. Später zog sie für ein duales Studium nach Stuttgart, anschließend sammelte sie dort Berufserfahrung als Wirtschaftsprüferin. Zwischenzeitlich sank der Sport in der Prioritätenliste von Engels. Anfang des vergangenen Jahres ließ sie ihn sogar mehrere Monate komplett weg. „Das war für meine Verhältnisse eine lange Pause“, erinnert sich Engels. Die Situation änderte sich erst wieder, als ihr Bruder ihr riet, es doch mal mit dem Boxen zu probieren. Ohne große Erwartungen meldete sich Engels daraufhin im Stallion Gym in Zuffenhausen an. „Das hat mich dann schnell gecatcht“, erzählt sie. Ihr war bald klar, dass sie eine neue Leidenschaft entdeckt hatte.

Boxtrainer entdeckt Athletin aus Stuttgart

Nach einigen Wochen an besagter Sportstätte erkannte Jörg Schwiperich, früher leitender Boxtrainer beim Landessportverband Baden-Württemberg, das Potenzial von Engels. „Ihm habe ich sehr viel zu verdanken“, sagt die Athletin. Schwiperich nahm sie mit zum im Stuttgarter Westen ansässigen VfK Germania und wurde zu ihrem Coach. Er habe sich viel Zeit für sie genommen und mit ihr an den Grundlagen gearbeitet.

„Ihm habe ich sehr viel zu verdanken“: Helena Engels hält große Stücke auf ihren Coach Jörg Schwiperich. Foto: privat

Bei Engels traf Schwiperichs Engagement auf fruchtbaren Boden. „Mir macht es Spaß, neue Bewegungsabläufe, Taktiken und Techniken zu lernen“, sagt sie. Aus anfangs zwei Trainingseinheiten pro Woche wurden so im Laufe der Monate vier bis fünf. Das Wettkampfdebüt folgte im Juni 2025 beim European Fusion-Cup, einem internationalen Amateurturnier im bayerischen Kaufbeuren. In der Leistungsklasse C entschied Engels dort ihre ersten zwei Kämpfe für sich – beide bereits in der zweiten Runde.

Helena Engels triumphiert bei der deutschen Meisterschaft

Im Oktober begann sie, sich intensiv auf die deutsche Meisterschaft vorzubereiten. Ihre sportliche Vielseitigkeit bewies sie währenddessen auch außerhalb des Rings beim Köln-Marathon. Die gut 42 Kilometer absolvierte Engels in ihrer Geburtsstadt in etwas weniger als vier Stunden. Vor kurzem folgten dann die Box-Wettkampftage von Saarbrücken. Zur deutschen Meisterschaft gehören mehrere Kämpfe in kurzer Abfolge, nämlich innerhalb von nur drei Tagen. Das war für Engels „eine ganz neue Erfahrung“.

Noch bei der Anreise habe sie nicht damit gerechnet, am Ende wirklich um den Titel mitzukämpfen. Und tatsächlich traf sie auf starke Konkurrenz mit unterschiedlichen Boxstilen. „Jeder Kampf war auf seine Weise schwer“, sagt Engels. Und doch war sie selbst noch stärker, schaffte es so ins Finale gegen Sara-Lysiane Gläser (BC Görzig Fuhneland/Sachsen-Anhalt), U-19-Vizeeuropameisterin von 2023. Auch in diesem Fall behauptete sich die Germania-Boxerin und gewann so die Goldmedaille.

Goldmedaille in Saarbrücken: Helena Engels triumphiert bei der Deutschen Meisterschaft. Foto: VfK Germania 1890 Stuttgart

Boxerin aus Stuttgart hat Ziel vor Augen

Der Titel sei angesichts ihrer noch jungen Kampfsport-Karriere „schon sehr cool“, sagt Engels. Nun will sie sich weiterentwickeln. „Dadurch, dass ich noch relativ am Anfang meiner Laufbahn stehe, gibt es noch viel, viel Potenzial nach oben.“ Als konkrete Schritte nennt sie, die Grundlagen zu festigen und technischen Feinschliff hinzuzufügen.

Obwohl Engels inzwischen in Heidelberg wohnt, boxt sie weiter für den VfK Germania. Ihr Plan ist es zunächst, sich bei kleineren Turnieren innerhalb Europas auf internationaler Ebene weiter zu beweisen. Und in absehbarer Zeit dann eine Teilnahme an der Europameisterschaft? „Das ist auf jeden Fall ein Ziel“, sagt Engels.