Martina Kaiser lädt am Wochenende in ihr Atelier ein. Foto:  

Das Atelier von Martina Kaiser ist mehr als ein Farbtupfer im Heslacher Wohngebiet: Hier begegnen sich Wanderer, Nachbarn und Hobbykünstler. Am Wochenende ist Tag des offenen Ateliers.

S-Süd - Wer die Baumreute oberhalb des Südheimer Platzes hinaufschlendert, wird an einer Wegbiegung mit hoher Wahrscheinlichkeit verharren: Im Schaufenster von Haus Nummer 79 eröffnen sich zwischen grünenden Gärten und gepflegten Fassaden künstlerische Perspektiven. „Früher war hier ein Tante-Emma-Laden“, erzählt Martina Kaiser. Seit 2011 dient der Raum der 57-Jährigen als Atelier für ihre eigenen, vorwiegend malerischen Arbeiten und als Veranstaltungsort für Kurse, in denen sie unterschiedlichsten Menschen ermöglicht, ihre Kreativität zu entdecken oder auszuleben.

„Es geht weniger darum, akademisch zu lehren, wie man richtig malt“, stellt Kaiser, die an der Merz-Akademie Stuttgart Grafikdesign studiert hat, klar. „Ich vermittle Techniken, aber nur als Halt, der es ermöglicht, loszulassen und frei zu gestalten.“

Immer wieder schauen Wanderer rein

Auch in ihrem eigenen Werk folgt die im Westen wohnhafte Künstlerin gern ihrer Intuition – gegenstandslos und auf den Farbklang, aber auch auf Formen bedacht, in die der Betrachter Unterschiedliches hineininterpretieren kann. „Ich mag den Freiraum, den dieser Ansatz bietet“, so umreißt Kaiser ihr gestalterisches Credo. „Ich male auch Landschaften. Die müssen aber ebenfalls eine gewisse Offenheit haben.“ Die Ergebnisse treffen offenkundig auf Gegenliebe. Immer wieder schauen Wanderer, die den am Atelier vorüber führenden Blau­strümpfler-Rundweg abschreiten, spontan bei Kaiser vorbei. Einige haben auch schon Bilder gekauft. „Wenn bei mir die Tür offen ist, darf jeder gerne hereinkommen“, versichert die Künstlerin, die sich seit 1996 auf ihr eigenes Schaffen konzentriert, ergänzt um das Kursangebot. 2002 erweiterte sie das Spektrum durch eine Maltherapie-Ausbildung. „Das war nicht nur eine rationale Entscheidung, um mehr Angebote machen zu können“, erklärt Martina Kaiser. „Ich finde es ungeheuer spannend, was Kunst in einem Menschen bewegen kann. Auch im therapeutischen Sinne.“

In Krankenhäusern hat die Malerin, die auch gerne mit anderen Ausdrucksformen spielt, inzwischen ebenso gearbeitet, wie in Firmen, wo Kunst als teambildende Maßnahme geschätzt wurde. Für viele Teilnehmer sei das Malen vor allem Entspannung: „Oft wollen die Leute einfach ihren Alltagsstress vergessen.“ In der Mehrzahl seien es Frauen, die sich auf diesem Wege einen Ausgleich suchten. Warum das so ist, weiß die erfahrene Kursleiterin selbst nicht so recht: „Vielleicht finden Frauen leichter Zugang zu einer intuitiven Malweise?“ Einige Kursbesucher haben seit ihrer Schulzeit nicht mehr gemalt. Die Erfahrung, dass die eigenen Ideen und ihre Umsetzung am Ende bewertet werden, raubt vielfach die Lust am kreativen Ausdruck.

Fast ein bisschen ländlich

„Hier gerät das meist schnell in Vergessenheit“, gibt Martina Kaiser zu verstehen. Auch Nachbarn seien schon bei den Kursen aufgetaucht. „Es ist hier fast ein bisschen ländlich. Ich habe dieses Atelier nun seit fast sieben Jahren und die Anwohner kennen mich. Oft kommt jemand vorbei, wenn ich hier bin, um ein Schwätzchen zu halten. Ich habe den Eindruck, es wird als bereichernd wahrgenommen, was ich tue.“

Martina Kaiser genießt andererseits die Ruhe, abseits des städtischen Trubels: „Am Wochenende fährt hier kaum ein Auto“, schwärmt sie. „Wenn ich noch mehr für mich sein will, kann ich die Jalousien schließen.“ Das kommt allerdings eher selten vor. Die Künstlerin schätzt den Austausch mit anderen Menschen. Am kommenden Samstag und Sonntag bietet sich zwischen 14 und 18 Uhr Gelegenheit dazu: im Rahmen eines offenen Ateliers.

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