Koko Uozumi (links) und Hiroshi Kozaki stellen im kleinen Echterdinger Atelier von „Kanta Japan Keramik“ traditionelles japanisches Steingut her. Foto: Caroline Holowiecki

Ein Tipp für Fans japanischer Keramik: In einem Echterdinger Atelier stellen Kunstschaffende aus Japan traditionelles Steinzeug von Hand her.

Hiroshi Kozakis Kisten sind gepackt. In den Transportboxen hat er eine Auswahl an Geschirr zusammengestellt. Weiße Teller sind drin und Schalen in einem zarten Türkis-Ton, runde und eckige Servierplatten und vieles mehr. Für den im Ländle lebenden Japaner geht es mit den Kisten nach München. Er hat einen Termin in einem Gourmet-Tempel in der bayerischen Landeshauptstadt. „Ein Drei-Sterne-Restaurant“, sagt Hiroshi Kozaki. Das Lokal wünscht sich eine neue Keramikkollektion, um sein neues Menü gebührend präsentieren zu können.

 

Die Kunst des Töpfers – hochwertige Keramik von Hand

Es ist nicht die erste feine Adresse, die beim 74-jährigen Keramiker bestellt. Die spülmaschinenfesten Produkte von „Kanta Japan Keramik“ aus Echterdingen stehen bei etlichen Restaurants in den Regalen, ob in Stuttgart, Düsseldorf oder Frankfurt. „Wir arbeiten meistens mit Michelin-Sterne-Restaurants“, sagt Hiroshi Kozaki. Er überlegt kurz und lacht dann laut auf. „Im Moment nur.“

Im Jahr 2000 hat er in Weilheim an der Teck angefangen, seit 2009 produziert er in einer Werkstatt in einem unscheinbaren Haus an der Echterdinger Hauptstraße seine hochwertige Keramik von Hand. Seit 2011 ist auch seine Geschäftspartnerin Koko Uozumi im Boot. Sie studierte einst an der Staatlichen Kunstakademie Tokio und arbeitete dort später als Dozentin für Angewandte Kunst. Er absolvierte seinerzeit sein Architekturstudium an derselben Hochschule. „Wir sind Schulkameraden“, sagt er. Durch Jobs für Restaurants fanden beide später in Deutschland wieder zusammen. Er war fürs Interieur zuständig, sie lieferte Deko und Geschirr. Und führte ihren alten Freund Hiroshi Kozaki tiefer in die Kunst des Töpferns ein.

Heute stellt das Duo in Echterdingen original japanisches Steinzeug her: schlichte Tassen, traditionell ohne Henkel, große und kleine Schalen, Teller und anderes Geschirr sowie Deko. Vieles eignet sich beispielsweise für Matcha-Liebhaber oder Ramen-Fans. „Seit Corona ist da viel Interesse“, sagt Hiroshi Kozaki. „Ich glaube, viele Deutsche mögen Tee“, fügt Koko Uozumi hinzu. Das Besondere an der japanischen Keramik: Laut Koko Uozumi ist der verwendete Ton einer, der extra heiß gebrannt werden kann. Auch die Glasuren sind demnach speziell. „Wir mischen alles selbst“, betont Hiroshi Kozaki. Vor Ort würden die Texturen gemixt und auch Stoffe wie Eisen, Kupfer, Kobalt oder auch farbiges Glas gemahlen, um sie dann weiterzuverarbeiten.

Das Echterdinger Atelier hat keine regulären Öffnungszeiten

Das Atelier hat keine regulären Öffnungszeiten. Interessenten können sich über die Homepage per Mail oder Telefon melden und einen Termin vereinbaren. Waren werden auch auf Wunsch hergestellt. „Die Leute wollen eigene Farben aussuchen“, erklärt Hiroshi Kozaki. Außerdem richten die beiden Kunstschaffenden Keramikkurse für Kleingruppen aus.

Etwa einmal im Monat jedoch wird die Werkstatt an Wochenenden für jedermann geöffnet, bei der Gelegenheit werden auch japanische Kuchen serviert. Die Termine werden auf der Instagram-Seite von „Kanta Japan Keramik“ vermeldet. Zudem weist Hiroshi Kozaki als Präsident des Japan-Clubs Stuttgart auf den Japan-Tag im Stuttgarter Lindenmuseums hin. Am 14. Juni kann man dort bei einem umfangreichen Programm mit Workshops, Präsentationen und Bewirtung mehr über die japanische Kultur erfahren.