In der Schleyerhalle stehen die Flüchtlinge Schlange – einige von ihnen fordern jetzt ein schnelleres Asylverfahren Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Unter den 497 Flüchtlingen, die vorübergehend in Teilen der Schleyerhalle untergebracht sind, regt sich Unmut. Sie fordern ein schnelleres Asylverfahren. OB Fritz Kuhn will sich derweil am Donnerstag zur Flüchtlingssituation in der Stadt äußern.

Stuttgart - Im Notquartier in den Nebensälen der Schleyerhalle gibt es Flüchtlingsproteste. Einige der 497 Menschen, die das Land dort bis längstens 27. August untergebracht hat, machen mit selbstgemalten Plakaten auf ihre Situation aufmerksam und fordern eine Reaktion des Landes. „Es handelt sich um Syrer, die sich ein schnelleres Asylverfahren wünschen“, sagt Sabine Beck vom Regierungspräsidium Stuttgart.

In der Schleyerhalle werden die Flüchtlinge nur untergebracht, bis in einer regulären Erstaufnahmestelle wieder Platz ist. Die Leute werden dort nicht registriert, dementsprechend geht es im Verfahren nicht voran – und es gibt neben der Versorgung kein Geld. „Die Alternative wäre eine Übernachtung im Freien gewesen, weil die Erstaufnahmestellen überfüllt sind“, sagt Sabine Beck. Man befinde sich im Gespräch mit den Betroffenen, die Proteste seien absolut friedlich. Das gilt jedoch nicht für eine Schlägerei in der Nacht auf Mittwoch. Dabei nahm die Polizei vorübergehend drei Personen fest.

Auch Ärzte aus dem Stuttgarter Klinikum im Einsatz

Verbessert hat sich derweil die medizinische Versorgung in der Schleyerhalle. Neben den Johannitern und dem Deutschen Roten Kreuz sind seit Dienstag bei Bedarf auch Ärzte aus dem Stuttgarter Klinikum im Einsatz. Mediziner der Interdisziplinären Notaufnahme am Katharinenhospital kümmern sich um die akute Versorgung der Flüchtlinge und organisieren, falls erforderlich, die weitere Behandlung durch niedergelassene Ärzte oder Krankenhäuser.

Derweil sieht sich die Stadtverwaltung veranlasst, sich angesichts in die Höhe schießender Prognosen für den Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland zur Lage zu äußern. Denn auch in Stuttgart wird es immer schwerer, Unterkünfte zu finden. Zum Teil gehen inzwischen die Bürger auf die Barrikaden, zuletzt ist bekannt geworden, dass das geräumte Bürgerhospital zumindest auf Zeit zur größten Unterkunft der Stadt mit über 800 Asylbewerbern werden könnte. Nach wie vor sucht zudem das Land eine Erstaufnahmestelle in Stuttgart. Wie soll das nur alles weitergehen, fragen sich inzwischen viele Stuttgarter.

Die Stadtspitze will darauf Antworten geben. An diesem Donnerstag wollen OB Fritz Kuhn, der Erste Bürgermeister Michael Föll und Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer auf einer Pressekonferenz über die Unterbringung von Flüchtlingen in der Landeshauptstadt sprechen. Zuletzt hätten sich sehr viele Fragen ergeben, auf die man eingehen wolle, sagt ein Sprecher der Stadt. Stuttgart erwartet bisher bis Ende nächsten Jahres 8000 Asylbewerber – die Zahl könnte gemäß der neuen Berechnungen aber deutlich steigen.

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