Trainer Sedat Sevsay arbeitet nicht nur hart mit seinen Schützlingen, sondern auch hart dafür, dass der ASV Schorndorf in der ersten Bundesliga bestehen kann. Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf ist als Ringerhochburg bekannt. Im 111. Jahr des Bestehens steigt die erste Mannschaft des ASV wieder in die erste Bundesliga auf. Der Vorstand setzt auf die Förderung der eigenen Talente, damit der Erfolg andauert. Aushängeschild ist Jello Krahmer.

Schorndorf - Dieses Jahr feiern die Schorndorfer Ringer ihr 111-jähriges Bestehen. Und wie vom Vereinschronisten bestellt, reiht sich in dem Jahr mit der hübschen Schnapszahl ein Grund zum Feiern an den anderen: Dem Traditionsverein ist der Aufstieg in die erste Bundesliga gelungen – dort vertritt er als einziger Verein die gesamte Region Stuttgart. Der 14-jährige Daniel Peil hat den Titel des Deutschen Jugendmeisters errungen, der 23-jährige Jello Krahmer holte jüngst bei den Deutschen Meisterschaften der Männer Silber.

Schon zweimal war der ASV in der ersten Bundesliga

Es läuft gerade in der Ringerhochburg. „Ich bin wirklich stolz, dass wir uns selbst aus dem Schlamassel gekämpft haben“, sagt mit Sedat Sevsay einer, der auch die weniger schönen Zeiten mit sportlichen Misserfolgen und großen finanziellen Problemen miterlebt hat. Knapp 20 Jahre ist es her, dass der ASV das letzte Mal in der Bundesliga war. Sevsay war damals aktiver Ringer und einer derjenigen, die geblieben sind, als der Tiefpunkt erreicht war. „Im Jahr 2011 waren wir in der zweituntersten Liga, die Vorstände haben das Handtuch geworfen“, berichtet der mittlerweile 46-Jährige. Dass der ASV Schorndorf nun wieder vorne mit dabei ist, das hat aus seiner Sicht mehrere Gründe.

Einer ist Jello Krahmer und das, wofür der international erfolgreiche Schwergewichtler steht. „Der ASV war immer ein guter Talentsichter, aber wir haben es nicht geschafft, ein Eigengewächs so auszubilden, dass es auch im Männerbereich mithalten kann.“ In der ersten Mannschaft, die am 28. September in der Bundesliga starten wird, sind nun gleich zwei Schorndorfer Aushängeschilder dabei. Um die eigenen Talente fit zu machen, gibt es beim ASV seit einigen Jahren eine zweite Männermannschaft. „Denn der Sprung von den Schülern gleich in die erste Männermannschaft ist kaum zu schaffen“, sagt Sedat Sevsay. Zudem unterhält der ASV rund zehn Kooperationen mit Schorndorfer Schulen und Kindergärten, mittlerweile gibt es auch ein Vereinstraining für die Vier- bis Fünfjährigen – so sollen Talente frühzeitig entdeckt werden.

Jello Krahmer als Aushängeschild und Identifikationsfigur

Dass Schorndorfer auf nationaler Ebene vorne mit dabei sind, hilft auch dabei, Kontakt zu anderen Nachwuchstalenten zu knüpfen. Für die erste Mannschaft konnten mit Ertugrul Agca und Idris Ibaev zwei vielversprechende junge Ringer aus dem Ruhrgebiet gewonnen werden. „Dazu sind eigene Aushängeschilder für die Identifikation wichtig“, sagt Sedat Sevsay. Und für das Marketing, das nun immer wichtiger ist. Der ASV kann dabei auf seinen Namen als Traditionsverein aufbauen – und möchte gleichzeitig neue Wege gehen. Als Spartaner sollen die Remstal-Ringer in der ersten Bundesliga antreten – das nimmt Bezug auf die Zeiten als der Verein Spartania Schorndorf hieß, „und hört sich cool an“, meint Sedat Sevsay, der sich neben seinem Vollzeitjob als IT-Projektmanager bei Daimler mächtig ins Zeug legt, dass der Verein gut vorbereitet in das Abenteuer Bundesliga steigt. „Ich brenne fürs Ringen, komme aus einer Ringerfamilie“, erklärt er.

Hauptsponsor Bauknecht ist weggebrochen, das finanzielle Risiko vorhanden

Denn eines ist klar: Ein Risiko ist der Aufstieg in die erste Liga trotzdem. Lizenzgebühren, Aufwandsentschädigungen, Fahrtkosten – da kommt einiges zusammen. Sedat Sevsay rechnet damit, dass in der ersten Bundesliga ein doppelt so hoher Etat nötig sein wird. Hinzukommt, dass der langjährige Hauptsponsor und Namensgeber Bauknecht den Verein mit seinen 350 Mitgliedern nach mehr als 50 Jahren nicht mehr unterstützt. „Das hat uns schon hart getroffen“, sagt Sedat Sevsay. Umso dankbarer ist er dem Gemeinderat Schorndorf, der einem Zuschuss von 20 000 Euro zugestimmt hat. „Ich glaube, dass wir mittlerweile so professionell aufgestellt sind, dass wir das hinbekommen“, gibt sich Sevsay optimistisch. Und auch in sportlicher Hinsicht ist er davon überzeugt, dass der ASV sich in der ersten Bundesliga halten kann. „Jetzt hoffe ich nur, dass alle verletzungsfrei bleiben.“

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