Karte, Karte auf dem Tisch, sag mir, wo die Wahrheit sticht: Komplex und spannend, aber auch wahrheitsgetreu? Tarot-Karten-Set. Foto: dpa

Auch 2016 haben Hellseher, Wahrsager und Astrologen keine nennenswerten Treffer landen können: Weder fielen in eine südamerikanische Stadt mutierte Riesenameisen ein, noch bewahrheiteten sich Spekulationen über einen Rücktritt von Kanzlerin Angela Merkel.

Roßdorf/Stuttgart - Viele wollen wissen, was die Zukunft bringt. Hellseher, Astrologen und Wahrsager bedienen dieses Bedürfnis – meist gegen Bares. Von deren Prognosen sei aber 2016 praktisch nichts eingetreten, meint die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), die ihren Sitz in der hessischen Gemeinde Roßdorf bei Darmstadt hat. Die GWUP setzt sich jedes Jahr kritisch mit Wahrsagern auseinander und hat jetzt ihre diesjährige Bilanz vorgelegt. Beim Astrologen-Verband stößt das auf massive Kritik.

2016: Invasion der Riesenameisen, Merlel-Rücktritt – falsch

Weder fielen keine mutierten Riesenameisen in eine südamerikanische Stadt ein, noch bewahrheiteten sich Spekulationen über einen Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Folge der Flüchtlingskrise. An anderer Stelle sei angedeutet worden, sie werde auf eine weitere Kanzlerkandidatur verzichten.

Den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit vielen Jahren solche Voraussagen für den Roßdorfer Verein sammelt und auswertet, wundert das nicht: „Viele Prognosen schreiben einfach das aktuelle Geschehen weiter fort und überhöhen es in eine negative, oft auch Angst machende Richtung.“

2016: Flüchtlingswellen, Wahlverlierer Trump – falsch

Gerade das Thema Flüchtlinge sei „verhältnismäßig häufig vorgekommen“, sagt der Mathematiker Michael Kunkel von der GWUP. „Das Thema wurde aufgebauscht, sogar bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Deutschen.“

An den Wahrsagern völlig vorbeigegangen sei der Erfolg von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl. „Den hatte niemand auf der Rechnung, den ich untersucht habe“, sagt Kunkel. „Man hat es einfach nicht für möglich gehalten.“

2016: Weltuntergang, Säureattacke auf Deutschland – falsch

Auch ausgesprochen düstere Prognose habe es gegeben, so Kunkel. In Deutschland habe eine Astrologin vorausgesagt, das Land werde von Säure zersetzt.

Selbstverständlich durften auch Weltuntergänge im zu Ende gehenden Jahr nicht fehlen. So habe eine obskure christliche Sekte aus den USA mittels eines YouTube-Videos den Crash für den 29. Juli und nochmals – mit demselben Video – für den 31. Oktober vorausgesagt.

2016: Asteroid-Angriff, Krieg zwischen China und Japan – falsch

Aus Indien sei das Weltende aufgrund des Maya-Kalenders auf den 3. oder 4. Juni terminiert worden. Der aus Peru stammende Prediger Ricardo Salazar habe gar ein vollständiges Endzeit-Szenario entworfen. Aber der prognostizierte Angriff von China auf Japan sei ebenso ausgeblieben wie der Asteroid, der Mitte Mai vor Puerto Rico einschlagen und riesige Vulkanausbrüche in den USA auslösen sollte.

2016: DFB-Elf bei der EM – jein

Falsch lagen den Angaben zufolge auch die meisten Orakeltiere, die zur Fußball-EM in Frankreich ihre Prognosen zu den Spielen der deutschen Mannschaft abgaben. Keines habe dem legendären Orakel-Kraken „Paul“ das Wasser reichen können, der bei der WM 2010 bei allen acht Spielen der DFB-Elf den richtigen Sieger voraussagte.

Richtig lag lediglich der Ingolstädter Astrologe Konrad Gruber: Er sah voraus, dass Deutschland im Halbfinale der EM scheitert. Nicht Recht behielt er indes mit dem prognostizierten Rücktritt von Jogi Löw.

2016: „Brangelina“ trennen sich – richtig

Einen Treffer verbuchte auch Nikki Pezaro bei einer ihrer Promiprognosen, denn die Trennung von Angelina Jolie und Brad Pitt machte 2016 tatsächlich Schlagzeilen. Da sie dies schon in den vorherigen Jahren falsch vorausgesagt hatte, sei der Treffer dennoch wenig beeindruckend.

Analysiert wurden von der GWUP diesmal etwa 60 namentlich bekannte Wahrsager und Astrologen. Die Aussagen stammten in den meisten Fällen aus dem Internet. Die GWUP legt seit den 1990er Jahren eine solche Analyse vor und setzt sich nach eigenen Angaben für Aufklärung und kritisches Denken ein.

2017: Donald Trump wird eine wichtige Rolle spielen – richtig

Schon jetzt lässt sich nach Ansicht Kunkels absehen, dass nächstes Jahr Trump als US-Präsident für Astrologen und Hellseher eine große Rolle spielen wird. „Er ist in den Prognosen ein Thema – und es sind keine positiven Aussagen.“

Astrologen-Verband: „Die Auswahl der GWUP ist selektiv“

Der Deutsche Astrologen-Verband wirft dem Verein Einseitigkeit schon bei der Auswahl der Aussagen vor. „Der GWUP fällt es nicht schwer, Prognosen zu finden, die meterweit daneben liegen“, sagt der Vorsitzende Klemens Ludwig. Bei einer Tagung seines Verbandes im April hätten sich drei Teilnehmer zur US-Wahl gemeldet – und zwei davon eher auf Trump gesetzt. „Die Auswahl der GWUP ist selektiv, so dass das gewünschte Ergebnis dabei herauskommt.“

Psychologen-Verband: „Es gibt ein Orientierungsbedürfnis des Menschen“

Dass viele Menschen in die Zukunft blicken möchten, ist für den Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen nachvollziehbar. „Es gibt ein Orientierungsbedürfnis des Menschen“, erklärt der Referatsleiter Fach- und Bildungspolitik, Fredi Lang. „Er will sein eigenes Schicksal irgendwie kalkulieren können.“ Die Aussagen von Astrologen seien aber mit Vorsicht zu genießen.

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