Aus der Hand liest Manfred Magg in Corona-Zeiten eigentlich durch Plexiglas. Für das Foto hat er darauf verzichtet. Foto: Roberto Bulgrin

Der Astrologe und Handleser Manfred Magg aus Aichwald hat ein Buch aus dem 16. Jahrhundert in modernes Deutsch übertragen. Unsere Zeitung hat ihn in seiner Praxis besucht.

Aichwald - „Der Mond hat eigentlich nichts im Steinbock zu suchen“, sagt Manfred Magg und deutet auf zwei Symbole auf der astrologischen Grafik, die vor ihm auf der roten Schreibtischunterlage liegt. Darauf sieht der Laie vier konzentrische Kreise, von denen der äußerste in mehrere Segmente unterteilt ist. Farbige Linien und Symbole sind auf dem Papier eingezeichnet. Das Zeichen für den Mond ist dabei mit einer feinen Linie mit dem Symbol für das Sternzeichen Steinbock verbunden.

 

Manfred Magg ist ein Astrologe aus Aichwald und sieht in der von ihm angefertigten Grafik die Position von Sternen und Planeten zum Zeitpunkt der Geburt. Mit einigen Angaben – Geburtsdatum, -uhrzeit und -ort sowie dem Aufenthaltsort am letzten Geburtstag – berechnet Magg, welcher Himmelskörper zu diesem Zeitpunkt wo am Firmament zu sehen war, und – so sind Astrologen wie er überzeugt – was für Auswirkungen das auf einen Menschen hat. Der Anschaulichkeit halber hat er ein solches Geburtshoroskop für die Reporterin angefertigt. Auch aus den Händen liest er ihr. Sie ist überrascht, dass einige der Vermutungen des 70-Jährigen ins Schwarze treffen.

Astrologie-Ausbildung geheim gehalten

Aber kann man eigentlich an die Astrologie glauben, wenn man, wie Magg, Ingenieurwesen studiert hat? „Ich war anfangs auch recht skeptisch“, gesteht Magg, der in Aichwald Beratungen in Astrologie und Handlesen anbietet. „Astrologie lässt sich nicht befriedigend beweisen. Man kann also sagen, es ist eine Glaubensfrage, aber es gibt auch eine gewisse Empirik.“ Zur Astrologie ist der Aichwalder über das Handlesen gekommen. In seiner Zeit als Lehrer an einer Waldorfschule habe er viele Linkshänder unterrichtet. „Damit kannte sich damals – Anfang der 1980er-Jahre – keiner wirklich aus und ich habe angefangen, die Hände selbst zu untersuchen.“ Die Linien hätten ihn fasziniert. „Ich habe aber gemerkt, dass ich darüber nicht nur aus Büchern lernen konnte“, sagt er.

Dass er daraufhin bei einer Lehrerin das Handlesen erlernte, hielt der heute 70-Jährige lange geheim. Eine weitere Lehrerin habe ihn schließlich darauf gestoßen, das Handlesen mit der Astrologie zu verbinden. „Ich habe mir dann gedacht, wenn ich mich schon damit beschäftige, dann so qualifiziert wie möglich. Daraufhin habe ich eine dreijährige Ausbildung beim Deutschen Astrologen-Verband gemacht“, sagt Magg. Bei einem der Volkshochschulkurse im Handlesen, die er über die Jahre hinweg gab, hätten ihn mehrere Teilnehmer gefragt, ob er auch praktiziere. 1995 schließlich eröffnete Magg seine Beratungspraxis im Aichwalder Ortsteil Aichelberg.

Einblick in klassische Astrologie

Dass schon vor Jahrhunderten Handlesen und Astrologie miteinander verbunden wurden, hat Magg in einem Buch aus dem 16. Jahrhundert entdeckt, auf das er in einem Archiv gestoßen war. Magg habe das in Fraktur geschriebene Buch von Johannes Rothmann – einem Mediziner und Mathematiker – studiert und entschieden, dass er das darin enthaltene Wissen nicht verloren gehen lassen möchte. „Ich habe das teilweise sehr umständlich formulierte Buch in modernes Deutsch übertragen und es durch die astrologischen Grundlagen ergänzt, die man zum Verständnis braucht“, sagt Magg. Auch einen biografischen Abriss Rothmanns sowie eine eigene Einordnung der Methoden habe er verfasst.

Ein Grundlagenbuch, aus dem man das Handlesen oder die Astrologie erlernen könne, sei das Buch allerdings nicht. Stattdessen werden dort 19 Zeichnungen von Händen mithilfe der Linien und der Astrologie interpretiert. „Ich habe eineinhalb Jahre gebraucht, um mich in die klassische Astrologie, die in dieser Zeit betrieben wurde, einzuarbeiten“, berichtet er. „Ich habe die ganzen astrologischen Konstellationen nachgerechnet.“ Einige Methoden darin würden auch heutzutage nicht mehr angewandt. „Damals hat man noch richtige Ereignisprognosen gemacht, zum Beispiel, dass jemand mit 40 Jahren schwer erkrankt oder stirbt. Wir machen heute eher thematische Prognosen, zum Beispiel, dass es in der Regel mit 40 Jahren einen gewissen Veränderungsdruck gibt.“

Prognose: Neustart im Frühjahr

Magg ist überzeugt, dass es Konstellationen gibt, die sich gesellschaftlich auswirken. Er wählt das Beispiel der Corona-Krise. „Man kann astrologisch sagen, im Frühjahr ist ein Umbau abgeschlossen, dann gibt es einen Neustart“, prognostiziert der Astrologe.

Manfred Magg: Traditionelles Handlesen. Tübingen, 2020. 159 Seiten, 22 Euro.