Sebastian Vettel (re.) und Teamkollege Lance Stroll ziehen die riesigen Union Jack vom neuen Formel-1-Boliden Aston Martin AM R21 Foto: dpa/Aston Martin

Sebastian Vettel freut sich bei der Präsentation seines neuen Formel-1-Autos von Aston Martin auf die Herausforderung – vieles erinnert an seinen Dienstantritt bei Ferrari, aber nicht alles.

Stuttgart - „Es ist ein neues Kapitel für mich“, sagte Sebastian Vettel, „ein Neustart. Ich freue mich auf die kommende Zeit und ich werde mein Bestes geben – wenngleich wir nicht davon ausgehen dürfen, dass wir gleich um Siege fahren.“ Das waren die ersten offiziellen Worte des viermaligen Weltmeisters zum Einstand bei Formel-1-Team Aston Martin. Kurz zuvor hatte der 33 Jahre alte Heppenheimer mit Teamkollege Lance Stroll den riesigen britischen Union Jack von seinem Dienstwagen AM R21 gezogen. Die Präsentation des Autos war eingebettet in eine kleine Show, in der Football-Star und Superbowl-Champion Tom Brady sowie James-Bond-Darsteller Daniel Craig einige warme Sätze ans Team schickten – und sie war ganz im Geist dieser Tage eine rein virtuelle Angelegenheit. „Das Auto ist bis jetzt das schönste, es sieht auf jeden Fall sehr gut aus“, schwärmte Sebastian Vettel.

Es hätte fast ein Déjà-vu sein können, wäre der Hesse nicht in einem grünen Overall auf dem Hocker neben dem AM R21 gesessen, der neuen Teamfarbe des Rennstalles; das typische dunkle britische Grün, das einst Jaguar in der Formel 1 unverkennbar machte. Denn vor sechs Jahren hatte der Rennfahrer Ende Januar 2015 ähnliche Sätze von sich gegeben, als er als Neuzugang bei Ferrari vorgestellt worden war – ebenfalls in einer virtuellen Präsentation, was für die Scuderia aus Maranello, die sonst große Inszenierungen liebte, ein Novum darstellte. „Ich habe die Farben gewechselt“, sagte Vettel, der von Red Bull (Blau) gekommen war, „nun werde ich einige neue Erfahrungen machen. Aber das Auto sieht schon einmal sehr schön aus.“ Sebastian Vettel hat wieder die Farben gewechselt: Grün statt Rot.

Vettel soll Aston Martin siegfähig machen

Vettel 3.0. Nach sechs Jahren Red Bull (2009 bis 2014) und sechs Jahren Ferrari (2015 bis 2020) will der Routinier bei Aston Martin beweisen, dass noch immer Feuer in ihm brennt, dass er noch immer ein Team vorwärts bringen kann, dass noch immer Weltmeister-Blut in ihm fließt. Diese Attribute haben ihm die allermeisten Ferraristi und auch einige Experten in der vergangenen, sehr enttäuschenden Saison abgesprochen, in der Vettel in der WM auf Platz 13 eingeparkt hat. Als er von Red Bull zur Scuderia gekommen war, sahen viele in ihm einen Heilsbringer, weil sein Vorgänger Fernando Alonso das Ferrari-Pferdchen zwar zum Traben, aber nicht zum Galoppieren gebracht hatte. Nun ist Sebastian Vettel bei Neueinsteiger Aston Martin, der aus Racing Point hervorgegangen ist, in einer ähnlichen Position wie 2015. „Ich freue mich auf dieses neue Projekt“, sagte der Ex-Weltmeister, „hier hat es viele talentierte Leute und es herrscht ein großartiger Geist. Wenn wir unsere Leidenschaft teilen, werden gute Dinge daraus hervorgehen.“ Vor sechs Jahren klang seine Rede so: „Das ist eine sehr große Herausforderung, aber auch etwas sehr Schönes. Unser großes Ziel ist es, Schritt für Schritt nach vorn zu kommen, um hoffentlich bald ganz vorne mitzumischen.“

Budgetlimit kommt Aston Martin entgegen

Ferrari war vor Vettels Einstieg in der Saison 2014 enttäuschter Vierter der Konstrukteurs-WM, Racing Point belegte 2020 ebenfalls Rang vier und jubelte. So gesehen, wartet auf den Deutschen eine vergleichbare Aufgabe, weil die Rennställe aufgrund des Budgetlimits von rund 120 Millionen Euro ähnlichen finanziellen Spielraum haben. „Die Favoritenrolle ist klar bei Mercedes, erster Herausforderer ist Red Bull. Dahinter ist es sehr eng – da erwarte ich, dass wir nah dran sind“, sagte der 33-Jährige, „es wird aber nicht einfach, an die Spitze zu kommen, das passiert nicht von heute auf morgen.“ Einen Dreijahresvertrag hat Vettel unterschrieben, solange wird Aston Martin laut Teamchef Otmar Szafnauer mindestens benötigen, um „ein WM-Kandidat zu sein“.

Es dürfte etwas Zeit benötigen, bis sich der 53-malige Grand-Prix-Sieger ins neue Team hineingedacht und die Arbeitsabläufe aufgesaugt hat – das ist normal, wechselt man den Arbeitgeber. Aber völlig anders wird bei Aston Martin auch nicht gearbeitet, Formel 1 bleibt Formel 1. „Ich freue mich auf die erste Ausfahrt im neuen Auto“, sagte Vettel und: „Ich bin gespannt wie sich das Auto beim Fahren anfühlt.“ Den ersten Satz sagte er 2015 bei Ferrari, den zweiten 2021 bei Aston Martin. Also doch ein Déjà-vu.

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