So kann es gehen: Albert Uderzo wird von seiner Schöpfung Obelix um einiges überragt. Foto: dpa

Seit 1959 kämpfen der kleine Krieger Asterix, der dicke Obelix und die anderen Gallier gegen die Römer. Der Zeichner Albert Uderzo wird am 25. April neunzig Jahre alt: Zeit, ihm ein paar schwache Alben zu vergeben.

Stuttgart - Die Franzosen und Belgier standen in den fünfziger Jahren vor einer enormen familienpolitischen Herausforderung: Sie konnten gar nicht so viele Kinder zeugen, wie es brauchte, um all die guten neuen Comics wegzulesen, die in der sogenannten frankobelgischen Schule entstanden. Die Szene brodelte vor Talenten, die eher magere Bezahlung wurde von den jungen Selbstausbeutern durch enorme Produktivität wenigstens teilweise ausgeglichen, und statt Einzelkämpfertum war Teamarbeit gefragt. Ein Duo überflügelte bald alle an Popularität – das von René Goscinny und Albert Uderzo. Mit ihrer Serie um den gallischen Krieger Asterix schufen sie ab 1959 einen der größten Hits und Langzeiterfolge des europäischen Comics.

Dass das kleine Dorf unbeugsamer Sturköpfe, die sich der Eroberung von „ganz Gallien“ durch Julius Caesars Truppen widersetzen, in der Bretagne liegt, hat der am 25. April 1927 in Fismes bei Reims geborene Zeichner Uderzo entschieden. Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, dass Uderzo eben nicht nur zeichnerisch umsetzte, was der begnadete Erzähler Goscinny sich ausdachte, sondern stets im Hin und Her der Ideen inhaltlichen Einfluss nahm. Er hat es oft betont, man darf es ihm auch glauben. Aber dass Uderzo darauf hinweisen musste, liegt an der wachsenden Enttäuschung nicht weniger Fans über jene Alben, die Uderzo nach Goscinnys frühem Tod 1977 allein verantwortete. Oh je, hieß es ab „Der große Graben“(1980) mit jedem Album, nun zeige sich, dass Uderzo zwar ein begnadeter Zeichner sei, aber nur ein sehr geringes Talent als Geschichtenerzähler besitze.

Abwärts im Alleingang

Keine Frage, die Asterix-Abenteuer blieben zwar Verkaufserfolge, vor allem auch in Deutschland, wo sie manchmal das einzige Bindeglied zwischen dem Lateinunterricht an Gymnasien und der modernen Welt waren. Aber sie wurden tatsächlich inhaltlich immer enttäuschender. Die neuen Hefte standen neben den alten wie Methusalix neben Obelix – sie hätten dringend einen Schluck Zaubertrank gebraucht.

Man konnte froh sei, dass Uderzo im Alleingang nur alle drei Jahre ein Album vorlegte, und nicht mehr zwei pro Jahr, wie einst im Duo mit Goscinny. Aber zu seinem 90. Geburtstag, und nachdem er seit 2011 erst schrittweise, dann ganz die Kontrolle über Asterix abgab, worauf die Serie mit dem Autor Jean-Yves Ferri Zeichen der Erholung zeigt, wäre eine gute Gelegenheit für Altfans und Uderzo, Frieden zu schließen. Schaut man in die klassischen Bände, auf die schwungvollen Figurenentwürfe wie auf die skurrilen Details dieser mit Geschichte und Gegenwart spielenden Bilder, wird wieder klar: Uderzo ist ein Meister des beglückenden Zeichnens.

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