Kommerz und Korruption überschatten auch das sportliche Großereignis im 37. „Asterix“-Abenteuer: ein n Wagenrennen durchs antike Italien Foto: Asterix® – Obelix® – Idefix ®/© 2017 Les Éditions Albert René

Der an diesem Donnerstag erscheinende neue Band „Asterix in Italien“ erzählt von einem Wettrennen gegen Cäsar, Olivenölglätte und Wildschweinmangel – und ist eine Liebeserklärung an den so herrlich irrationalen Hinkelsteinhauer Obelix.

Paris - Beim Teutates! Das zumindest ist verbürgt: Alle Wege führen nach Rom bei diesem Wahnsinnsrennen quer durchs antike ­Italien. Auch die schauderhaftesten Schlaglochholperpisten, auf denen die Gallier Obelix und Asterix in ihrem neuesten Abenteuer dahinrumpeln. Auch die Sackgassen. Jawohl, Obelix und Asterix. Nicht andersherum, auch wenn der Titel des neuen, an diesem Donnerstag in 25 Ländern erschein­enden Heftes „Asterix in Italien“ dies nahelegt.

Der Hinkelsteinhauer nimmt diesmal nämlich die Dinge in die Hand. Obelix hält hoch auf dem gallischen Wagen die Zügel, steuert das Pferdegespann bei der von Cäsar veranstalteten Tour d’Italie – klapper, schepper, wieher, kreisch – von Monza über Siena und Rom nach Neapel. Was nicht heißt, dass Asterix im Schatten des beleibten Gefährten stünde. Als Co-Pilot denkt und lenkt er mit.

Julius Cäsar heißt einmal mehr der Gegner

Nicht, dass Rom sich keine besseren Verkehrswege leisten könnte. Aber das Geld wird woanders gebraucht. Orgien zum Wohle der Mächtigen heißt es  ­finanzieren. Wenn die Regenten glücklich sind, hat ja bekanntlich auch das Volk was davon. Wobei im Fall des mächtigsten aller Regenten, des Imperators Julius Cäsar, zum Glück auch weltweiter Ruhm gehört. Weshalb Cäsar eben auf Anraten des Verkehrssenators Lactus Bifidus als Ausrichter eines internationalen Wagenrennens ins Rampenlicht getreten ist, nicht ohne dem Senator ins Pflichtenheft zu schreiben, dass das römische Gespann als Sieger durchs Ziel zu gehen hat. Die frohe Kunde vom Rennwettbewerb erreicht die Briten, die Goten, die Perser – und die Gallier. Und als Obelix, der angesichts des Aufkommens federleichter Dekor-Hinkelsteine in eine Sinnkrise abzugleiten droht, von einer Wahrsagerin erfährt, dass er als Renn-Champion Furore machen wird, ist kein Halten mehr.

Texter Jean-Yves Ferri und der Zeichner Didier Conrad brennen ein Ideenfeuerwerk ab, dass nur so die Funken sprühen. Neu- oder Gebrauchtwagen? Die Wahl fällt auf einen zweirädrigen Holzkarren mit gallischem Hahn als Gallionsfigur und einem Vier-PS-Motor in Gestalt von vier gestressten Schimmeln. Und dann wird es so richtig herb. Auf Italiens Straßen herrscht, wen wundert’s, Olivenölglätte. Der Überschuss an Fett geht gelegentlich einher mit einem Mangel an Wildschweinen, ein Manko, das Obelix zumal in Vesperpausen zusetzt. Das gallische und gotische Wagenlenker noch heute verwirrende Labyrinth der Gassen von Siena macht ihren Vorfahren das Reisen nicht minder zur Qual. Und in Rom dann noch dieser Berufsverkehr! Müssen denn aber auch alle Beamten zur gleichen Zeit ihre Amtsstube verlassen? Sie müssen.

Ferri und Conrad haben nun allein das ­Sagen

Ferri und Conrad, seit 2013 geistige Ziehväter von Asterix und Obelix, haben es so gewollt. Und sie allein haben nun das ­Sagen. Der Zeichner Albert Uderzo, der mit dem Texter René Goscinny 1959 Asterix und Obelix erschaffen und nach dem frühen Tod Goscinnys das Schicksal der gallischen Recken allein bestimmt hatte, ist mit 90 Jahren ein Schatten seiner selbst. Und so sind es nun Ferri und Conrad, die kurz vor Erscheinen des Bandes fern aller Schlaglöcher, Staubwolken und Fettfilme im makellosen Glaspalast des Hachette-Verlags offenbaren, was sie sich so gedacht haben beim Schreiben und Zeichnen.

Das heißt: So viel gedacht haben sie dann auch wieder nicht. „Das ist nicht so, dass ich gezielt in eine große Trickkiste greife, vieles ist Intuition“, erzählt Conrad. Arbeitet das Duo also aus dem Bauch ­heraus, hört auf innere Stimmen, quittiert deren Witz und Genialität mit befreitem Lachen? Diesmal ist es Ferri, der abwinkt. Eine durch und durch ernste Angelegenheit sei das Erarbeiten einer Asterix­Geschichte, versichert er. In der Abge­schiedenheit der französischen Pyrenäen, wo er zur Welt kam und aufwuchs, pflegt er sich in Asterix und Obelix hineinzudenken, die Tür zum Arbeitszimmer fest verschlossen. Allenfalls dann und wann lasse er sich eine Portion Pyrenäenschinken unten durch Türspalt schieben, sagt er. Mehr Ruhestörung sei nicht.  „Der ­Austausch zwischen uns zwei ist aber schon auch manchmal vergnüglich“, wirft Conrad ein.

Politische Aktualität hat den Weg in den Comic gefunden

Wobei die beiden – anders als einst Uderzo und Goscinny – nicht auf einem Pariser Balkon bei einem Pastis die Köpfe zusammenstecken und überlegen, was Asterix und Obelix so alles zustoßen könnte. Der aus Marseille stammende Zeichner, wie Ferri 58 Jahre alt, lebt in Texas. „Wir mailen und skypen oft“, sagt Conrad. Ferri reicht Details. „Ich arbeite wie ein Dramaturg, schicke Conrad nicht ein paar Textzeilen, sondern ganze Szenen“, ­erzählt der Texter. Im fernen Houston schleife der Empfänger dann an den Ecken herum, schicke das Bearbeitete zurück, wo dann in den Pyrenäen wiederum einiges weggeschnitten werde. Es sei wie bei der ­Musik, die Bildfolge müsse einem ­gewissen Rhythmus folgen. Politische Aktualität scheint durch den Türspalt ebenfalls den Weg zu Ferris Schreibtisch gefunden zu haben. Kommerz und Korruption überschatten das sportliche Großereignis. Auch stellt sich während des Rennens die Frage, ob sich vom Zentralstaat vereinnahmte Völker gegeneinander ausspielen lassen oder ob sie sich besser gegen die Besatzer verbünden sollten. Katalonien lässt grüßen.

Den Gedanken, Obelix herauszustellen, hatte Ferri schon länger: „Alle lieben dieses zu groß geratene Kind mit dem großen Herzen, und ich liebe ihn ganz besonders“, sagt der vom Körperbau mehr an Asterix erinnernde Texter. Die Sympathie rühre auch daher, dass er in Obelix etwas von sich selbst finde, etwas Irrationales, das es einem Menschen ­erlaube, zu tun, wozu er Lust habe. Es sei an der Zeit gewesen, Obelix zu würdigen. Natürlich geht auch das 37. Abenteuer der gallischen Recken gut aus, nach allfälligen Keilereien und Karambolagen, versteht sich. Und auch die beglückende Botschaft alter Bände ist wieder da: Freundschaft, Treue und Großzügigkeit zahlen sich aus, der Kleine kann die Großen besiegen, auch er kann austeilen, auch er muss sich nicht alles gefallen lassen.  

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